FÜRACKER: DIALEKTPREIS BAYERN 2026 – DIALEKT IST AUSDRUCK KULTURELLER VIELFALT – „Dialektpreis Bayern“ würdigt besondere Verdienste um die Mundarten in Bayern // „Dialektpreis Jugend“ zum dritten Mal verliehen // Preisgeld von je 1.000 Euro

28.7.2026 - | Bayerische Staatsregierung

„Dialekt ist weit mehr als eine Art zu sprechen: Er ist Ausdruck unserer Heimat und unserer kulturellen Vielfalt. Gleichzeitig schafft er Nähe, vermittelt Zugehörigkeit und verbindet Generationen. Mit unserem Dialektpreis würdigen wir besondere Botschafterinnen und Boschafter bayerischer Mundarten. Mit ihrem Engagement halten sie die sprachliche Vielfalt lebendig. Sie setzen sich mit Leidenschaft und Kreativität dafür ein, dass Dialekte gesprochen, gehört und geschätzt werden. Der vielfältige Empfängerkreis des Dialektpreises 2026 – beispielsweise aus Musik, Literatur, Theater oder Medien – beweist: Wie verschieden die Tätigkeitsfelder auch sind – allen acht Preisträgerinnen und Preisträgern gemeinsam ist ihr außergewöhnliches Engagement für bayerische Mundarten. Daneben zeigt die beeindruckende und vielfältige Resonanz beim dritten Dialektpreis Jugend unter dem Thema ‚Dialekt ist Heimat‘, dass Dialekt modern ist und die junge Generation begeistert“, freute sich Finanz- und Heimatminister Albert Füracker bei der Preisverleihung am Dienstag (28.7.) in der Allerheiligen-Hofkirche in München.

„Alle unsere heutigen Preisträgerinnen und Preisträger bringen Dialekt mitten ins Leben. Sie zeigen, dass Mundart und Moderne hervorragend zusammenpassen und schlagen Brücken zwischen den Generationen. Dialekt ist lebendig, kreativ und voller Zukunft. Vielen Dank für dieses Engagement!“, so Füracker.

Der vom Bayerischen Staatsministerium der Finanzen und für Heimat seit 2017 verliehene und mit je 1.000 Euro dotierte „Dialektpreis Bayern“ würdigt besondere Verdienste um die Mundarten in Bayern. Pro Regierungsbezirk ist jährlich eine Auszeichnung vorgesehen, zusätzlich gibt es einen Preis für die sudetendeutsche Mundartpflege. Die Vorschläge für die Preisträgerinnen und Preisträger werden grundsätzlich im Vorfeld von den bayerischen Bezirksheimatpflegerinnen und Bezirksheimatpflegern eingereicht.

Zum dritten Mal wird 2026 zusätzlich der mit je 1.000 Euro dotierte „Dialektpreis Jugend“ verliehen. Dafür konnten sich junge Menschen im Alter von 10 bis 27 Jahren beim Heimatministerium bewerben, in diesem Jahr mit Beiträgen zum Thema „Dialekt ist Heimat“. Aus allen eingereichten Beiträgen hat eine Jury aus Vertreterinnen und Vertretern des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege, des Bayerischen Jugendrings, des Wertebündnisses Bayern, der bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger des Dialektpreises Jugend sowie des Staatsministeriums der Finanzen und für Heimat zwei Jugendgruppen und eine Schulklasse ausgewählt.

Folgende Preisträgerinnen und Preisträger wurden mit dem diesjährigen „Dialektpreis Bayern“ ausgezeichnet:

Oberbayern: Alpin FM
Der private Radiosender aus Rosenheim sendet unter dem Slogan „echt. bairisch.“ mitten aus Oberbayern und mitten aus dem Leben. Alpin FM bringt das Lebensgefühl der Alpen ins Radio – mit Musik, Nachrichten und allem, was die Menschen in der Region bewegt. „Heimat zum Hören“ gibt es beispielsweise mit den halbstündlichen „Nachrichten auf Boarisch“, mit Gesprächen mit der „Ratschkathl“ sowie in Interviews mit Bands, Künstlern und Menschen aus der Region – selbstverständlich im Dialekt. Alpin FM zeigt, dass Dialekt absolut sendefähig ist, dank Internetradio auch weit über Bayern hinaus.

Niederbayern: Sebastian Daller
Dr. Sebastian Daller (genannt Daller Wast) aus Teugn war einer der renommiertesten Gstanzlsänger in Bayern. Nach seiner aktiven Zeit als Gstanzlsänger hat der studierte Germanist und Gymnasiallehrer begonnen, die Welt der Gstanzl wissenschaftlich zu beleuchten. Dabei hat er alle möglichen sprachlichen Varianten und Gesetzmäßigkeiten der Vierzeiler analysiert und auf einen Nenner gebracht. Das Ergebnis ist seine im Herbst 2025 erschienene Dissertationsschrift „Die Schnaderhüpfl-Anatomie“.

Oberpfalz: Dieter Radl
Dieter Radl aus Sulzbach-Rosenberg bringt Heimat zum Sprechen, zum Lachen und zum Singen. Der pensionierte Sonderschullehrer ist Mundartdichter, Autor, Erzähler, Theatermacher und Musiker – ein Multitalent und Reisender in Sachen Oberpfälzer Mundart. Seit Jahrzehnten begeistern seine Mundartabende unter dem Motto „Gredd wai da Schnowl gwaggsn is“ mit Anekdoten, Gedichten, Liedern oder kleinen Theaterstücken. Für Dieter Radl ist Dialekt die sprachliche Sichtbarkeit der Heimat, schon ein „daham“, „dahoim“ oder „dahoam“ kann verraten, woher jemand kommt. Er ist nicht nur Unterhalter, sondern auch genauer Beobachter und Kenner regionaler Sprachräume und holt fast vergessene Wörter und Figuren des Dialekts zurück ins Gedächtnis wie etwa Bissgurn, Springginkerl oder Husadirl.

Oberfranken: Sebastian „Wastel“ Kauz
Die musikalischen Wurzeln des Liedermachers Sebastian Kauz aus Waischenfeld liegen in Punk, Grunge und Metal. Er spricht und singt Fränkisch aus Überzeugung und ist eine Frohnatur mit Tiefgang. Mit seiner Musik kann er Menschen erheitern, verarbeitet darin aber auch persönliche Themen, wie zum Beispiel das Leben in ländlichen Regionen wie der Fränkischen Schweiz oder seine Erfahrungen aus der Intensivpflege. Sebastian Kauz ist sozial engagiert, er setzt sich für kulturelle Vielfalt, gegen Rassismus und für junge Menschen im ländlichen Raum ein. Durch seine Musik hat er Mundart modern, kritisch und humorvoll neu belebt.

Mittelfranken: Schwabacher Marionettenbühne mit dem „Meiers Gerch“
Die Schwabacher Marionettenbühne wurde 1945 von Ruth und Emil Bloss gegründet und steht seit inzwischen 80 Jahren für Phantasie und Handwerkskunst. Seit 1979 hat sie ihre feste Heimat im Alten Deutschen Gymnasium in Schwabach und seit 1996 zieht der Theaterleiter Armin Vogel „die Fäden“. Der Hausgeist „Meiers Gerch“ wacht darüber, dass niemand den Faden verliert und zeichnet sich durch seine knollige Nase, buschigen Augenbrauen, ausgelatschten Pantoffeln und seinen extrem breiten fränkischen Dialekt aus. Aus Holz, Stoff, Fäden und ganz viel Herz entsteht hier wahre Magie, die in jährlich rund 120 öffentlichen Aufführungen, sowie Sonderaufführungen für Schulen und Kitas mit theaterpädagogischer Begleitung, erlebt werden kann.

Unterfranken: Stefan Menz und Rosie Füglein
Der Kreisheimatpfleger des Landkreises Schweinfurt, Stefan Menz, hat zusammen mit der Journalistin Rosie Füglein als Regisseurin das beeindruckende Mundart-Hörspiel „Vergessene Helden der fränkischen Geschichte: Der Gärtner und Lebensmittelretter Andreas Stumpf aus Unterspiesheim – oder: Wie der Apfel in die Flasche kam“ geschaffen. Menz und Füglein recherchierten dazu das Leben von Andreas Stumpf, entwickelten das Hörspielkonzept und koordinierten die Produktion mit zahlreichen Mitwirkenden und Sprechern aus der Region. Zentrales Element ist der unterfränkische Dialekt, der den Figuren in ihrer Zeit Authentizität verleiht. 2027 wird das Hörspiel zum 100-jährigen Jubiläum der Erfindung der Haltbarmachung von Apfelsaft in Wolfratshausen, der damaligen Wirkungsstätte von Andreas Stumpf, aufgeführt.

Schwaben: Werner Specht
Dem Westallgäuer Liedermacher, Multiinstrumentalist, Maler und Poeten Werner Specht aus Lindenberg im Allgäu geht es in seiner Kunst darum, den Moment, die Tiefe und die Zwischentöne zu spüren. Anfang der 1980er Jahre hat er seinen Dialekt als authentische und für ihn passende Form des künstlerischen Ausdrucks erkannt. Seitdem hat er mehrere hundert Lieder in Westallgäuer Mundart selbst komponiert und interpretiert. Sein umfangreiches Schaffen zählt unzählige musikalische Auftritte von Wirtshaus-Musik bis „Songs an einem Sommerabend“, zahlreiche Audio-CDs sowie acht Bücher.

Sudetendeutsche: Lorenz Loserth
Lorenz Justin Loserth aus München gehört zu den jungen Stimmen der sudetendeutschen Mundartpflege. Seit Jahren bereichert er die Mundartseminare als Mundartsprecher und Workshopleiter. Bei den Sudetendeutschen Tagen ist er regelmäßig mit Kurzvorträgen in der sogenannten Altvater Mundart zu erleben. Ein besonderes Projekt von Lorenz Loserth ist der 2025 erschienene „Da kleene Prinz“ in Sudetenschlesisch in 18 verschiedenen Mundarten. Dazu hat er Menschen aus Deutschland und Tschechien der Jahrgänge 1931 bis 1987 zusammengebracht. Auch das Sudetendeutsche MundartMemory trägt seine Handschrift.

Mit dem ‚Dialektpreis Jugend‘ wurden ausgezeichnet:

AG „So babbele mir“ des Jugendtreffs Mönchberg (Unterfranken)
Die AG „So babbele mir“ des Jugendtreffs Mönchberg zeigt mit ihrem Beitrag eindrucksvoll, dass Dialekte nicht nur regionale Identität stiften, sondern auch Geschichten erzählen und die Kraft haben, Generationen zu verbinden: Gemeinsam mit der 90-jährigen Lucia Heider, einem Mönchberger Urgestein, haben die Kinder des Jugendtreffs – im Alter von gerade einmal 10 bis 12 Jahren – Wörter, Redewendungen und Geschichten ihres Heimatortes gesammelt. Daraus entstand ein Brettspiel, das Geschichten von Lieblingsorten in Mönchberg auf Mundart erzählt. Besonders beeindruckt hat die Jury, mit welcher Hingabe und Akribie die Kinder das Brettspiel entwickelt haben: Vom Backen des für Mönchberg typischen „Roahmbloatz“-Kuchen, über die Erstellung eines Dialektvokabelhefts bis hin zum Entwerfen und 3-D-Drucken der Spielfiguren – hier wurde an alles gedacht.

Klasse 5f des König-Karlmann-Gymnasiums Altötting (Oberbayern)
Die Klasse 5f des König-Karlmann-Gymnasiums Altötting hat einen Film eingereicht, der nur wenige Minuten dauert und trotzdem lange in Erinnerung bleibt: Mit Humor erzählen die Schülerinnen und Schüler zu Beginn des selbst erstellten Films mit Selbstbewusstsein und Selbstverständlichkeit, warum sie gerne Dialekt sprechen. Dadurch wird bewusst, dass Dialekt nicht nur eine Sprachform, sondern auch ein Stück Persönlichkeit, Heimat und Identität ist. Mit der anschließenden Verfilmung des Gedichts „A Buamahosntaschn“ von Helmut Zöpfl gelingt der Klasse eine beeindruckende Verbindung von Literatur, Sprache und moderner Mediengestaltung. Das Gedicht wird lebendig und greifbar – auch für Menschen, die den Dialekt vielleicht nicht perfekt verstehen. Die Jury war sich einig: Dieser Film ist ein starkes Bekenntnis zu Dialekt und Heimat und zugleich ein Unterrichtsprojekt, das auch andere Schulklassen inspirieren kann.

Trachtenjugend des Heimat- und Volkstrachtenvereins „Die Perlbachtaler“ Edenstetten (Niederbayern)
Die Trachtenjugend der Perlbachtaler Edenstetten hat das diesjährige Motto „Dialekt ist Heimat“ mit einem traditionsbewussten und zugleich modernen Musikvideo eindrucksvoll aufgegriffen. Singend im Dialekt und in Tracht zeigen die Jugendlichen in ihrem Musikvideo gelebte Traditionen, Brauchtum und die Landschaft ihrer Heimat. Gleichzeitig verleiht die moderne, leichte Bildsprache dem Video eine besondere Frische und macht deutlich: Dialekt und Tradition passen in das Leben junger Menschen. Das Video ist mehr als ein Lied über Mundart: Die Jugendlichen erzählen darin auch ganz persönlich, warum ihnen ihr Dialekt wichtig ist und welche Bedeutung er für ihre ihren Alltag hat. Vom Text über Musik bis hin zur filmischen Gestaltung wurde alles von den Jugendlichen selbst entwickelt und umgesetzt, was von Kreativität, Engagement und Teamgeist zeugt. Die Trachtenjugend ist aus Sicht der Jury ein inspirierendes Beispiel dafür, wie junge Menschen Dialekt leben und pflegen und andere ermutigen können, sich mit der eigenen Sprache und Heimat auseinanderzusetzen.

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