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        NATO-Treffen: Gipfel und Rüstungskooperationen im Fokus
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        18.6.2026
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    <autor>
          | Bundesministerium für Verteidigung
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        Boris Pistorius hat am 18. Juni 2026 in Brüssel seine Amtskolleginnen und -kollegen aus der NATO getroffen, um die verteidigungspolitischen Positionen mit Blick auf den anstehenden NATO-Gipfel zu beraten. Bei der Zusammenkunft ging es vor allem um die Verbesserung der konventionellen Fähigkeiten der europäischen Verbündeten.
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Vor dem Treffen der Ministerinnen und Minister informierte Boris Pistorius darüber, dass das Minenjagdboot „Fulda“ und der Tender „Mosel“ in den frühen Morgenstunden den Suezkanal passiert hätten. Die Einheiten würden in der Region für eine mögliche Mission in der Straße von Hormus vorausstationiert. Ein Mandat des Bundestags für einen Einsatz in der Straße von Hormus gibt es noch nicht. Mit der Vorausstationierung sind die Einheiten schnell einsatzbereit, wenn das Mandat vorliegt. Aktuell seien die beiden deutschen Marineschiffe auf dem Weg durch das Rote Meer mit dem Ziel Dschibuti, berichtete Pistorius. „Vieles hängt jetzt davon ab, wie die Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA in den nächsten 60 Tagen verlaufen“, so der Minister.

Burden Shifting: Neuausrichtung der Lastenteilung
Die Zusammenkunft diente vor allem der finalen Abstimmung vor dem NATO-Gipfel am 7. und 8. Juli 2026 in der türkischen Hauptstadt Ankara. Ein Schwerpunkt wird dort die Neuausrichtung der Lastenteilung innerhalb der Allianz, das sogenannte Burden Shifting, sein. Angesichts geopolitischer Dynamiken und einer zunehmenden strategischen Konzentration der USA auf den indo-pazifischen Raum gewinnt die europäische Eigenverantwortung immer weiter an Bedeutung. Die europäischen Verbündeten intensivieren ihre Anstrengungen, wesentlich mehr Verantwortung für ihre Verteidigungs- und Abschreckungsfähigkeiten zu übernehmen.

Europa muss mehr Verantwortung übernehmen für die eigene konventionelle Abschreckung und Verteidigung – und das ist auch völlig richtig.
Verteidigungsminister Boris Pistorius Bundeswehr/Norman Jankowski

Als Beispiel für das verstärkte deutsche Engagement in der NATO führte Pistorius den Aufbau einer deutschen Panzerbrigade in Litauen an. „Bis Ende 2027 – und der Zeitplan steht – werden wir rund 5.000 Männer und Frauen, also eine Full Combat Ready-Brigade, in Litauen stehen haben“, so der Minister. Zudem werde das Deutsch-Niederländische Korps ab Juli das taktische Hauptquartier der NATO für Lettland und Estland übernehmen. Damit habe das Korps eine zentrale Rolle innerhalb der NATO-Planung. Außerdem wird sich die Luftwaffe im Air Policing weiterhin maßgeblich am Schutz des NATO-Luftraums beteiligen.

Koordinierte Fähigkeitsentwicklung für Europa
Hinsichtlich der Verbesserung der europäischen Fähigkeiten innerhalb der NATO sei nun „die Synchronisierung der einzelnen Schritte“ entscheidend, so Pistorius, damit keine „gefährlichen Fähigkeitslücken“ im konventionellen Bereich entstehen. Ein Beispiel dafür ist die Entwicklung von Deep-Precision-Strike-Fähigkeiten. Zur effektiven Schließung bestehender Fähigkeitslücken bei konventionellen Abstandswaffen mit großer Reichweite wurde die Initiative European Long-Range Strike Approach (ELSA) in Brüssel beraten. Die Verteidigungsminister der beteiligten Nationen haben in Brüssel weitere Verbündete eingeladen, sich an dem Projekt zu beteiligen.

Getragen von den NATO-Staaten Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Schweden und Großbritannien, dient ELSA der strukturierten Koordinierung der Eigenentwicklungen von Deep-Precision-Strike-Fähigkeiten. Mit ELSA reagieren die NATO-Partner auf das militärische Bedrohungspotenzial durch russische Abstandswaffen im europäischen Raum. Das rüstungspolitische Ziel sind die Entwicklung und Beschaffung von Waffensystemen, die Reichweiten von über 500 Kilometern bis zu mehr als 2.000 Kilometern abdecken.

Entwicklung der Verteidigungsinvestitionen
Eng verknüpft mit dem Burden Shifting ist die Steigerung der Investitionen in Abschreckung und Verteidigung. So werden auch in Deutschland die Verteidigungsausgaben in den nächsten Jahren massiv erhöht. Im Haushalt sind für das Jahr 2026 Investitionen von mehr als 108 Milliarden Euro in die äußere Sicherheit vorgesehen. In den Folgejahren soll diese Summe bis auf rund 152 Milliarden Euro für den Verteidigungsetat im Jahr 2029 steigen. Das entspricht einer Verdreifachung gegenüber 2023.

Strategische Marinekooperation und Schutz der Nordflanke
Die bilaterale und multilaterale Zusammenarbeit im maritimen Raum des Hohen Nordens war ein weiteres Schwerpunktthema. Die deutsch-norwegische Marinekooperation gilt innerhalb der Allianz als Musterbeispiel für tiefe militärisch-industrielle Integration. Das bedeutendste Fundament dieser Partnerschaft ist das gemeinsame Großprojekt zum Bau der neuen U-Boot-Klasse 212 CD. Zusätzlich wird die maritime Schlagkraft durch komplementäre Lenkwaffenprojekte und entsprechende Beschaffungen intensiviert wie die Joint Strike Missile (JSM) und die Supersonic Strike Missile (3SM) Tyrfing.

Die Interoperabilität beider Marinen wurde erst kürzlich beim Manöver Mjølner 2026 vor Norwegen unter Beweis gestellt. Unter deutscher Führung trainierten rund 2.500 Soldatinnen und Soldaten aus fünf Nationen das taktische Schießen unter realistischen Einsatzbedingungen auf See, was den gemeinsamen Schutzanspruch an der strategisch-kritischen NATO-Nordflanke untermauert.

Minister Pistorius sowie sein norwegischer und britischer Amtskollege, Tore O Sandvik und Dan Jarvis, haben in Brüssel die weitere Intensivierung im Bereich der maritimen Sicherheit vereinbart. Neben den bisherigen gemeinsamen Projekten wird nun auch bei der U-Boot-Jagd (Anti Submarine Warfare, ASW) eine verstärkte Kooperation gemeinsam mit Großbritannien stattfinden, um die Vereinigten Staaten im Nordatlantik zu entlasten.

Grundlage für NATO-Gipfeltreffen
Das Treffen in Brüssel war ein weiteres Signal für spürbar mehr europäische Eigenständigkeit innerhalb der NATO. Gemeinsame Rüstungsprojekte wie die ELSA-Initiative, der konsequente Ausbau von Kooperationen wie mit Norwegen und weiteren Verbündeten sowie die Debatte über signifikant angehobene Verteidigungsbudgets haben ein Fundament für den Gipfel in Ankara gelegt. Ziel bleibt es, angesichts der europäischen Sicherheitslage die militärische Handlungsfähigkeit Europas zu steigern. Im Anschluss haben die Ministerinnen und Minister sich zu einer Sitzung der Ukraine-Kontaktgruppe getroffen, um die weitere Unterstützung für das angegriffene Land zu koordinieren.

https://www.bmvg.de/de/nato-treffen-gipfel-ruestungskooperationen-fokus


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