Das riskante Revival der „Barbie-Droge“

11.7.2026 - | Stiftung Warentest

Schlank und braun gebrannt – für viele das Schön­heits­ideal. Melanotan soll den Weg abkürzen. Aber der Wirk­stoff, oft als Nasen­spray verwendet, ist illegal und gefähr­lich.

Schlanke Körper, brauner Bizeps – mit solchen Videos werden Nasen­sprays, Injektions­ampullen und andere Produkte mit Melanotan derzeit in sozialen Netz­werken beworben und teils auch direkt vertrieben. Der Stoff, umgangs­sprach­lich auch als „Barbie-“ oder „Ken-Droge“ bezeichnet, regt die körper­eigene Melanin­produktion an und führt so zu einer Bräunung der Haut – ohne langes Sonnenbad. Auf Tiktok und Instagram wird zudem ein beliebter Neben­effekt angepriesen: Das synthetische Peptidhormon zügelt den Appetit.

Doch der Verkauf von Mitteln mit Melanotan ist für kosmetische Zwecke illegal. Es handelt sich vielmehr um ein Arznei­mittel mit zahlreichen Neben­wirkungen.

Übel­keit, Magen­beschwerden, veränderter Blut­druck

Zu den Risiken der Einnahme von Melanotan zählen Übel­keit, Magen­beschwerden, Appetit­verlust und Blutdruckveränderungen. Der Wirk­stoff kann auch bestehende Muttermale verdunkeln – was das Erkennen von Hautkrebs erschwert.

Schon in den 2010er-Jahren wurde das Mittel verstärkt verwendet. Das Bundes­institut für Arznei­mittel und Medizin­produkte warnte bereits 2010 vor der Nutzung von Melanotan für kosmetische Zwecke – aufgrund der zahlreichen Neben­wirkungen. Auch die Stiftung Warentest informierte Verbrauche­rinnen und Verbraucher damals über die Risiken.

Melanotan – zwei Stoffe, ein Name

Melanotan I und Melanotan II sind zwei unterschiedliche Stoffe, die ähnlich wirken – analog zum körper­eigenen Hormon α-MSH – und deshalb den gleichen Namen tragen. Ursprüng­lich wurden sie in den 1980er-Jahren als Sonnenschutzmittel erforscht. Die Idee: Die Melanin­produktion anregen, um licht­empfindliche Menschen vor UV-Strahlung und Haut­krebs zu schützen. Beide erhielten damals keine Zulassung als Arznei­mittel.

Seit 2014 ist Melanotan I in der EU unter dem Handels­namen Scenesse ausschließ­lich für die Behand­lung einer sehr seltenen genetischen Erkrankung zugelassen, die mit extremer Licht­empfindlich­keit einhergeht. Das Mittel wird vom Arzt als Stäbchen unter die Haut injiziert.

Tarnung als Forschungs­chemikalie

Trotz der Risiken und obwohl der Verkauf von Produkten mit Melanotan I und II für kosmetische Zwecke illegal ist, werden diese weiterhin im Internet angeboten. „Viele dieser Websites deklarieren Melanotan als Forschungs­chemikalie – angeblich nur für wissenschaftliche Zwecke wie Labor­analysen. Das ist ein bekannter Versuch, die Arznei­mittel­gesetz­gebung zu umgehen“, erläutert Tim Quinders, Projektleiter bei der Stiftung Warentest im Bereich Gesundheit.

„Da es sich bei den verkauften Produkten nicht um zugelassene Arznei­mittel handelt, ist die Gefahr besonders hoch, beim Privatkauf an Verunreinigte zu geraten“, so Quinders. Auch das Bundes­institut für Arznei­mittel und Medizin­produkte rät auf Nach­frage weiterhin davon ab, melanot­anhaltige Produkte aus unsicheren Internetquellen zu erwerben – auch dann, wenn sie von deutsch­sprachigen Anbietern verkauft werden.

Wir raten von der Anwendung der Melanotan-Produkte für kosmetische Zwecke ab. Es handelt sich um Arznei­mittel, nicht um Kosmetika – und die Neben­wirkungen und Gefahren sind beträcht­lich.

Tim Quinders, Projektleiter bei der Stiftung Warentest

Von der Bodybuilder-Szene zu TikTok und Instagram

Trotz aller Warnungen hat der Melanotan-Hype die Jahre über­lebt. Seit den 2010ern kursierte die Substanz aufgrund ihrer bräunenden und gewichts­reduzierenden Wirkung vornehmlich in der Fitness- und Bodybuilder-Szene weiter. Momentan sind maximale Bräune und sehr dünne Körper auf Social Media wieder im Trend – damit erlebt auch Melanotan ein Revival.

Tipp: Sie wollen mit braunen Beinen durch den Sommer gehen? Unsere Selbstbräuner-Testsieger bieten eine gesündere und legale Alternative. Auch zum Abnehmen gibt es sicherere Alternativen. Wir haben DiätkonzepteDiätshakes und – für Menschen mit Adipositas – auch Abnehmspritzen getestet.


https://www.test.de/Nasenspray-zum-Schnellbraeunen-Das-riskante-Revival-der-Barbie-Droge-4206160-0?wt_mc=owned.site.rssfeeds.dl...