Zentralafrikanische Republik: Wenn sich Krisen gegenseitig verschärfen

14.8.2026 - Jameson Gadzirai | Welthungerhilfe

Wie widrige Umstände in dem Land die Mühen gegen Armut, Hunger und Vertreibung behindern – und menschliche Sicherheit untergraben.

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Das Bild von der Zentralafrikanischen Republik macht sich häufig an ihren Krisen fest: Konflikte, Hunger, Vertreibung, schwache Dienstleistungen, Klimaschocks und Unterentwicklung. Doch bevor man über Krisen spricht, muss man über das Land selbst sprechen. Die ZAR ist ein weites, binnenumschlossenes Land im Herzen des afrikanischen Kontinents, das etwa 623.000 Quadratkilometer (vergleichbar mit der Größe der Ukraine oder von Afghanistan) und eine kleine weit verstreute Bevölkerung von 5,5 Millionen Einwohnern umfasst. Es liegt zwischen den feuchten Wäldern des Kongobeckens im Süden und den Savannen, die sich im Norden zur Sahelzone öffnen, wobei Flüsse sowohl das Ubangi-Kongo-System als auch das Tschadseebecken speisen. Es ist ein Land voller Wälder, Wildtiere, fruchtbarem Land, Wasser, Mineralien und einer beeindruckenden ökologischen Vielfalt.

In meinem Berufsleben bin ich dreimal in dieses Land zurückgekehrt: im September 2016 für Concern Worldwide, von Februar 2018 bis Januar 2020 für Cordaid und erneut ab Juli 2024 als Landesdirektor der Welthungerhilfe. Ich sage "zurückgekehrt" mit voller Absicht. Denn die CAR ist kein Auftrag, den man einfach erledigt. Sie bleibt bei dir. Ich sage oft mit Zuneigung oder Frustration, dass an diesem Ort Murphys Gesetz weniger Scherz ist als tatsächliche Planungshypothese: Was schiefgehen kann, geht oft schief, und meist zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Aber die andere Seite der Geschichte ist die Geduld, der Humor und die Widerstandskraft, mit denen die Menschen in Bedingungen weitermachen, die viele Gesellschaften erschöpfen würden.

Innerhalb des Landes tauchen die Betroffenen sich überlagernder Krisen nicht in Kategorien, wie Binnenflüchtlinge oder Vertriebene, auf, sondern Seite an Seite. Sie treffen sich im selben Haushalt, auf derselben Straße, auf demselben Markt und bei derselben Entscheidung, die eine Familie treffen muss: Soll sie ihr Feld beackern oder weiterziehen? Ein Kind zur Schule schicken oder eine Mahlzeit für den Abend haben? Soll sie eine Ziege verkaufen, um den teuren Weg zu einer Krankenstation zu bezahlen, oder zum Markt?

Polykrise: Geschichte und Gesicht

Wann die aktuelle Krise begann, ist schwer festzumachen, aber der Kollaps 2013–2014 bleibt ein entscheidender Wendepunkt. Der Vormarsch der Rebellenallianz Séléka auf die Hauptstadt Bangui, der Sturz von Präsident François Bozizé im März 2013, der Aufstieg von "Anti-Balaka"-Gruppen, die sich gegen die Séléka stellten, und der Übergang 2014 verwandelten langjährige Rivalitäten in einen nationalen Bruch. MINUSCA (die Multidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen) wurde im April 2014 vom UN-Sicherheitsrat autorisiert – mit dem Schutz der Zivilbevölkerung im Zentrum des Mandats und einer Rolle zur Erleichterung des humanitären Zugangs. Mehr als ein Jahrzehnt später hat sich das Land unbestreitbar verändert: Die staatliche Autorität hat in vielerlei Hinsicht wieder Raum gefasst, nationale Institutionen funktionieren, Wahlen fanden statt und versprengte Gemeinschaften finden weiter zusammen. Doch die Krise ist nicht vorüber. Sie hat sich in der Form verändert.

Konkret zeigt die Polykrise sich so: Unsicherheit entlang einer Straße erzeugt nicht nur Angst, sie erhöht die Kosten des Verkehrswegs. Höhere Transportkosten schlagen auf die Lebensmittelpreise durch. Wenn die Lebensmittelpreise steigen, schmälern Familien die Mahlzeiten, verkaufen produktive Werte oder schieben Behandlungen für die Gesundheit auf. Wenn Familien vertrieben werden, teilen sich Gastgemeinden begrenzt verfügbares Wasser, Land, Nahrung und Dienstleistungen. Wenn Straßen beschädigt oder unsicher sind, kommen humanitäre Teams zu spät, Händler halten sich zurück, öffentliche Dienste funktionieren nur leidlich, und Landwirte verlieren den Zugang zu Märkten. Klimabedingte Wettereignisse erhöhen dann zusätzlich den Druck auf Haushalte, die schon Ersparnisse, Vieh, Saatgut oder Werkzeuge verloren haben.

Es war zu beobachten, wie Ernährungssysteme in der ZAR fragil bleiben, sich fangen und dann wieder zurückfallen. Das ist vielleicht eine der schwersten Seiten der Arbeit hier: Fortschritt ist real, aber selten linear. Eine Gemeinschaft kann sich genug erholen, um wieder Felder zu bestellen, dann machen Unsicherheit, Überschwemmungen, Treibstoffmangel oder eine blockierte Straße monatelange Arbeit wieder zunichte. Kommt es zu einem Sicherheitsvorfall wie kürzlich in Vakaga im Norden, bei dem humanitäre Kollegen betroffen waren, bleibt einem nicht nur die operative Störung sondern auch das menschliche Gewicht solcher Momente im Gedächtnis: erschütterte Mitarbeiter, Familien, die auf Hilfe warten, Fragen der Gemeinden, der Zwang weiterzumachen und doch Angst zuzulassen. Zugang ist in solchen Umständen niemals ein abstraktes Wort. Es ist die feine Linie zwischen An- und Abwesenheit.

Vielfache Unsicherheiten für Ernährung

Ernährungsunsicherheit in der ZAR betrifft daher nicht nur die Produktion. Das Update des IPC von April bis August 2026 schätzt, dass mehr als zwei Millionen Menschen, fast jeder dritte, unter hoher akuter Ernährungsunsicherheit leiden, davon 262.000 Menschen in Notstand. Anhaltende Konflikte, Vertreibung, gestiegene Preise, schwache Kaufkraft und schlechte Straßen beschränken den Zugang zu Lebensmitteln.

Dabei stammt die Unsicherheit in der ZAR heute weniger von einem einzigen nationalen Frontverlauf, sondern von stark lokalisierten Dynamiken. Umtriebe bewaffneter Gruppen, Kleinkrimineller und Straßenbanditen, Wettbewerb um Land und natürliche Ressourcen, Spannungen wegen saisonaler Migration und aus Nachbarländern übergreifende Konflikte tragen alle zur Unsicherheit bei. Auf abgelegenen Straßen können begrenzte staatliche Präsenz und schwache Kommunikation Gemeinden, Händler und humanitäres Handeln besonders anfällig für Raubüberfälle, Hinterhalte und andere Störungen machen.

Für diejenigen von uns, die mit ländlichen Gemeinden arbeiten, ist das sehr real. Eine Ernte zählt, aber ebenso die Straße vom Feld zum Markt, der Kraftstoffpreis, die Stabilität der Wagenachsen, die Verfügbarkeit von Samen, das Vertrauen zwischen Hirten und Bauern, und ob Frauen am lokalen Wirtschaftsleben teilnehmen können.

Man darf die Zentralafrikanische Republik dennoch nicht auf den humanitären Notstand reduzieren. Er kann den Eindruck erwecken, Gemeinschaften seien passiv, obwohl sie sich ständig anpassen, verhandeln und wieder aufbauen. Bauern und Bäuerinnen pflanzen weiter. Frauengruppen organisieren Sparkreise und Kleingewerbe. Lokale Anführer vermitteln Spannungen. Heimische NGOs erreichen Gemeinden, in denen internationale Akteure nicht präsent sein können. Diese Anstrengungen sollen das Bild nicht verklären; Resilienz ist kein Ersatz für Rechte, Dienstleistungen oder Schutz. Aber es ist wichtig zu sehen, dass sich das Land nicht nur über Krisen definiert. Es definiert sich über die täglichen Mühen der Menschen, über die Runden zu kommen.

Staatlicher Rahmen birgt Erkenntnisse

Die Regierung hat mit wichtigen Rahmenbedingungen reagiert. Der Nationale Entwicklungsplan 2024–2028 folgt auf das frühere Rahmenwerk für Erholung und Friedensförderung und wurde in Zusammenarbeit von Regierung, technischen und finanziellen Partnern, dem Privatsektor, der Zivilgesellschaft und den Gemeinschaften entwickelt. Die Nationale Strategie für dauerhafte Lösungen für Binnenvertriebene und Rückkehrer spiegelt ebenfalls die Erkenntnis wider, dass Vertreibungen nicht endlos als vorübergehender Notfall behandelt werden können. Die jüngsten Diskussionen zur Reform der öffentlichen Finanzen deuten in dieselbe Richtung: Ohne stärkere inländische Einnahmen, bessere Finanzverwaltung und größere Investitionen in menschliche Talente wird die Fähigkeit des Staates, Entwicklung zu finanzieren, weiter eingeschränkt bleiben.

Berechtigt ist zugleich das Gegenargument, dass Fortschritt real ist und anerkannt werden sollte. Teile des Landes sind stabiler als in den Spitzenjahren der Krise. Die humanitäre Fallzahl ist in einigen Planungszyklen zurückgegangen. Der Staat versucht mit Unterstützung von Partnern, Notfallhilfe wieder mit Wiederaufbau und Entwicklung zu verbinden. Auch die Geber stehen weltweit unter Druck und können nicht jede Krise auf gleichem Niveau finanzieren. Das hat seine Gültigkeit, wird aber gefährlich, wenn daraus abgeleitet wird, dass die ZAR zu schnell in den Prioritäten zurückgestuft werden könne. Ein geringerer humanitärer Finanzierungsaufruf kann eine geringere Verwundbarkeit widerspiegeln, aber auch Priorisierungs- und Finanzierungsgrenzen.

Humanitäre Abkehr verhindern

Internationale Geber und humanitäre Akteure bleiben unerlässlich. Der humanitäre Reaktionsplan 2026 sieht 264,1 Mio. Dollar vor, um 1,3 Millionen der meistgefährdeten Menschen zu unterstützen. Die Europäische Union schätzt, dass 2026 2,3 Millionen Menschen humanitäre Hilfe benötigen werden, und hat dem Land 22 Mio. Euro dafür zugeteilt. Diese Unterstützung ist von großer Bedeutung, insbesondere für Beteiligte wie UNHAS (United Nations Humanitarian Air Service), da der Zugang in der CAR kein bloßer Verwaltungsakt ist – und den Unterschied macht zwischen Programmen, die zuhören, überwachen und reagieren können, und jenen auf dem Papier.

Die internationale Krisenhilfe sieht sich schwierigen Fragen gegenüber. Humanitäre Akteure sind aufgefordert, stärker zu priorisieren. Akteure der Entwicklungsarbeit werden ermutigt, früher zu übernehmen. Friedens- und Sicherheitsakteure werden gebeten, die Stabilisierung zu unterstützen und zugleich die nationale Eigenverantwortung schrittweise zu begleiten. Nichts davon ist falsch. Aber die Reihenfolge ist wichtig. Wird die humanitäre Hilfe zurückgezogen, bevor grundlegende Dienstleistungen, lokale Märkte, Lebensgrundlagen und staatliche Kapazitäten bereit sind, die Last zu tragen, kann jeglicher Fortschritt zusammenbrechen. Die Frage ist nicht "humanitär oder entwicklungsfördernd". In vielen Teilen der ZAR muss humanitär geholfen werden, wo nötig, frühzeitig Entwicklungspfade eingebaut und durchgehend Widerstandsfähigkeit aufgebaut werden.

Lokalisierung ist eine der wichtigsten Chancen in diesem Übergang. Es sollte nicht einfach bedeuten, Risiken an nationale NGOs abzugeben oder Subunternehmer zu geringeren Kosten zu beauftragen. Lokale Akteure bringen operative Kenntnisse mit: Sie wissen, welche Straßen unsicher werden, wann sich die Marktpreise ändern, welche Familien neu vertrieben sind, welche Spannungen zwischen den Gemeinschaften entstehen und wo von Frauen geführte Organisationen ausgeschlossen werden. Sinnvolle Lokalisierung erfordert Informationen, Ressourcen, Einfluss und Verantwortlichkeit. Ein Platz am Tisch zählt; die Fähigkeit, Entscheidungen zu gestalten, ist wichtiger.

Stabilisierung auf mehreren Ebenen

Die Zentralafrikanische Republik stellt auch Annahmen über die Wiederherstellung staatlicher Macht infrage. Forschungsarbeiten von Tim Glawion und anderen zeigten wiederholt, dass militärische Kontrolle allein keine dauerhafte Legitimität verleiht. Die Menschen erwarten Sicherheit, aber auch Gerechtigkeit, Zugehörigkeit, Dienstleistungen, Straßen, Schulen, ein Gesundheitswesen und Arbeitsplätze. Dies ist eine der wichtigsten Lehren für externe Partner: Stabilisierung ist nicht allein an einer in einer Stadt gehissten Flagge zu messen. Sie misst sich daran, ob sich Gemeinden sicherer fühlen, ob Kinder lernen, ob Bauern verkaufen, ob vertriebene Familien freiwillig zurückkehren und ob die öffentliche Hand als Dienstleister und nicht als Ausbeuter wahrgenommen wird.

Was sollte dann also getan werden? Erstens muss humanitäre Hilfe prinzipientreu, gezielt und ausreichend finanziert bleiben, insbesondere in Gebieten mit hoher akuter Verwundbarkeit. Zweitens müssen Investitionen in Entwicklung über leicht zugängliche Zonen hinaus reichen und Infrastruktur mit ländlichen Existenzen, Nahrungssystemen, der wirtschaftlichen Stärkung von Frauen und lokalen Märkten verbinden. Drittens müssen Programme zur Ernährungssicherung als System-Aenda konzipiert werden: Saatgut, Land, Straßen, Lagerung, Verarbeitung, Klimaanpassung, sozialer Zusammenhalt und Kaufkraft sind alle wichtig. Viertens muss Lokalisierung sich von Verantwortung für Umsetzung zum Transfer von Kapazität und Einfluss wandeln. Schließlich benötigen die Reformbemühungen der Regierung nachhaltige Unterstützung, aber auch einen ehrlichen Dialog über territoriale Abdeckung, Rechenschaftspflichten und öffentliche Ressourcen.

Die Polykrise in der CAR ist keine Kette separater Notfälle. Es ist ein System, in dem jeder Schock die anderen verstärken kann. Aber auch Systeme können verändert werden. Eine sichere Straße kann die Lebensmittelpreise senken. Ein funktionierendes Gesundheitszentrum kann verhindern, dass ein Haushalt all sein Hab und Gut verkauft. Eine örtlich vernetzte Organisation mit Eigenmitteln kann eine Krise erkennen, bevor sie in nationale Statistiken eingeht. Ein Entwicklungsprogramm, das zum richtigen Zeitpunkt eintrifft, kann schützen, was humanitäres Handel am Leben erhielt.

Die Lehre aus der Zentralafrikanischen Republik ist daher sowohl ernüchternd als auch hoffnungsvoll. Ernüchternd, weil fragile Gewinne leicht umkehrbar sind, wenn das Land wie eine Krise von gestern behandelt wird. Hoffnungsvoll, weil der Weg nach vorne sichtbar ist: die humanitäre Basis bewahren, investieren in lokale Systeme, verantwortungsvolle öffentliche Dienstleistungen unterstützen, widerstandsfähige Ernährungssysteme stärken und Gemeinschaften ernsthaft zuhören, die täglich die Polykrise erleben. Vor allem gilt es, sich stets vor Augen zu halten, dass hinter jeder Kategorie – IDP, Gastgemeinde, Landwirt, Rückkehrer, Händler, Kind, lokaler Partner – eine Person steckt, die versucht, eine Zukunft in einem Land zusammenzuhalten, das es verdient, nicht nur für seine Krisen, sondern auch für seinen Mut gesehen zu werden.

Dieser Artikel stützt sich auf Reflexionen des Autors aus der Arbeit im Feld in der Zentralafrikanischen Republik, einschließlich Aufträgen bei Concern Worldwide, Cordaid und Welthungerhilfe. Daten bezogen auf humanitäre Lagen und Ernährungssicherheit greifen zurück auf den Plan für humanitäre Bedürfnisse und Reaktion 2026 für die Zentralafrikanische Republik, wie erwähnt in der humanitären Berichterstattung der Europäischen Kommission, auf die IPC Zentralafrikanische Republik: Update zur akuten Prognose der Ernährungssicherheit, April–August 2026, und die humanitäre Berichterstattung über die Zentralafrikanische Republik der Europäischen Kommission.

Der Hintergrund zur Gründung und zum Mandat der MINUSCA basiert auf der UN-Sicherheitsratsresolution 2149 (2014) und dem MINUSCA Informationsblatt.

Die Diskussion über die nationale Entwicklungsplanung stützt sich auf Nationaler Entwicklungsplan der Zentralafrikanischen Republik 2024–2028, während die Analyse der Beschränkungen der öffentlichen Finanzen von der Weltbank Public Finance Review der Zentralafrikanischen Republik beeinflusst ist und der dazugehörigen Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger.

Überlegungen zu staatlicher Autorität, Legitimität, Stabilisierung und lokalen Wahrnehmungen orientieren sich besonders an Tim Glawion, Jaïr van der Lijn und Nikki de Zwaan. Sicherstellung legitimer Stabilität in der ZAR: Externe Annahmen und lokale Perspektiven (SIPRI, 2019).



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