Wenn Digitalisierung und Nachhaltigkeit zusammengehen

3.8.2026 - | Universität Bielefeld

Wenn Digitalisierung und Nachhaltigkeit zusammengehen, spricht man auch von Twin Transition, von doppelter Transformation. Digitale Technologien sollen dazu beitragen, Wirtschaft und Gesellschaft möglichst nachhaltig auszurichten, sollen helfen die globalen Nachhaltigkeitszeile, die sich die Vereinten Nationen mit der Agenda 2030 gesetzt haben, zu erreichen: Armut und Hunger zu bekämpfen, den Energie- und Ressourcenverbrauch zu reduzieren, die Artenvielfalt zu schützen und vieles mehr. Der Workshop „Global Responsibility for Twin Transition“, der vom 10. bis zum 12. August am Zenzrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld stattfinden wird, hat zum Thema, wie diese Ziele in unterschiedlichen Rechtssystemen und Marktstrukturen umgesetzt werden. Die Leiter*innen des Workshops, die Wirtschaftswissenschaftlerin Dr. Melina Schleef und der Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Paul T. Schrader, beide von der Universität Bielefeld, erklären, worum es geht.

Die Digitalisierung könnte zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise beitragen, bewirkt aber meist das Gegenteil: noch mehr Ressourcenverbrauch. Woran liegt das?

Melina Schleef: Digitale Technologien können Prozesse effizienter gestalten und den Energie- sowie Materialverbrauch senken. Gleichzeitig führen sie jedoch häufig zu einem steigenden Konsum digitaler Dienste, kürzeren Produktlebenszyklen und einem wachsenden Bedarf an Rechenzentren, Energie und Rohstoffen. Effizienzgewinne werden dadurch oft durch sogenannte Rebound-Effekte wieder aufgehoben. Nachhaltigkeit entsteht daher nicht automatisch durch Digitalisierung, sondern erfordert geeignete rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen.

Wie könnte die Twin Transition besser gelingen?

Paul T. Schrader: Die Twin Transition kann erfolgreicher sein, wenn Digitalisierung und Nachhaltigkeit von Anfang an gemeinsam gedacht und gestaltet werden. Dafür müssen rechtliche Vorgaben, wirtschaftliche Anreize und technologische Innovationen besser aufeinander abgestimmt werden. Gleichzeitig braucht es internationale Zusammenarbeit, da Wertschöpfungsketten und Umweltprobleme grenzüberschreitend sind. Nur durch ein koordiniertes Vorgehen lassen sich digitale Innovationen gezielt für nachhaltige Entwicklung nutzen.

Was möchte der Workshop dazu beitragen?

Melina Schleef: Der Workshop bringt Forschende aus der Rechtswissenschaft und den Wirtschaftswissenschaften zusammen, um die Wechselwirkungen zwischen Digitalisierung und Nachhaltigkeit aus unterschiedlichen Perspektiven zu analysieren. Im Mittelpunkt stehen internationale Vergleiche und die Frage, wie rechtliche und wirtschaftliche Instrumente die Twin Transition wirksam unterstützen können. Ziel ist es, neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen und den internationalen Austausch zu stärken. Langfristig soll der Workshop Impulse für Forschung, Politik und die Entwicklung geeigneter Steuerungsinstrumente geben.


https://aktuell.uni-bielefeld.de/2026/08/03/wenn-digitalisierung-und-nachhaltigkeit-zusammengehen