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        Rüstungskooperation: Die Verteidigungsfähigkeit gemeinsam stärken
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        4.5.2026
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    <autor>
          | Bundesministerium für Verteidigung
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        Rüstungskooperationen steigern die Interoperabilität und Versorgungssicherheit. Deutschland treibt gemeinsame internationale Programme voran und fördert die Zusammenarbeit mit der Industrie. Die Kooperation mit der ukrainischen Verteidigungsindustrie bietet zusätzlich schnelle Innovations- und Praxiserfahrungen.
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Die sicherheitspolitische Lage Europas hat sich seit der russischen Invasion in der Ukraine grundlegend verändert. Die NATO-Mitglieder steigern ihre Rüstungsinvestitionen, um die Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeiten ihrer Streitkräfte zu stärken. Die Bundeswehr konzentriert sich wieder auf den Kernauftrag, die Landes- und Bündnisverteidigung. Dafür muss in moderne Ausrüstung investiert werden. Die Beschleunigung von nationalen Beschaffungsprozessen sowie internationale Kooperationen bei Kauf, Entwicklung und Nutzung von Rüstungsgütern sind hierfür geeignete Instrumente. Internationale Rüstungskooperationen sind auch eine Möglichkeit zur Kostenersparnis.

Die Vorteile einer engen Zusammenarbeit bei Beschaffungsprojekten sind vielschichtig. Sie gehen weit über rein finanzielle Erwägungen aufgrund der Teilung von Entwicklungs- und Investitionskosten sowie möglicher Skaleneffekte bei der Abnahme großer Stückzahlen hinaus. Ein zentraler Aspekt ist die Interoperabilität, damit verbündete Streitkräfte nicht nur nebeneinander, sondern deutlich interaktiver miteinander üben und kämpfen können. Wenn Partnernationen ähnliche oder identische Waffensysteme nutzen, sind auch Synergieeffekte in den logistischen Ketten, der Ersatzteilbewirtschaftung und der gemeinsamen Ausbildung der Soldatinnen und Soldaten besser nutzbar. Gleichzeitig fördern Kooperationen den technologischen Austausch zwischen den Ländern sowohl auf der Amts- als auch auf der Industrieseite, wodurch innovative Lösungen schneller zur Marktreife gelangen können und die strategische Autonomie Europas gestärkt wird. Also das Ziel, die europäischen Pfeiler der NATO resilienter und unabhängiger zu machen.

Mehr als nur gemeinsame Beschaffung: Leuchtturmprojekte
Ein herausragendes Beispiel für eine solch tiefgreifende bilaterale Partnerschaft ist die gemeinsame Beschaffung von U-Booten der Klasse 212 CD durch Deutschland und Norwegen. Dieses Projekt folgt dem Prinzip des Common Design, bei dem beide Nationen baugleiche Systeme beschaffen, um Synergien über den gesamten Lebenszyklus der Boote hinweg zu nutzen. Die Kooperation erstreckt sich hierbei nicht nur auf die Entwicklung und Produktion, sondern umfasst auch einen gemeinsamen Betrieb mit gemeinsamen Logistik- und Instandsetzungszentren.

Ebenso pragmatisch zeigt sich die kooperative Beschaffung des Kampfpanzers Leopard 2 A8. Hier ist Deutschland einen neuen Weg gegangen und hat bereits bestehende nationale Verträge für andere Nationen, wie Kroatien, Litauen, die Niederlande und Tschechien, geöffnet. Vorteile hierbei waren insbesondere für unsere Partner das Zurückgreifen auf ein schon bestehendes Vertragsgerüst zur Beschaffung des gleichen und interoperablen, wenn nicht gar austauschbaren Waffensystems.

Beim finnisch geführten Fahrzeugprojekt CAVS (Common Armoured Vehicle System) setzt Deutschland gemeinsam mit Dänemark, Finnland, Großbritannien, Lettland, Norwegen und Schweden auf bewährte gepanzerte 6x6-Radfahrzeuge und beweist, dass sich Deutschland in umgekehrter Weise auch auf Beschaffungsorganisationen anderer Nationen verlassen kann. Durch den Rückgriff auf eine gemeinsame Plattform können die Landstreitkräfte der beteiligten Länder schnellstmöglich mit einer zukunftsfähigen Fahrzeugfamilie ausgestattet, die Kosten für Entwicklung und Beschaffung reduziert sowie im Verlauf der Nutzung Erfahrungen geteilt werden.

Europäische Koordinierung von Rüstungsprojekten
Im Spannungsfeld zwischen nationalen Interessen und technologischen Anforderungen bei Rüstungsprojekten nehmen Institutionen wie die Organisation Conjointe de Coopération en Matière d’Armement (OCCAR) und die Europäische Verteidigungsagentur (European Defence Agency, EDA) eine Schlüsselrolle ein. Die OCCAR fungiert dabei als Managementorganisation, die multinationale Rüstungsprogramme über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg steuert und dabei bürokratische Hürden abbaut. Die EDA wirkt als strategischer Vordenker der europäischen Verteidigung. Sie harmonisiert die militärischen Anforderungen der Mitgliedstaaten durch den Capability Development Plan (CDP) und identifiziert kritische Fähigkeitslücken, die gemeinsam geschlossen werden müssen. Damit bildet sie das Fundament, auf dem Kooperationen überhaupt erst entstehen können.

Um diese Bemühungen finanziell und strukturell zu unterfüttern, hat die Europäische Union leistungsstarke Instrumente wie das European Defence Industry Programme (EDIP) und SAFE (Security Action for Europe) ins Leben gerufen. Das EDIP dient als langfristiges Rahmenprogramm, um die europäische Verteidigungsindustrie in eine „industrielle Bereitschaft“ zu versetzen. Es fördert nicht nur die gemeinsame Beschaffung durch die Mitgliedstaaten, sondern unterstützt die Unternehmen auch dabei, ihre Produktionskapazitäten auszuweiten, um im Krisen- oder Bündnisfall leistungsfähig zu bleiben. Flankiert wird dies durch das Instrument SAFE, das den finanziellen Spielraum für Verteidigungsinvestitionen erweitert. Schon seit 2021 werden durch den europäischen Verteidigungsfond Anreize zur industriellen Kooperation gesetzt.

Stärkung der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie
Parallel zur internationalen Ebene haben das Bundesministerium der Verteidigung und Bundesministerium für Wirtschaft und Energie den Austausch mit der deutschen Rüstungswirtschaft auf ein neues Niveau gehoben. Das Format „Industrie im Dialog“ ist ein Instrument, um die nationale Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (SVI) zu stärken und mit der zivilen Industrie zu vernetzen. Priorität hat die Schaffung von Planungssicherheit. Durch langfristige Rahmenverträge und Abnahmegarantien wird den Unternehmen der notwendige Rückhalt gegeben, um in neue Fertigungsanlagen und hochqualifiziertes Personal zu investieren. Ein weiterer Baustein ist die Beschleunigung der Vergabeverfahren, um die Zeitspanne zwischen der Identifizierung eines Bedarfs und der Auslieferung nutzbaren Materials an die Truppe zu verkürzen.

Für die Landes- und Bündnisverteidigung, wie auch die fortgesetzte militärische Unterstützung der Ukraine, muss Deutschland angesichts der aktuellen Bedrohungslage schnellstmöglich wehrhaft werden. Dazu bedarf es einer in allen Lagen leistungsfähig aufgestellten nationalen und europäischen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (SVI).
Nationale Sicherheits- und Verteidigungsindustriestrategie

Auch die Förderung von Innovationen spielt eine zentrale Rolle. Das Innovationszentrum der Bundeswehr agiert hierbei als Katalysator, der Start-ups und etablierte Rüstungskonzerne zusammenbringt, um zivile Spitzentechnologien, wie Künstliche Intelligenz oder Quantensensorik, für militärische Anwendungen nutzbar zu machen. Ziel ist, Start-ups den Markteintritt zu erleichtern und bei Beschaffungsprozessen die Dynamik der Innovationszyklen – insbesondere bei der Drohnentechnologie – zu berücksichtigen. Zusätzlich zu diesen nationalen Anstrengungen profitiert die Verteidigungsindustrie von EU-Förderungen, allen voran dem Europäischen Verteidigungsfonds (European Defence Fund, EDF). Der EDF stellt erhebliche Mittel für die grenzüberschreitende Forschung und Entwicklung bereit, was insbesondere kleinen und mittelständischen Unternehmen den Zugang zu internationalen Projekten erleichtert.

Ukraine-Erfahrungen nutzbar machen
Ein besonders dynamisches und zukunftsweisendes Feld der Kooperation hat sich in der Zusammenarbeit mit der Ukraine und ihrer Verteidigungsindustrie eröffnet. Für die Bundeswehr und die deutsche Industrie resultiert daraus ein unmittelbarer Erkenntnisgewinn durch die Rückmeldung von der Front. Die sogenannten Lessons Learned aus dem hochintensiven Gefecht ermöglichen es, ukrainische Waffensysteme sowie solche aus deutscher Produktion unter realen Bedingungen zu beobachten und entsprechend zu optimieren.

Die Ukraine wiederum verfügt über eine beachtliche industrielle Basis und eine enorme Innovationskraft, insbesondere im Bereich der kosteneffizienten Drohnentechnologie und der digitalen Gefechtsführung. Gemeinsame Joint Ventures, wie sie bereits zwischen deutschen und ukrainischen Unternehmen bestehen, schaffen Produktions- und Instandsetzungskapazitäten direkt vor Ort. Dies verkürzt nicht nur die Reparaturwege, sondern integriert die Ukraine schrittweise in die europäische Rüstungsarchitektur. Letztlich stärkt diese Symbiose die Sicherheit Europas und zeigt auf, wie durch partnerschaftliches Handeln die Verteidigungsfähigkeiten in einer neuen Ära der Geopolitik gestärkt werden.

von Florian Manthey

https://www.bmvg.de/de/themen/ruestung/ruestungskooperationen-bei-beschaffung-und-nutzung-6096796


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