Bonn, 15. Juli 2026 – Wenn ein Kind ein MRT benötigt, bedeutet das für viele Familien zunächst Stress. Gerade schwer kranke Neugeborene oder Kinder auf der Intensivstation müssen dafür häufig aufwendig transportiert werden – oft mit zahlreichen medizinischen Geräten und unter engmaschiger Überwachung. Am Universitätsklinikum Bonn (UKB) geht das jetzt deutlich schonender: Mit einem mobilen Low-Field-MRT können viele Untersuchungen direkt am Krankenbett durchgeführt werden.
Das UKB zählt weltweit zu den Vorreitern bei der Anwendung dieser innovativen Technologie. Bereits seit 2022 wird das mobile MRT im Rahmen eines internationalen Forschungsprojekts eingesetzt. Nach nahezu 600 erfolgreichen Untersuchungen – insbesondere bei Früh- und Neugeborenen – steht nun ein CE-zertifiziertes Gerät dauerhaft für die klinische Versorgung zur Verfügung.
„Unser Ziel ist es, Diagnostik so sicher und so wenig belastend wie möglich zu gestalten – gerade für unsere kleinsten Patientinnen und Patienten“, sagt Prof. Hemmen Sabir, Co-Direktor der Neonatologie und Pädiatrischen Intensivmedizin am UKB. „Mit dem mobilen MRT bringen wir die Bildgebung zum Kind – und nicht das Kind zur Bildgebung.“
Viele Kinder müssen für die Untersuchung ihre vertraute Umgebung auf der Station nicht mehr verlassen. Gerade für intensivmedizinisch betreute Patientinnen und Patienten entfällt der aufwendige Transport. Das reduziert Risiken, spart wertvolle Zeit und entlastet Kinder, Eltern und Behandlungsteams.
Auch für ältere Kinder bietet das mobile MRT einen entscheidenden Vorteil: Die Untersuchung wird häufig als deutlich weniger beängstigend erlebt als in einem herkömmlichen MRT. Währenddessen können die Kinder sogar ein Tablet nutzen und beispielsweise einen Film schauen.
Das mobile Low-Field-MRT ersetzt kein hochauflösendes klinisches MRT. Für viele Fragestellungen in der Kinder- und Intensivmedizin liefert es jedoch genau die Informationen, die Ärztinnen und Ärzte schnell benötigen. So lässt sich beispielsweise beurteilen, ob sich Blutungen verändert haben, ob sich Hirnwasser gestaut hat oder ob nach einer Operation akuter Handlungsbedarf besteht. Gerade in der Intensivmedizin können diese Informationen entscheidend sein, ohne dass ein belastender Patiententransport erforderlich wird.
Am UKB wird die mobile MRT-Technologie nicht nur klinisch eingesetzt, sondern auch kontinuierlich weiterentwickelt. Gemeinsam mit der Neuroradiologie verbessern die Teams mithilfe moderner Bildverarbeitung und KI-gestützter Algorithmen fortlaufend die Bildqualität und erschließen neue diagnostische Möglichkeiten.
Die Anschaffung des neuen CE-zertifizierten Geräts wurde durch außergewöhnliches Engagement möglich. Den entscheidenden Anstoß gab die Familie eines am UKB behandelten Kindes, die eine großzügige Spende leistete. Ergänzt wurde die Finanzierung durch den Förderverein des UKB, den Verein Kindernotfall Bonn sowie weitere Unterstützung aus der Neuroradiologie.
„Dieses Gerät ist ein hervorragendes Beispiel dafür, was möglich wird, wenn medizinische Spitzenversorgung, Forschung und gesellschaftliches Engagement zusammenkommen“, sagt Prof. Andreas Müller, Co-Direktor der Neonatologie und Pädiatrischen Intensivmedizin am UKB. „Davon profitieren vor allem die Kinder und ihre Familien.“