Standortfaktor Fachkräfte: Land, AK und AMS bündeln Kräfte für mehr Berufsabschlüsse in Vorarlberg

2.7.2026 - Thomas Mair | Land Vorarlberg

Gemeinsamer Aktionsplan im Herbst geplant – Ziel: Mehr Menschen ohne Berufsabschluss in Qualifizierung bringen.

Vorarlberg steht vor einer strukturellen Herausforderung: Ein überdurchschnittlich hoher Anteil der Beschäftigten und Arbeitssuchenden hat keine abgeschlossene Berufsausbildung – gleichzeitig steigen die Qualifikationsanforderungen der Wirtschaft stetig. Bei der Medienkonferenz am Metallcampus der Integra in Feldkirch haben Landesrat Marco Tittler, AK-Präsident Bernhard Heinzle und AMS-Landesgeschäftsführer Bernhard Bereuter heute (Donnerstag) gemeinsam die Dringlichkeit des Themas unterstrichen und einen Aktionsplan für den Herbst angekündigt.

Aktuelle Studien – darunter das WIFO-Szenario für die Jahre 2030/35 sowie eine Studie von Joanneum Research 2026 zur Erwachsenenbildung in Vorarlberg – zeichnen ein klares Bild: Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter wird bis 2040 sinken, die Anforderungen an Qualifikationen steigen. Formale Berufsabschlüsse schützen nachweislich vor Arbeitslosigkeit und Armut. Die Qualifizierungsstruktur einer Region ist damit ein zentraler Faktor für ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Landesrat Marco Tittler betonte: „Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs zwischen den Regionen gilt es, die Wettbewerbsposition Vorarlbergs nachhaltig abzusichern. Ein ganz entscheidender Faktor dafür ist eine gezielte Höher- und Weiterqualifizierung.“

AK: Wer noch keinen Berufsabschluss hat, braucht konkrete Unterstützung

AK-Präsident Bernhard Heinzle verweist auf die besondere Situation von Beschäftigten ohne Berufsabschluss: „Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung befinden sich in einer langfristig schwierigen Lage. Die Qualifikationsanforderungen steigen – wer keinen Berufsabschluss hat, spürt das immer stärker: bei der Jobsicherheit, beim Einkommen und beim Risiko, in Armut zu geraten."

Die AK bietet dazu kostenlose Bildungsberatung, Unterstützung bei der Weiterbildungszeit sowie – gemeinsam mit Land, AMS und WKV – den Bildungszuschuss. „Wir wollen berufliche Weiterbildung für mehr Beschäftigte ermöglichen und damit ihren Wohlstand absichern.” so Heinzle.

AMS: Jetzt den nächsten Schritt machen – Beratung für Betriebe und ArbeitnehmerInnen

AMS-Landesgeschäftsführer Bernhard Bereuter verweist auf die überproportionale Betroffenheit von arbeitslosen Menschen ohne Berufsabschluss: „Der Anteil der Arbeitslosen in Vorarlberg ohne abgeschlossene Berufsausbildung ist strukturell hoch. Ende Juni waren rund 47 Prozent, das entspricht 5.077 Personen, ohne formalen Abschluss. Die Arbeitslosenquote in dieser Gruppe liegt bei 17,7 Prozent und ist damit mehr als dreimal so hoch wie bei Personen mit Lehrabschluss (5,4 Prozent).

Dem gegenüber steht ein klarer Bedarf am Arbeitsmarkt: Rund 71 Prozent der offenen Stellen setzen zumindest eine Lehrausbildung oder eine höhere Qualifikation voraus. 

Arbeitslosigkeit kann ein Wendepunkt sein: Menschen sind in dieser Phase stärker bereit, neue Wege zu gehen. Genau dieses Zeitfenster müssen wir gezielt nutzen, um Qualifizierung und Berufsabschlüsse aktiv voranzutreiben. „Ein Ausbildungsabschluss ist der Schlüssel für eine stabiler Beschäftigung. Sie schützt vor Arbeitslosigkeit, sichert das Einkommen und eröffnet neue Perspektiven für die Zukunft“, unterstreicht AMS Landesgeschäftsführer Bernhard Bereuter.

Das AMS unterstützt dabei mit Förderangeboten für arbeitslose und beschäftigte Personen und einer gezielter Beratung:

NEUE AMS ServiceLine Fachkräfteausbildung seit 1. Juli 2026:

Über die neue AMS-ServiceLine Fachkräfteausbildung (050 904 844) erhalten sowohl Unternehmen, die ihre MitarbeiterInnen weiterqualifizieren möchten, als auch arbeitsuchende Menschen umfassende Informationen und individuelle Unterstützung beim nächsten Schritt in Richtung Berufsabschluss.

Die AMS-Weiterbildungszeit ist eine Win-win Lösung: Sie ermöglicht Beschäftigten den Erwerb eines Berufsabschlusses und sichert gleichzeitig Unternehmen qualifizierte Fachkräfte durch gezielte Weiterentwicklung ihrer MitarbeiterInnen. 

Aktionsplan Herbst 2026: Vorarlberg als Vorreiter

Als zentrales gemeinsames Vorhaben wird das Land Vorarlberg im Herbst unter Einbeziehung aller Stakeholder einen Aktionsplan Fachkräfteausbildung erarbeiten. Die FAV übernimmt die Moderation und Prozessbegleitung. Ziel ist eine gemeinsame Strategie von Land, AMS, Sozialpartnern und weiteren Partnern – mit dem klaren Fokus, mehr Menschen ohne Berufsabschluss in Qualifizierung zu bringen und den Fachkräftebedarf der Vorarlberger Wirtschaft langfristig zu sichern.

„Wir wollen Vorarlberg als Vorreiter positionieren – mit besser abgestimmten Angeboten, gebündelten Mitteln und einer klaren Strategie für alle, die jetzt den nächsten Schritt machen wollen," so Tittler abschließend.

 

Weiterbildungsteilzeit 

 

Weiterbildungszeit 

 

Brigitte arbeitet als Assistentin in einem mittelständischen Unternehmen und möchte die Abschlussprüfung zur Buchhalterin ablegen. Für den aufwändigen Vorbereitungskurs möchte sie ihre Arbeitszeit vorübergehend reduzieren – finanziell wäre das ohne Unterstützung aber kaum machbar. 

Genau hier hilft die Weiterbildungsteilzeit: Brigitte vereinbart mit ihrem Arbeitgeber eine Reduktion der Arbeitszeit um 40 Prozent und beantragt beim AMS Weiterbildungsgeld. Auf Basis ihres Bruttoeinkommens von 3.200 Euro erhält sie täglich 21,60 Euro, die den Einkommensverlust abfedern. Zusätzlich holt sie sich über den Vorarlberger Bildungszuschuss eine Kurskostenförderung. 

Das Ergebnis: Brigitte bleibt im Unternehmen eingebunden, hat genug Zeit zum Lernen und kann sich die Weiterbildung leisten. Auch ihr Arbeitgeber profitiert – er gewinnt eine qualifizierte Buchhalterin aus den eigenen Reihen. 

 

Marcus ist Angestellter bei einem Vorarlberger Installationsbetrieb und möchte so schnell wie möglich den Meisterbrief erwerben. Da der Vorbereitungskurs ganztägig ausgerichtet ist, beantragt er beim AMS Weiterbildungszeit – so kann er sich voll auf Kurs und Prüfung konzentrieren, ohne finanziell unter Druck zu stehen. 

Die Abwicklung läuft unkompliziert über MeinAMS: Marcus und sein Arbeitgeber halten die dreimonatige Karenzierung schriftlich fest und legen sie dem Antrag zusammen mit der Kursanmeldung bei. Zwei Wochen später kommt die Bewilligung. 

Sein Bruttogehalt lag zuletzt bei rund 3.600 Euro – das AMS zahlt ihm 51,50 Euro täglich, sein Arbeitgeber legt 9 Euro dazu. Mit rund 1.800 Euro im Monat kann Marcus seine laufenden Kosten decken und hat genug Ruhe zum Lernen. Über den Vorarlberger Bildungszuschuss werden zusätzlich die Kurskosten gefördert. 

Sein Arbeitgeber profitiert ebenfalls: Marcus kehrt mit Meisterbrief zurück – als noch wertvollere Fachkraft, die künftig mehr Verantwortung übernehmen kann. 

 


https://presse.vorarlberg.at/land/public/Standortfaktor-Fachkr-fte-Land-AK-und-AMS-b-ndeln-Kr-fte-f-r-mehr-Berufsabschl-sse-in-Vorarlberg