Teilprojekt im SFB untersucht Parodiereligionen Beten Sie zum Fliegenden Spaghettimonster?

31.7.2026 - Victoria Meinschäfer | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Gott als guter Hirte oder das Göttliche als Licht sind bekannte Metaphern. So versuchen Religionen, das Transzendente in ein verständliches (Sprach)bild zu übertragen. Aber gilt das auch für diejenigen, die an das Fliegende Spaghettimonster glauben? Nutzen Parodiereligionen vergleichbare Bilder? Das soll nun in einem Projekt an der Heinrich-Heine-Universität erforscht werden.

Der Sonderforschungsbereich „Metaphern der Religion: Religiöse Sinnbildung in sprachlichen Prozessen“, der an der Ruhr-Universität Bochum koordiniert wird, untersucht, wie sich religiöse Sinnbildung durch Metaphern vollzieht. Dank des Düsseldorfer Linguisten Prof. Dr. Stefan Hartmann bleibt es in der nun beginnenden zweiten Förderperiode nicht bei der Beschäftigung mit authentischen Religionen – der Sprachwissenschaftler wird sich im Rahmen eines Teilprojekts mit der Rolle von Metaphern in Parodiereligionen beschäftigen.

Der Pastafarianismus, die Church of the SubGenius oder die United Church of Bacon – solche und andere Parodien religiöser Gemeinschaft existieren seit vielen Jahren. „Diese Pseudoreligionen haben eine organisierte Anhängerschaft, ein komplexes Glaubenssystem und meist Gründungsschriften, also quasi ‚Bibeln‘. Und sie benutzen religiöse Metaphern, wie sie aus echten Religionen bekannt sind.“ Genau diese möchte Hartmann nun untersuchen. Dazu wird zunächst ein Textkorpus erstellt, das zum einen die Gründungsschriften der Phantasiereligionen, zum anderen die teils sehr umfangreichen Texte auf Social Media auswertet. „Dabei werden auch Bilder, Memes etc. analysiert, das hat den Vorteil, dass wir die Metaphern in verschiedenen Erscheinungsweisen untersuchen können. Wir vermuten, dass in Parodiereligionen vor allem solche Metaphern aufgegriffen werden, die eng mit Religion in Verbindung gebracht werden – ob das wirklich so ist, wollen wir auf Grundlage unserer Daten untersuchen“, so Hartmann.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Parodiereligionen Transzendenz, Göttlichkeit und die Unterscheidung zwischen „Heiligem“ und Alltäglichem darstellen. „Wir analysieren, wie Metaphern eingesetzt werden, um religiöse Überzeugungen und Praktiken zu kritisieren, Humor und Ironie zu erzeugen oder alternative Formen von Gemeinschaft zu schaffen.“ Methodisch verbindet das Projekt die im SFB entwickelten Verfahren der Metapherndokumentation mit Frame-Semantik. Dadurch trägt es zu einem besseren Verständnis der Frage bei, welche Metaphern religiöses Denken strukturieren und warum bestimmte religiöse Bilder und Vorstellungen auch außerhalb traditioneller Religionsgemeinschaften wirksam bleiben.

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