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        „Wir haben uns unserer historischen Verantwortung gestellt“ Neuausrichtung der Provenienzforschung in Bayern
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        15.7.2026
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    <autor>
          | Bayerische Staatsregierung
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        Bayerns Kunstminister Markus Blume stellt die Empfehlungen des Runden Tisches Historische Verantwortung und ihre Umsetzung vor – Einrichtung der Unabhängigen Kommission und eines wissenschaftlichen „Zentrums für Provenienzforschung und Restitutionsfragen NS-Raubgut“ am Institut für Zeitgeschichte (IfZ)
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MÜNCHEN. „Ein echter Neustart für die Provenienzforschung in Bayern: Wir setzen die zentrale Empfehlung des Runden Tisches konsequent um und schaffen unabhängige Strukturen für Forschung und Restitutionsempfehlungen. Wo es um NS-Raubgut und unsere historische Verantwortung geht, braucht es größtmögliche wissenschaftliche Unabhängigkeit. Deshalb werden Forschung, wissenschaftliche Bewertung und Restitutionsempfehlungen künftig außerhalb der staatlichen Museumsverwaltung organisiert. Damit beschreiten wir in Deutschland Neuland. Das ist beispielgebend und kann Blaupause für andere sein“, betonte Kunstminister Markus Blume bei seinem heutigen Bericht im Wissenschafts- und Kunstausschuss des Bayerischen Landtags. „Wir haben uns unserer historischen Verantwortung gestellt: Mit der Einrichtung der Unabhängigen Kommission und einem wissenschaftlichen Zentrum für Provenienzforschung und Restitutionsfragen am IfZ stärken wir die Forschung und sorgen für Restitutionsempfehlungen auf Grundlage des neuen bundesweiten Bewertungsrahmens der Schiedsgerichtbarkeit für NS-Raubgut. Ich freue mich besonders, dass Prof. Dr. Raphael Gross den Vorsitz übernehmen soll und wir darüber hinaus weitere herausragende Expertinnen und Experten für die Unabhängige Kommission gewinnen konnten. Mit der Einsetzung einer solchen Kommission erfüllen wir zugleich ein zentrales Versprechen gegenüber dem Bayerischen Landtag. Mein besonderer Dank gilt Professor Dr. Andreas Wirsching für die umsichtige Leitung des Runden Tisches sowie allen Beteiligten – insbesondere den Vertreterinnen und Vertretern des Zentralrats der Juden in Deutschland und der Jewish Claims Conference. Es ist ein wichtiges Signal, dass wir alle Empfehlungen im engen Einvernehmen mit der jüdischen Seite entwickeln und vereinbaren konnten. Ebenso danke ich Prof. Dr. Isabel Heinemann für die Bereitschaft des IfZ zur Einrichtung des neuen Zentrums, das auch als Geschäftsstelle der Unabhängigen Kommission fungieren wird. Die Beratungen waren geprägt von hoher wissenschaftlicher Expertise, Offenheit und gegenseitigem Vertrauen. Das gemeinsam erarbeitete Ergebnis ist ein starkes Fundament für einen glaubwürdigen Neuanfang“, so Blume.

Prof. Andreas Wirsching, Leitung des Runden Tisches: „Ich freue mich sehr, dass der Freistaat Bayern und das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst eine so bedeutende Initiative zum Umgang mit dem Thema „NS-Raubkunst“ ergriffen hat. Die Einrichtung eines Zentrums für Provenienzforschung am Institut für Zeitgeschichte München-Berlin und die gleichzeitige Berufung einer Unabhängigen Kommission NS-Raubgut in Bayern stellt einen Quantensprung dar. Er hebt die Möglichkeiten für künftige Forschungen und rasche Restitutionsempfehlungen auf eine neue Stufe.“

Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, erklärt: „Die Empfehlungen des Runden Tisches Historische Verantwortung bilden die Grundlage für einen faireren und gerechteren Umgang mit NS-Raubgut in den Bayerischen Staatsmuseen und Sammlungen. Gerade im Umgang mit NS-Raubgut darf es keine Lücke zwischen moralischem Anspruch und staatlicher Praxis geben. Die Verzahnung einer Unabhängigen Kommission mit einem wissenschaftlichen Zentrum für Provenienzforschung überführt die Washingtoner Prinzipien in eine belastbare Struktur. Dieser Schritt schafft die Voraussetzungen für gerechte Restitutionen. An diesem Maßstab können sich künftig auch andere Bundesländer orientieren.“

Rüdiger Mahlo, Repräsentant der Claims Conference in Europa, sagt: „Die Claims Conference begrüßt, dass der Freistaat Bayern mit der Unabhängigen Kommission die Voraussetzungen für eine freie Provenienzforschung und Restitution von NS-Raubgut in den Bayerischen Staatsmuseen und Sammlungen schafft. Dieser Schritt hat das Potenzial, weit über Bayern hinaus Signalwirkung zu entfalten und auch für die Bundesrepublik insgesamt einen Maßstab im Umgang mit NS-Raubgut zu setzen.“

Unabhängige Kommission und institutionell eigenständiges Zentrum am Institut für Zeitgeschichte München

Künftig wird eine Unabhängige Kommission und ein am IfZ angesiedeltes wissenschaftliches Zentrum für Provenienzforschung und Restitutionsfragen NS-Raubgut eingerichtet. Die Kommission entwickelt die strategische Ausrichtung der Provenienzforschung, priorisiert die Bearbeitung, definiert dafür Richtlinien, die in Zusammenarbeit mit dem Zentrum erarbeitet werden, und spricht Restitutionsempfehlungen gegenüber dem Freistaat Bayern aus. Das Zentrum leistet hierfür die wissenschaftliche Forschungsarbeit und führt auch unabhängig davon eigenständige Forschungen und Kooperationen durch. Die Ansiedlung am IfZ ist Garant für wissenschaftliche Freiheit, institutionelle Unabhängigkeit, eigenständige Verantwortung für das Personal und Einhaltung der hohen Standards der Leibniz Gemeinschaft für wissenschaftliches Arbeiten. Am Zentrum sollen insgesamt acht Stellen aus verschiedenen Disziplinen mit einer Laufzeit von zunächst 5 Jahren geschaffen werden mit der Option einer Verstetigung nach erfolgreicher Evaluierung. Auch das an der Staatlichen Museumsagentur Bayern fest angestellte Personal für Provenienzforschung soll die Möglichkeit erhalten, die Arbeit in der neuen Struktur fortzusetzen.

Grundlage aller Empfehlungen ist der neue Bewertungsrahmen der Schiedsgerichtsbarkeit für NS-Raubgut, der bundesweit einen einheitlichen Bewertungsmaßstab schafft. Die abschließende Entscheidung über Restitutionen verbleibt beim Freistaat Bayern als Eigentümer der staatlichen Sammlungen. Für die Kommission sollen einvernehmlich insgesamt acht Mitglieder aus den Disziplinen Zeitgeschichte, Kunstgeschichte und Rechtswissenschaft benannt werden. Den Vorsitz soll Prof. Dr. Raphael Gross, Direktor des Deutschen Historischen Museums (Berlin), übernehmen.

Aufarbeitung der Provenienzforschung und Restitutionspraxis in Bayern

Den Reformen vorausgegangen war eine umfassende Aufarbeitung der Provenienzforschung an den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen (BStGS). Die Ende 2025 vorgestellte externe Untersuchung unter Leitung von Prof. Dr. Meike Hopp bescheinigte der bisherigen Forschungsarbeit eine solide Recherchepraxis und methodische Tiefe. Gleichzeitig zeigte sie Verbesserungsbedarf bei Transparenz, Stringenz und Bearbeitungsgeschwindigkeit auf. Für eine umfassende Reform der Provenienzforschung und Restitutionspraxis für den Bereich der staatlichen Kunstmuseen wurde zudem der Runde Tisch Historische Verantwortung unter Leitung von Prof. Dr. Andreas Wirsching, dem langjährigen Direktor des Instituts für Zeitgeschichte eingesetzt. Dem Gremium gehörten Staatsminister Markus Blume, Anton Biebl, Daniel Botmann, Susanne Breit-Keßler, Prof. Dr. Meike Hopp, Professor Dr. Bernhard Löffler, Dr. Rüdiger Mahlo, Prof. Dr. Michael Piazolo, Malgorzata Quinkenstein, Christiane Reeh und Prof. Dr. Christian Walter an. Damit waren Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Museums- und Rechtspraxis sowie des Zentralrats der Juden in Deutschland und der Jewish Claims Conference unmittelbar an den Beratungen beteiligt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Provenienzforschung und Restitutionsverfahren künftig unabhängiger, transparenter und wissenschaftlich fundierter organisiert werden können. Im Zentrum der Überlegungen steht die Empfehlung, Provenienzforschung und Restitutionsempfehlung in hoher wissenschaftlicher Unabhängigkeit vom Freistaat als Träger der Museen und Sammlungen durchzuführen. Forschung und Restitutionsempfehlungen sollen daher künftig institutionell außerhalb der staatlichen Museumsverwaltung angesiedelt werden – eine Empfehlung, die der Freistaat nun vollständig umsetzt.

Die Empfehlungen des Runden Tisches Historische Verantwortungen finden Sie zum Download unter: 

https://www.stmwk.bayern.de/allgemein/meldung/3021/pressematerial-zum-download.html

Helena Barsig, Sprecherin, 089 2186 1829

https://www.bayern.de/wir-haben-uns-unserer-historischen-verantwortung-gestellt-neuausrichtung-der-provenienzforschung-in-bayern


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