| Datum | 13.10.2026 |
| Subjekt | Universitätsmedizin Göttingen |
| Autor | Lena Bösch |
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| Region | Nemecko |
| Kategorie | Zdravotníctvo a nemocnice, Univerzity |
Als Achtjähriger wurde Nikolaus Schmitt wegen eines angeborenen Herzfehlers in Göttingen operiert. 60 Jahre später kehrt er an die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) zurück, um mit seiner Geschichte auf die Bedeutung spezialisierter Herzmedizin aufmerksam zu machen.
Laut Angaben der Deutschen Herzstiftung kommt jedes 100. Kind mit einem angeborenen Herzfehler auf die Welt. Dank der Fortschritte in Diagnostik und Behandlung erreichen heute mehr als 90 Prozent das Erwachsenenalter. Einer von Ihnen ist Nikolaus Schmitt.
Als Achtjähriger wurde bei Nikolaus Schmitt ein auffälliges Herzgeräusch festgestellt. Die Diagnose: eine hochgradige Pulmonalstenose, eine schwere Verengung der Lungenschlagaderklappe. Ohne Operation war seine Prognose schlecht: Seine Lebenserwartung wurde damals auf höchstens 13 bis 14 Jahre geschätzt. Am 12. September 1966 wurde er an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) am Herzen operiert. Für die Behandlung wurde der Junge aus dem Saarland nach Göttingen gebracht. Zu der Zeit gab es nur wenige Zentren mit der entsprechenden Expertise im Bereich der Kinderkardiologie und Kinderherzchirurgie, die anderen beiden Kliniken lagen in Frankreich und den USA.
60 Jahre später ist Nikolaus Schmitt an die UMG zurückgekehrt. Der heute 68-Jährige war bereits vor zehn Jahren zum 50. Jahrestag seiner Operation in Göttingen. Bei der damaligen Kontrolluntersuchung zeigten sich die Ärzt*innen beeindruckt von seinem Gesundheitszustand und dem langfristigen Erfolg der Operation. Auch der alte Operationsbericht bestätigte, dass der Eingriff damals sehr gut verlaufen war.
„Nach 60 Jahren wieder hier zu sein, ist für mich sehr emotional. Ich denke natürlich daran zurück, wie ich damals als kleiner Junge hierhergekommen bin. Dass ich heute mit 68 Jahren wieder hier stehen kann, ist alles andere als selbstverständlich“, sagt Schmitt.
Göttingen als Zentrum der Kinderherzmedizin
Als Nikolaus Schmitt 1966 operiert wurde, standen Kinderkardiologie und Kinderherzchirurgie in Deutschland noch am Anfang. Göttingen war bereits damals ein bedeutender Standort für die Versorgung herzkranker Kinder. Mit der Berufung von Prof. Dr. Alois J. Beuren im Jahr 1962 als Direktor der Abteilung für Kinderkardiologie wurde in Göttingen die erste akademische Einrichtung für herzkranke Kinder in Deutschland gegründet. Gemeinsam mit dem Kinderherzchirurgen Prof. Dr. Josef Koncz wurde die erste kinderkardiologische und kinderherzchirurgische Abteilung in Deutschland aufgebaut.
„Herr Schmitts Geschichte zeigt, welche Bedeutung spezialisierte Expertise für Kinder mit angeborenen Herzfehlern hat. Vor 60 Jahren waren die medizinischen Möglichkeiten andere als heute. Entscheidend war aber schon damals, dass er an einem Ort behandelt werden konnte, an dem die notwendige Erfahrung vorhanden war“, sagt Prof. Dr. Ulrich Krause, Direktor der Abteilung für Pädiatrische Kardiologie und Intensivmedizin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der UMG.
Die damaligen Pionierleistungen wirken bis heute nach. Viele Kinder mit angeborenen Herzfehlern, die in Göttingen behandelt wurden, erreichen inzwischen das Erwachsenenalter. Die UMG verfügt daher über langjährige Erfahrung in der Betreuung von Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern (EMAH). Im zertifizierten „Überregionalen EMAH-Zentrum“ arbeiten Kinder- und Erwachsenenkardiologie eng zusammen, um die Patient*innen auch im Erwachsenenalter umfassend zu betreuen.
Eine Geschichte, die Mut machen soll
Nikolaus Schmitt ist dreifacher Vater und zweifacher Großvater. Nach einem schweren Motorradunfall im Jahr 1999 begann er mit Ausdauersport. Innerhalb von zehn Jahren lief er acht Marathons und 60 Halbmarathons. Nach 47 Jahren bei der Sparkasse Saarbrücken ging er vor fünf Jahren in den Ruhestand. Mit seiner Geschichte möchte Schmitt heute vor allem Familien mit herzkranken Kindern Mut machen.
„Bei mir waren die Bedingungen damals ganz anders. Trotzdem gab es in Göttingen die Expertise, die ich gebraucht habe, und die Ärzt*innen konnten mein Leben retten. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, ein langes und erfülltes Leben zu führen“, sagt Schmitt.
Zum 60. Jahrestag seiner Herzoperation spendet er 600 Euro für die Herzkinder der UMG.
„Wir danken Nikolaus Schmitt sehr, dass er seine bewegende Geschichte mit uns teilt und auf die Bedeutung gebündelter Expertise für Kinder mit angeborenen Herzfehlern aufmerksam macht. Das ist in dieser Zeit wichtiger denn je. Zugleich danke ich ihm sehr herzlich für seine großzügige Spende zugunsten unserer Herzkinder. Damit können wir den Alltag unserer kleinen Patient*innen etwas bunter gestalten“, sagt Prof. Krause.
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