Kinderarzt und Infektionsexperte: Prof. Dr. Johannes Liese nimmt Abschied von der Kinderklinik des UKW

5.10.2026 - | Universitätsklinikum Würzburg

Seit 2024 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die RSV-Immunisierung für Säuglinge.

Würzburg. „Wir werden ihn vermissen!“ – hallt es aus dem Pflegestützpunkt auf der Station „Seestern“ im Gebäude C5 der Kinderklinik beim Rundgang mit Prof. Dr. Johannes Liese. Die Station Seestern ist die Infektionsstation der Kinderklinik am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Und damit die Station, auf der Prof. Dr. Johannes Liese seit 2009 einen Großteil seiner Arbeitszeit am UKW verbracht hat. Ende September nahm der Spezialist für Infektionskrankheiten im Kindes- und Jugendalter nun Abschied von der klinischen Arbeit am UKW.

2009 kam der Professor für Pädiatrische Infektiologie und Immunologie an die Kinderklinik des UKW, zuvor war er am Haunerschen Kinderspital der LMU in München tätig. Dort hatte er auch studiert und seine Facharztausbildung abgeschlossen „In München war und ist die Infektiologie ein traditioneller Schwerpunkt, so führte mein Weg schon früh in dieses Gebiet“, blickt der gebürtige Erlanger zurück. Seine klinische Ausbildung ergänzte er 1997 durch einen Master in klinischer Epidemiologie an der Harvard School of Public Health in Boston.

Erste Studien zu Keuchhusten-Impfstoffen in den 1990er Jahren

Seine ersten großen Studien befassten sich in den 1990er Jahren mit der Entwicklung von Keuchhusten-Impfstoffen. Schon damals waren Kinderarztpraxen ein wesentlicher Partner für ihn. „Das ist bis heute so geblieben. Die Zusammenarbeit in Netzwerken mit den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen ist mir sehr wichtig. Die meisten Infektionen werden heute in der Praxis behandelt. Aber auch für die Prävention, z.B. Impfungen im Kindesalter sind sie von enormer Bedeutung.“

RSV-Impfung für Säuglinge seit 2024 empfohlen

Ging es früher um Keuchhusten-Impfungen, steht aktuell die Prävention von Erkrankungen durch Atemwegsviren wie RSV (respiratorisches synzytial Virus) auf der Agenda. Seit 2024 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die RSV-Immunisierung für Säuglinge. Am UKW liegt die Impfquote hier bei rund 70 Prozent, so Liese. „Das ist ein großer Schutz für die Säuglinge vor schweren Lungenerkrankungen und zeigt, was moderne Medizin leisten kann.“ Und auf einen weiteren speziellen pädiatrischen Aspekt weist er hin, den Umgang mit den Eltern: „Wir behandeln die Kinder, die ja unsere Patienten sind. Aber die Eltern müssen immer gut informiert sein und einbezogen werden, denn sie entscheiden letztlich für ihr Kind.“

Projekte im Bayerischen Zentrum für präventive Infektionsmedizin zum RS-Virus

Auch in Zukunft wird er sich mit der RSV-Prophylaxe bzw. Impfstoffen beschäftigen. Im Rahmen des Bayerischen Zentrums für präventive Infektionsforschung (BZI), das in diesem Jahr gegründet wurde, wird er u.a. eine Studie betreuen, die mit allen sechs bayerischen Uniklinika durchgeführt wird. Bei dieser Studie geht es z.B. um die Frage, wie lang eine erstmalige RSV-Impfung ihre Wirkung entfaltet. Prof. Liese: „Das Beispiel zeigt einmal mehr anschaulich, wie wichtig gerade solche Netzwerkstrukturen für die medizinische Forschung sind.“ Diese Projekte wird er im Rahmen einer Seniorprofessur durchführen.

Prof. Dr. Christoph Härtel, Direktor der Kinderklinik am UKW, freut sich sehr, dass Prof. Liese auf diesem Weg der Würzburger Universitätsmedizin erhalten bleibt: „Prof. Liese hat sich über 16 Jahre für den infektiologischen Schwerpunkt am Universitätsklinikum Würzburg sehr verdient gemacht und genießt national wie auch international hohes Ansehen. Ich bin sehr dankbar, dass er uns mit seiner besonderen Expertise zu Infektionserkrankungen im Kindesalter und seiner integrativen, inspirierenden Art für unsere Netzwerkforschung z.B. im BZI oder Netzwerk Universitätsmedizin (NUM), weiterhin unterstützen wird.“

Dieses Ansehen zeigte sich zuletzt Ende September erneut: Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) organisierte ihre größte Fortbildungsveranstaltung, den Infektiologischen Intensivkurs, in Würzburg. Mehr als 400 Teilnehmende – vorwiegend Kinderärztinnen und Kinderärzte aus Kliniken und niedergelassenen Praxen – nahmen daran teil. Die wissenschaftliche Leitung lag bei Prof. Liese und PD Dr. Johannes Forster, Institut für Hygiene und Mikrobiologie, mit dem er seit Jahren eng zusammenarbeitet. Prof. Liese war zudem von 2013 bis 2017 der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie.

„Interprofessionelle Zusammenarbeit zeichnet Pädiatrie aus“

Aber zurück zur Station Seestern. Dort wurden während der Corona-Pandemie auch die Kinder und Jugendlichen mit einer Corona-Infektion betreut: „Wir konnten schnell einzelne Stationsbereiche abtrennen, das war natürlich sehr hilfreich für den Infektionsschutz“, blickt der 66-Jährige auf die Zeit der Pandemie zurück. Auf die Frage nach besonderen Ereignissen oder Meilensteine seiner Zeit am UKW muss er auch nicht lange überlegen: „Das Schönste war die tägliche Arbeit hier in der Klinik, auf der Station Seestern. Die gemeinsame Arbeit mit der Pflege und den Kolleginnen und Kollegen aus der Pädiatrie und allen anderen Fachgruppen. Gerade diese Zusammenarbeit verschiedener Professionen zeichnet unsere Arbeit besonders aus.“

Sein Wunsch für die Kinderklinik am UKW für die Zukunft ist: „Die Klinik ist ja auf mehrere Standorte verteilt. Wenn die Klinik in Zukunft in einem modernen Gebäude an einem Standort untergebracht sein wird, ist das eine enorme Erleichterung.“ Liese betont weiter: „Die Kinderklinik am UKW hat eine Leuchtturmfunktion nicht nur für Würzburg, sondern vor allem auch für die überregionale Versorgung.“ Sein zweiter Wunsch: „Die niedergelassenen Kindermediziner müssen eng in die Forschung einbezogen werden. Die Medizin wird immer ambulanter, das muss sich auch in der Forschung widerspiegeln, gerade in der Kinder- und Jugendmedizin.“ Für sich persönlich hat er sich zudem vorgenommen: „Ich singe immer schon gerne als Bass im Weihnachtschor der Kinderklinik; daneben bin ich jetzt seit drei Jahren Mitglied im Oratorienchor Würzburg. Diesem wunderbaren Hobby kann ich nun mehr Zeit einräumen. Darauf freue ich mich sehr.“

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