Gemeinsam forschen gegen Alzheimer und andere Demenzerkrankungen – das war das bundesweit innovative Konzept für den Bau des „Center for Biostructural Imaging of Neurodegeneration“ (BIN) der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), Standort Göttingen, vor zehn Jahren. Anlässlich des runden Geburtstages fand am 1. Oktober 2026 ein feierliches Symposium im Hörsaal MED 18 in der Von-Siebold-Straße 5 in Göttingen statt.
Das „Center for Biostructural Imaging of Neurodegeneration“ (BIN) der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), Standort Göttingen, feierten ihr 10-jähriges Bestehen mit einem Festsymposium am Donnerstag, 1. Oktober 2026. Neben einer Plakatausstellung zu aktuellen Forschungsprojekten und der Entstehungsgeschichte des BIN/DZNE in der Von-Siebold-Straße 3a gab es ein umfassendes Vortragsprogramm mit internen und internationalen Sprechern im Hörsaal MED 18 in der Von-Siebold-Straße 5 in Göttingen.
Prof. Dr. Wolfgang Brück, Sprecher des Vorstandes und Vorstand Forschung und Lehre der UMG, begrüßte die mehr als 100 Gäste: „Die Neurowissenschaften sind nicht nur ein zentraler Forschungsschwerpunkt der Universitätsmedizin Göttingen, sondern am gesamten Göttingen Campus. Die enge Zusammenarbeit mit der Universität und den außeruniversitären Einrichtungen hier am Standort sind nahezu einmalig in Deutschland. Das BIN/DZNE unterstreicht diesen synergistischen Charakter, in dem es Spitzenforschende aus aller Welt vereint, um mit gebündelter Expertise die Ursachen und Mechanismen von Alzheimer und anderer neurodegenerativer Erkrankungen zu erforschen und neue Therapieansätze zu entwickeln. Da diese Krankheitsbilder in einer immer älter werdenden Bevölkerung an Häufigkeit zunehmen werden, ist diese Forschung weltweit von Bedeutung.“
Prof. Dr. André Fischer, Sprecher des DZNE am Standort Göttingen und Professor für Epigenetik neurodegenerativer Erkrankungen in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der UMG, sprach anschließend ein Grußwort: „In den vergangenen zehn Jahren ist es uns gelungen, Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in neue Biomarker und klinische Studien zu überführen. Die enge Zusammenarbeit im BIN/DZNE-Gebäude und am Göttingen Campus schafft dafür hervorragende Voraussetzungen.“
Anschließend folgten Vorträge renommierter internationaler Wissenschaftler*innen, darunter ehemalige Mitarbeitende des BIN/DZNE sowie langjährige Kooperationspartner*innen.
Prof. Dr. Silvio O. Rizzoli, Sprecher des BIN und Direktor des Instituts für Neuro- und Sinnesphysiologie der UMG, schloss die Veranstaltung: „Es ist erstaunlich, wie schnell die Zeit vergangen ist. Ich erinnere mich noch daran, wie unsere ersten Arbeitsgruppen 2016 das Gebäude bezogen haben und wie wir uns anschließend gemeinsam weiterentwickelt und unsere Labore eingerichtet haben. Es war eine großartige Reise, begleitet von zahlreichen Entdeckungen und Publikationen. Ich freue mich, einen Teil dieses zehnjährigen Abenteuers miterlebt zu haben, und blicke voller Vorfreude auf das nächste Jahrzehnt!“
Gemeinsam forschen für die Herausforderungen der Zukunft
Laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft leben nach aktuellen Schätzungen etwa 1,8 Millionen Menschen mit Demenz, einer Minderung der geistigen Fähigkeiten, in Deutschland. Aufgrund einer immer älter werdenden Bevölkerung werden Neuerkrankungen in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Um dieser Herausforderung zu begegnen, erforschen die Wissenschaftler*innen im BIN der UMG und im DZNE am Standort Göttingen die molekularen und zellulären Mechanismen dieser Erkrankungen. Ziel ist es, die wissenschaftlichen Erkenntnisse in die praktische medizinische Patient*innenversorgung zu überführen.
Forschungs-Highlights: Hirnfunktionen verstehen, Krankheiten frühzeitig erkennen und neue Therapien entwickeln
Forschende des BIN haben im vergangenen Jahrzehnt neue bildgebende Verfahren entwickelt, um beispielsweise neue Einblicke in die Funktionsweise des Gehirns zu erhalten. Im Weiteren ist es ihnen gelungen, gesundes und krankes Gewebe auf atomarer Ebene zu analysieren, um Aufschluss über die Entstehung von Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson zu erhalten, die durch einen schrittweisen Verlust funktionsfähiger Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet sind und zu Gedächtnisverlust sowie Bewegungseinschränkungen führen.
Am DZNE Göttingen wurden neue Biomarker und Therapieansätze für neurodegenerative Erkrankungen entwickelt und teilweise bereits in klinische Studien überführt. Beispielsweise wurde eine aus drei microRNAs bestehende „Signatur“ im Blut entdeckt, die mit sehr frühen kognitiven Veränderungen in Zusammenhang steht. Diese Signatur wird als möglicher Biomarker zur Früherkennung der Alzheimer-Erkrankung untersucht.
Das BIN/DZNE – ein nachhaltiger Bau für synergistische Forschung
Der Grundstein für das U-förmige BIN/DZNE wurde am 18. Juni 2014 in der Von-Siebold-Straße 3a in Göttingen gelegt. Die feierliche Eröffnung des viergeschossigen Gebäudes mit mehr als 3.400 Quadratmetern Nutzfläche und etwa 200 Räumen, fand am 13. September 2016 statt. Durch die gezielt eingesetzte Farbgebung der Gebäudeflügel – Grün für das BIN und Blau für das DZNE – sind beide Einrichtungen als eigenständige Institutionen nach außen hin sichtbar. Das Land Niedersachsen hatte den Bau mit rund 27,5 Millionen Euro finanziert.
Bei der Architektur des Gebäudes wurden städtebauliche Kriterien berücksichtigt. Beispielsweise wird der Klinker an der Fassade aus erneuerbaren Ressourcen hergestellt und ökologisch recycelt. Für die Nachhaltigkeit wurde schon damals eine moderne und energieeffiziente Wärmerückgewinnung integriert.
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