HAIDMÜHLE Wie sich der Rotwildbestand im Bayerischen Wald entwickelt und wie intensiv das Wild angesichts der Ausbreitung von Wolf und Luchs noch bejagt werden soll, wird in der Region kontrovers diskutiert. Bayerns Wirtschafts- und Jagdminister Hubert Aiwanger hat deshalb die örtliche Jägerschaft, die Bayerischen Staatsforsten und die Nationalparkverwaltung zu einem gemeinsamen Vor-Ort-Termin im Raum Haidmühle im Landkreis Freyung-Grafenau zusammengebracht. Aiwanger: „Beim Rotwildmanagement treffen naturgemäß unterschiedliche Interessen aufeinander. Deshalb ist es wichtig, nicht übereinander, sondern miteinander zu sprechen – und zwar dort, wo sich die Fragen ganz konkret stellen. Unser Ziel ist ein tragfähiger Ausgleich zwischen gesunden Wildbeständen, dem Schutz des Waldes und einer verantwortungsvollen Jagd. Wolf und Luchs verändern die Situation für Rot- und Rehwild nochmals grundsätzlich und müssen bei der Abschussplanung berücksichtigt werden. Die bisher bewährten Wintergatter können durch den Wolf sogar zur Todesfalle fürs Rotwild werden. All das muss künftig berücksichtigt und gegebenenfalls bisherige Praktiken immer wieder angepasst werden. Heute haben wir eine Brücke gebaut. Gemeinsam nutzen müssen sie nun die Verantwortlichen vor Ort. Ich bin mir sicher, dass das funktioniert. Alle Beteiligten haben sich darauf geeinigt, im Gespräch zu bleiben um gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Dabei halte ich gerade im Grenzgebiet auch die Zusammenarbeit mit Tschechien für wichtig.“
Im Mittelpunkt standen Fragen des Rotwildmanagements, der Jagdausübung und der Entwicklung der Wildbestände. Dem Termin waren Gespräche des Ministers mit verschiedenen Betroffenen und Beteiligten vorausgegangen. An mehreren Exkursionspunkten im Staatswald erörterten die Teilnehmer die unterschiedlichen Positionen. Bei Bischofsreut standen Jagdeinrichtungen und die Durchführung von Bewegungsjagden im Mittelpunkt. Vertreter der örtlichen Jägerschaft hatten im Vorfeld eine Intensivierung der Rotwildbejagung und eine zunehmende Zahl von Ansitzeinrichtungen an der Reviergrenze kritisiert. Linda Madl, Leiterin des BaySF-Forstbetriebs Neureichenau, erläuterte die Drückjagdstrategie und die notwendige professionelle Vorbereitung von Bewegungsjagden.
Bei Haidmühle ging es um die waldbauliche Situation, das Jagdkonzept der Bayerischen Staatsforsten sowie die Entwicklung der Rotwildbestände und Abschusszahlen. Auch die Rotwildbejagung im Nationalpark und die Herausforderungen des Rotwildmanagements unter Anwesenheit des Wolfes wurden thematisiert.
Die Bayerischen Staatsforsten verwiesen darauf, dass der Abschussplan seit dem vergangenen Jagdjahr um zehn Prozent abgesenkt worden sei und die Rotwildbejagung im Forstbetrieb erst zum 1. August beginne. Die Nationalparkverwaltung erläuterte, dass der Abschussplan für Rotwild um 25 Prozent reduziert worden sei. Im Nationalpark finde die Regulierung grundsätzlich nur in den vorgesehenen Managementbereichen statt, erläuterte Ursula Schuster, Leiterin der Nationalparkverwaltung.
Aiwanger zog ein positives Fazit: „Nicht jede unterschiedliche Position lässt sich bei einem einzigen Termin auflösen. Entscheidend ist aber, dass alle Beteiligten darlegen, wo der Schuh drückt, und sich mit den Argumenten auseinandersetzen. Wo praktikable Anpassungen möglich und fachlich vertretbar sind, wollen wir diese gemeinsam ausloten. Der heutige Austausch schafft dafür eine wichtige Grundlage.“ Der Minister kündigte an, den Dialog weiterhin zu beobachten und zu unterstützen.
Ansprechpartner:
Bastian Brummer
Stellv. Pressesprecher
https://www.bayern.de/bayerns-jagdminister-vermittelt-im-bayerischen-wald