Fulminanter Auftakt der Reihe „Noten und Neuronen“ in Köln – Initiator und Dirigent PD Dr. Theodor Rüber führte das Projektorchester und den Chor des Universitätsklinikums Bonn durch einen außergewöhnlichen Abend zwischen Musik, Medizin und Wissenschaft
Was geschieht in unserem Gehirn, wenn uns Musik berührt, Erinnerungen weckt oder ein Gefühl von Gemeinschaft entstehen lässt? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines außergewöhnlichen Konzertabends, mit dem die Veranstaltungsreihe „Noten und Neuronen: Musik für die Gehirngesundheit“ am Freitag in der ausverkauften Kölner Philharmonie gestartet ist. Rund 2.000 Besucherinnen und Besucher erlebten knapp drei Stunden lang eine mitreißende Verbindung aus Klassik, Pop, kölscher Musik, Live-Experimenten und neurowissenschaftlichen Einblicken.
Eine zentrale Rolle spielten dabei die mehr als 200 Sängerinnen, Sänger, Musikerinnen und Musiker des Chors und des Projektorchesters des Universitätsklinikums Bonn (UKB). Gemeinsam mit Mitgliedern des Gürzenich-Orchesters Köln, Musikerinnen und Musikern der Hochschule für Musik und Tanz Köln, der Kultband Bläck Fööss sowie weiteren Gästen spannten sie einen musikalischen Bogen von Mozart, Beethoven und Richard Strauss über Sting und AC/DC bis zu Billie Eilish und den Filmmusiken von John Williams und Hans Zimmer.
Initiator, musikalischer Leiter und Dirigent des Abends war Dr. Theodor Rüber, Neurologe und Oberarzt am UKB sowie Forschender an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn. Rüber leitet den UKB-Chor und hat „Noten und Neuronen“ gemeinsam mit den beteiligten wissenschaftlichen Einrichtungen entwickelt. Mit dem Projekt bringt er seine medizinisch-wissenschaftliche Tätigkeit und seine Leidenschaft für Musik auf besondere Weise zusammen.
Bereits im Vorfeld hatte Rüber das Ziel der Konzertreihe so beschrieben: „Wir wollen zeigen, wie Musik Emotionen auslöst, Erinnerungen aktiviert, Menschen verbindet und unser Gehirn nachhaltig zum Positiven beeinflussen kann.“ In der Kölner Philharmonie wurde dieser Anspruch unmittelbar erlebbar: Das Publikum sang mit, klatschte im Takt und verwandelte den Saal mit leuchtenden Mobiltelefonen in ein beeindruckendes Lichtermeer.
Die Besucherinnen und Besucher waren nicht nur Zuhörende, sondern zugleich Teil wissenschaftlicher Experimente. Über eine eigens entwickelte App beteiligten sie sich unter anderem an einem Live-Versuch zur Frage, wie durch Musik ausgelöste Emotionen mit Erinnerungs- und Gedächtnisprozessen zusammenhängen. Damit wurde anschaulich vermittelt, welchen Beitrag Musikhören, Singen und eigenes Musizieren zur emotionalen Stabilität, zur geistigen Aktivität und zur Gehirngesundheit leisten können und welche Potenziale sich daraus auch für die Prävention neurodegenerativer Erkrankungen ergeben könnten.
Zu den spektakulärsten Momenten des Abends gehörte der Einsatz eines mobilen Hirnscanners direkt auf der Konzertbühne. Während des Programms wurde das Gehirn einer Violinistin untersucht, sodass das Publikum moderne Bildgebung unmittelbar in Aktion erleben konnte. Großformatig auf den Leinwänden erschienen zudem dreidimensionale Gehirnaufnahmen von Mitgliedern der Bläck Fööss. Die Musiker waren bereits einige Wochen vor dem Konzert auf dem Bonner Venusberg untersucht worden.
Wissenschaftlich begleitet wurde der Abend unter anderem von Prof. Dr. Bernd Weber, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn und ausgewiesener Neurowissenschaftler. Gemeinsam mit Prof. Dr. Daniela Sammler vom Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, Prof. Dr. Alexander Radbruch vom UKB sowie Prof. Dr. Joachim Schultze vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen gab er verständliche Einblicke in aktuelle Erkenntnisse der Hirnforschung. Dabei ging es um die Verarbeitung von Musik, die Anpassungsfähigkeit des Gehirns und die Bedeutung gesellschaftlicher Teilhabe, kultureller Angebote und wissenschaftlich fundierter Prävention für eine alternde Gesellschaft.
Für einen emotionalen Höhepunkt sorgte der gemeinsame Auftritt der Bläck Fööss mit dem UKB-Chor und dem Projektorchester. Bei kölschen Klassikern sang und schunkelte die gesamte Philharmonie mit. Unterstützt von der Rhine Power Pipe Band wurde „Du bess die Stadt“ zu einem der musikalischen Höhepunkte des Abends. Das große Finale mit Puccinis Arie „Nessun dorma“, gesungen vom britischen Tenor Andrew Staples, sowie Offenbachs berühmter Barcarole verabschiedete das begeisterte Publikum in die Kölner Nacht.
Durch das Programm führten die Violinistin Anne Schoenholtz und die Theatermacherin Anna Sophie Baumgart. Sie verbanden musikalische Darbietungen, wissenschaftliche Kurzvorträge und Mitmach-Elemente zu einem gleichermaßen informativen wie unterhaltsamen Gesamterlebnis.
Mit dem ausverkauften Auftakt ist „Noten und Neuronen“ erfolgreich in eine bundesweite Tournee gestartet. Bis Dezember sind weitere Konzerte in Berlin, Bonn, Dortmund und München geplant. In Bonn wird die Reihe im Oktober fortgesetzt.
https://www.ukbnewsroom.de/ausverkaufte-philharmonie-ukb-macht-hirnforschung-zum-konzerterlebnis