Gefähr­licher Beautytrend: Akne­mittel als Glow-up-Wunder

5.10.2026 - | Stiftung Warentest

Reine Haut, eben­mäßiger Teint, sogar eine schmalere Nase – das sind laut Social Media Wunder­effekte von Isotretinoin. Doch für Gesunde ist das Medikament bedenk­lich.

Gleich vorweg: Der verschreibungs­pflichtige Wirk­stoff Isotretinoin ist allein gegen schwere Akne zugelassen und sollte vor allem von jungen Frauen nicht unkontrolliert einge­nommen werden. Dass soziale Netz­werke wie TikTok und Co das hoch­wirk­same Mittel zu einemBeauty-Trend hoch­pushen, ist gesundheitlich riskant.

Isotretinoin soll den Glow der Gesichts­haut fördern, sie also verschönern und zum Strahlen bringen. Die auffällige Verwandlung wird umgangs­sprach­lich als „Glow-up“ bezeichnet. Den Hype hat etwa Model Kendall Jenner ausgelöst: In einem Podcast berichtete sie unter anderem, dass nach ihrer Akne­therapie auch ihre Nase schmaler geworden sei.

Kann Leber- und Blut­fett­werte verschlechtern

Die aktuellen ärzt­lichen Leit­linien empfehlen Isotretinoin bei schweren, therapieresistenten Akneformen wie Acne conglobata. Für rein kosmetische Anliegen sollte das Medikament keinesfalls einge­setzt werden, denn der Wirk­stoff ist nicht nur hoch­wirk­sam, sondern hat auch teil­weise schwere Nebenwirkungen.

So besteht das Risiko, dass sich Leberwerte und Blut­fett­werte durch die Einnahme von Isotretinoin verschlechtern. Wer sich das Mittel illegal und ohne Indikation besorgt, dem fehlt die notwendige ärzt­liche Betreuung während der Einnahme. Sehr häufig kommt es zudem während der Behand­lung zu trockener Haut mit erhöhter Anfäl­ligkeit für Sonnenbrand sowie zu spröden Lippen und gereizten Augen.

Präparate werden knapp

Seit Herbst 2025 haben mehrere Hersteller dem Bundes­institut für Arznei­mittel und Medizin­produkte Liefer­engpässe bei isotretinoinhaltigen Präparaten gemeldet. Ob die gestiegene Nach­frage unmittel­bar mit dem Beauty-Trend zusammenhängt, lässt sich nicht sicher belegen – angesichts des zeitlichen Zusammen­hangs erscheint es aber plausibel.

Für Schwangere tabu

Auf Medikamente mit dem Wirk­stoff ganz verzichten sollten in jedem Fall Schwangere. Isotretinoin kann zu Fehlbildungen des Fötus führen.

Auch Menschen mit Depressionen müssen besonders aufmerk­sam sein. Sie sollten Isotretinoin nur nach individueller Abwägung mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt, dokumentierter Aufklärung und mit einem engmaschigen Monitoring einnehmen, um bei möglichen psychischen Neben­wirkungen früh­zeitig zu reagieren.

Tipp: Wer unter Akne leidet, sollte zur Ärztin oder zum Arzt gehen, um sich geeignete Medikamenten gegen Akne verschreiben zu lassen.

Dass Isotretinoin in Deutsch­land verschreibungs­pflichtig ist, hat gute und nach­voll­zieh­bare Gründe.

Pflegen statt schlu­cken

Vor diesem Hintergrund warnt die Deutsche Dermatologische Gesell­schaft eindringlich davor, Isotretinoin als Lifestyle-Mittel für die Schönheit zu miss­brauchen. Auch die nied­rigeren Dosen, die der Microdosing-Trend aus den USA im Vergleich zur Akne­therapie empfiehlt, sind nicht ungefähr­lich: Schwere Neben­wirkungen drohen dennoch und die längere Einnahme­dauer steigert das Risiko zusätzlich.

Dass das Mittel hier­zulande verschreibungs­pflichtig ist, hat gute und nach­voll­zieh­bare Gründe. Haut­ärzte betonen: Glow-up ist kein Medikamenten­effekt und gute Haut­pflege lässt sich nicht durch Tabletten ersetzen.

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Nasen­struktur bleibt unver­ändert

Und was ist an der Nasen­verkleinerungs-Geschichte dran? Tatsäch­lich verkleinert Isotretinoin die Talgdrüsen und reduziert die Talg­produktion. Im Bereich der Nase kann die Haut dadurch dünner wirken. Die knöcherne und knorpelige Nasen­struktur, also die eigentliche Form der Nase, verändert der Wirk­stoff jedoch nicht – da hilft auch kein Versprechen in TikTok-Videos.


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