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    <titulek>Als der Friedensnobelpreis nach Nürnberg kam</titulek>
    <datum>12.10.2026</datum>
    <subjekt>Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg</subjekt>
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        <polozka>Universities</polozka>
        <polozka>Law</polozka>
        <polozka>Human rights</polozka>
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    <perex>Die Nachricht kam völlig überraschend: Während Navanethem Pillay an einer Tagung im Nürnberger Justizpalast teilnahm, wurde bekannt, dass sie den Friedensnobelpreis 2026 erhält. Prof. Dr. Christoph Safferling, Leiter des Lehrstuhls für Strafrecht, Strafprozessrecht, Internationales Strafrecht und Völkerrecht an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und Direktor der Akademie Nürnberger Prinzipien, berichtet von einem unvergesslichen Tag und würdigt eine Juristin, die sich ein Leben lang gegen Straflosigkeit und für Menschenrechte eingesetzt hat.</perex>
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Preisträgerin Navanethem Pillay kämpft seit Jahrzehnten für Menschenrechte und internationale Gerechtigkeit
Am Freitag hat das Nobelpreiskomitee in Stockholm bekannt gegeben, dass Navanethem Pillay in diesem Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wird. Zu diesem Zeitpunkt nahm sie im historischen Saal 600 des Nürnberger Justizgebäudes an einer von Ihnen organisierten Tagung der Akademie Nürnberger Prinzipien teil. Wie haben Sie diesen besonderen Moment erlebt?
Die Nachricht kam völlig überraschend. Zunächst haben wir ungläubig auf die Nachrichten am Handy gestarrt, dass tatsächlich die Person, die mit im Raum sitzt, mit dem Friedensnobelpreis 2026 ausgezeichnet wird. Das Nobelpreiskomitee konnte Frau Pillay ja nicht erreichen, weil sie eben auf der Tagung war. Als dann klar war, dass wir keiner Falschmeldung aufgesessen waren, war der Jubel im Saal riesengroß. Mein Team an der Akademie musste dann aber kühlen Kopf bewahren, die Tagung zu Ende bringen, eine Leitung nach Stockholm herstellen und eine internationale Pressekonferenz vorbereiten. Ein unglaublicher Tag!

Sie kennen Navanethem Pillay schon seit längerer Zeit. Sie ist unter anderem Mitglied im Kuratorium der Akademie Nürnberger Prinzipien. Wie erleben Sie sie in der persönlichen Begegnung und in der gemeinsamen Arbeit?
Navi Pillay ist eine enorm erfahrene internationale Juristin, deren Wort einfach immer Autorität und Gewicht hat. Sie beeindruckt durch ihr Lebenswerk als Anwältin von Nelson Mandela im Südafrika der Apartheid, als Richterin an internationalen Strafgerichten und schließlich als UN Hochkommissarin für Menschenrechte. Sie hat dann fünf Jahre lang das Kuratorium der Nürnberger Akademie geleitet und ich durfte als einer ihrer Stellvertreter ihr Verhandlungsgeschick, ihre schlauen Fragen und auch ihren Glauben an die Sache zwei Mal im Jahr unmittelbar miterleben. Ihr geht es immer um die Menschenrechte und deren Durchsetzung. Sie ist eine der integersten Persönlichkeiten, die ich kenne. Dabei ist sie bescheiden und herzlich und hat einen wundervollen subtilen Humor, den sie immer wieder aufblitzen lässt.

Navanethem Pillay hat sich in verschiedenen internationalen Funktionen für Menschenrechte und die internationale Strafjustiz eingesetzt. Was macht ihre Arbeit aus Ihrer Sicht besonders bedeutend?
Navi Pillay ist 85 Jahre alt und hat sich ein Leben lang für Menschenrechte und das Ende der Straflosigkeit ausgesprochen. Wo fange ich an, Ihre vielen Verdienste aufzuzählen? Als Richterin des Ruandastrafgerichtshof hat sie – erstmals – die Bedeutung sexualisierter Gewalt in bewaffneten Konflikten betont und hat zum ersten Mal seit dem Urteil gegen Julius Streicher in Nürnberg die Aufstachelung zum Völkermord als internationales Verbrechen abgeurteilt. Beide Urteile sind Meilensteine in der Entwicklung der Völkerstrafrechts.

Was bedeutet der Friedensnobelpreis aus Ihrer Sicht für Navanethem Pillays bisheriges Wirken und für die Themen, für die sie sich einsetzt?
Navi Pillay hat ihr Leben den Menschenrechten und der Gerechtigkeit gewidmet. Niemand hat diesen Preis so verdient wie sie. Sie selbst will durch diesen Preis die internationale Justiz gewürdigt sehen und ihn als Ermutigung für alle Richterinnen und Richter verstanden wissen, sich weiter für Unabhängigkeit und Rechtsstaatlichkeit einzusetzen. Es könnte keine bessere Bestärkung dafür geben, wenn fast im gleichen Atemzug die USA, als treibende Kraft der Nürnberger Prozesse, den Internationalen Strafgerichtshof als „Schurkengericht“ bezeichnen und ihn zerstören wollen. Niemand steht über dem Gesetz: Das ist die eindeutige Botschaft dieses Friedensnobelpreises.

Was können wir von Navanethem Pillay lernen – gerade mit Blick auf die Bedeutung von Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit und internationaler Gerechtigkeit?
Was mich bei Navi Pillay immer besonders beeindruckt ist ihre Ruhe, ihre Ausdauer und ihre Menschenfreundlichkeit. Sie lässt sich nicht beirren. Auch wenn der gerade Weg mal nicht zum Erfolg führt, gibt es dennoch Möglichkeiten, den eigenen Standpunkt bzw. den Standpunkt der Menschenrechte deutlich zu machen. Das können wir von ihr lernen: Sich nicht beirren lassen, sich nicht einschüchtern und entmutigen lassen. In dem Bewusstsein, dass wer auf der Seite der Menschenrechte steht, immer auf der richtigen Seite steht.

Kontakt
https://www.fau.de/2026/10/news/forschung/menschenrechte/als-der-friedensnobelpreis-nach-nuernberg-kam

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