Neue Anlaufstelle für seelische Gesundheit

Datum5.10.2026
SubjektFriedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
AutorDominik Özbe-Schönfeld
Telefon+49 91318571632
RegionGermany
KategorieHealthcare and hospitals, Universities, Science and research

FAU eröffnet Interdisziplinäre Psychotherapie-Ambulanz.

Psychische Erkrankungen nehmen zu, das Therapieangebot bleibt jedoch knapp, insbesondere für spezialisierte Behandlungen. Der Lehrstuhl für Klinische Psychotherapie und Behavioral Health Technology der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat daher die Interdisziplinäre Psychotherapie-Ambulanz eröffnet.

Sie richtet sich insbesondere an Personen, die unter somato-psychischen Störungen leiden, also psychischen Erkrankungen, die mit körperlichen Symptomen einhergehen. Hierzu zählen beispielsweise Tinnitus, chronische Schmerzen oder medizinisch unerklärte Symptome. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf psychischer Frauengesundheit, etwa der Behandlung von prämenstrueller dysphorischer Störung, die mit Depressionen, Schlaflosigkeit oder Schmerzen und weiteren psychischen und körperlichen Beschwerden einhergeht, ebenso wie auf Belastung nach traumatischer Geburt sowie psychischer Belastung in Verbindung mit Endometriose.

Erstgespräch und Gruppentherapie als Einstieg

Am Beginn steht ein persönliches Erstgespräch, in dem geklärt wird, ob ein geeignetes Behandlungsangebot gemacht werden kann. „Wir verstehen uns als Teil der Regelversorgung, das heißt, wir bieten Psychotherapie im Rahmen der Krankenkassenversorgung an, wenn eine psychische Diagnose vorliegt“, erklärt Prof. Dr. Cornelia Weise, Inhaberin des Lehrstuhl für Klinische Psychotherapie und Behavioral Health Technology . In der Regel schließt sich zunächst eine Gruppentherapie an, entweder in einer störungsspezifischen Gruppe, etwa für Menschen mit Tinnitus oder postnataler Depression, oder in einer störungsübergreifenden Gruppe, in der soziale Kompetenzen, Selbstregulation sowie Problemlösen im Mittelpunkt stehen. Die Gruppen umfassen sechs bis acht Teilnehmende.

„Es hat sich gezeigt, dass Patientinnen und Patienten mit diesen Beschwerdebildern stark von der Gruppe profitieren. Sie bietet den Betroffenen die Chance, voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu unterstützen. Zugleich können wir auf diese Weise vielen Menschen rasch einen Behandlungsplatz anbieten“, erklärt Cornelia Weise. Im Verlauf der Gruppentherapie zeigt sich, ob eine anschließende Einzeltherapie notwendig ist oder ob die Gruppe weiterhin der richtige Weg ist. Zum Start stehen der Ambulanz vier approbierte Psychotherapeutinnen zur Verfügung.

Forschung, Lehre und Behandlung eng verzahnt

Die Ambulanz verknüpft Forschung, Lehre und Versorgung. „Was wir erforschen, bringen wir unmittelbar in die Therapie ein“, betont Cornelia Weise. „Gerade für Frauen mit prämenstrueller dysphorischer Störung gibt es bislang kaum Behandlungsplätze. Wir entwickeln in der Forschung neue Therapieansätze, belegen die Wirksamkeit wissenschaftlich und wenden sie anschließend in der Behandlung an.“ Ein Beispiel ist ein onlinebasiertes Trainingsprogramm bei Tinnitus, das die Wissenschaftlerin erforscht hat und das nun in die Praxis überführt wird. Auch die Studierenden profitieren: Im Masterstudiengang Klinische Psychologie und Psychotherapie ist der Praxisanteil hoch, die Studierenden lernen unmittelbar in der Praxis, indem sie beispielsweise an Erstgesprächen und Diagnostik mitwirken.

Interdisziplinär vernetzt

Die Ambulanz arbeitet eng mit medizinischen Einrichtungen wie etwa der Frauenklinik und dem Schmerzzentrum am Uniklinikum Erlangen zusammen, außerdem mit Physiotherapie, Hebammenwissenschaften und Sportwissenschaften. Auch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, die für ihre Patient/-innen häufig nach geeigneten Behandlungsmöglichkeiten suchen, erhalten damit eine zusätzliche Anlaufstelle.

Auch für den ländlichen Raum

Um auch Menschen im ländlichen Raum zu erreichen, kann im Einzelfall eine videogestützte Therapie angeboten werden. Voraussetzung ist ein persönliches Erstgespräch. Auch in diesem Fall finden regelmäßige Präsenztermine statt, allerdings nicht wöchentlich, sondern beispielsweise im Abstand von sechs Wochen. Die Videotherapie wird seit der Corona-Pandemie von den Krankenkassen unterstützt.

Kontakt für Patient/-innen und Ärzt/-innen:

Dr. Dominik Özbe-Schönfeld
Tel.: 09131/85-71632 (Sprechzeiten: Mittwoch 9.00 bis 10.00 Uhr, Freitag 15.45 bis 16.45 Uhr)


https://www.fau.de/2026/10/news/neue-anlaufstelle-fuer-seelische-gesundheit