Leiden die Schafe, deren Wolle zu Shirts wird? Große Anbieter wie Decathlon, Falke und Icebreaker mauern. Nur wenige zeigen im Test starkes Engagement fürs Tierwohl.
Knapp drei Grad zeigt das Thermometer im australischen Armidale an diesem Wintermorgen im Juli, eisiger Wind rüttelt an den Scheunentoren. Auf der Cressbrook-Farm, etwa 500 Kilometer nördlich von Sydney, läuft die Schurwoche auf Hochtouren. Fünf Scherer beugen sich über 60 Kilogramm schwere Merinos, arbeiten schnell und präzise. In der Winterschur lassen sie den Schafen zwei Zentimeter mehr Wolle auf der Haut. „So wird ihnen auf den Feldern nicht zu kalt“, sagt Lach Fulloon, Besitzer des 1 700 Hektar großen Familienbetriebs.
Merinowolle gilt als sehr fein, atmungsaktiv und kaum kratzig. Hinter dem edlen Naturmaterial steckt eine komplexe globale Lieferkette – an deren Anfang Schafe stehen. Über ihre Haltungsbedingungen häufen sich seit Jahren kritische Berichte, besonders aus Australien, dem weltweit größten Wollproduzenten. Im Fokus steht vor allem das schmerzhafte Mulesing: Bei dieser Praktik wird den Lämmern ein Stück Haut aus dem Gesäßbereich herausgeschnitten, um sie vor Fliegenbefall zu schützen. Der Befall kann tödlich sein, doch auch der Eingriff ist brutal.
„Seit mehr als 15 Jahren findet auf unserer Farm kein Mulesing mehr statt“, sagt Lach Fulloon. „Wir erhalten etwa vier bis fünf Prozent mehr Geld für unsere Wolle, weil sie mulesingfrei ist. Das klingt nach wenig, deckt aber den Mehraufwand.“ Trotzdem ist mulesingfreie Wolle in Australien längst nicht Standard. Anders als in weiteren großen wollproduzierenden Ländern wie etwa Neuseeland ist Mulesing in Australien noch erlaubt.
Wir wollten daher von den elf Anbietern der Merino-Funktionsshirts im Test wissen, woher die Wolle stammt und wie die Tiere gehalten werden. Zudem befragten wir die Firmen zu ihrem Engagement für faire Arbeitsbedingungen und umweltschonende Lieferketten, baten um Belege wie Zertifikate, Kontrollberichte und Nachweise von Lieferanten.