Der MSCI World gilt als Inbegriff eines breit gestreuten Welt-ETF. Doch der Index enthält heute weniger Aktien als noch vor einigen Jahren.
Der MSCI World bildet nicht die ganze Aktienwelt ab. Er umfasst die großen und mittleren Unternehmen aus Industrieländern und gewichtet sie nach ihrer Marktkapitalisierung. Unternehmen mit hohem Börsenwert bekommen dadurch mehr Gewicht im Index, kleinere Werte entsprechend weniger. Wer im MSCI World enthalten ist, hängt also nicht von einer festen Aktienzahl ab, sondern von der relativen Größe eines Unternehmens im Markt.
Genau das macht den MSCI World heute deutlich konzentrierter als früher. Die größten Werte haben inzwischen ein wesentlich höheres Gewicht als noch vor einigen Jahren. Der Index spiegelt damit auch wider, wie stark einzelne globale Konzerne an den Kapitalmärkten geworden sind.
Tipp: Wie sich der Index zusammensetzt und wie sich die Branchen- und Länderanteile im MSCI World entwickelt haben, zeigen wir in unserer Analyse zum MSCI-World-Index.
Für Anlegerinnen und Anleger ist wichtig zu wissen: Der MSCI World ist kein Weltindex im wörtlichen Sinn. Er enthält keine Schwellenländer und auch keine kleineren Unternehmen. Abgebildet werden vor allem die großen Börsen der Industrieländer.
Der Name kann breiter wirken, als der Index tatsächlich ist. Wer möglichst den gesamten globalen Aktienmarkt abdecken will, braucht mehr als nur den MSCI World, etwa einen Schwellenländerfonds als Beimischung. Als Kernbaustein bleibt der Index dennoch wichtig, weil er einen großen Teil der frei handelbaren Marktkapitalisierung der Industrieländer erfasst.
MSCI verwendet für die Ländereinteilung eigene Kriterien. Entscheidend ist nicht nur die wirtschaftliche Stärke eines Landes, sondern auch die Marktstruktur. Dazu zählen etwa die Handelbarkeit von Aktien, der Zugang für ausländische Investoren und die Frage, wie offen der jeweilige Kapitalmarkt ist.
Tipp: Einen Überblick über verschiedene Fonds und ETF, die Schwellenländer beinhalten, bietet unsere Fondsdatenbank.
Die MSCI-Einstufung kann von Einteilungen andere Indizes abweichen. So gilt beispielsweise Südkorea in der Weltwirtschaft zweifellos als hochmoderne Industrienation. An der Börse aber wird das ostasiatische Land unterschiedlich eingestuft: MSCI führt das Land als Schwellenland (Emerging Market), während FTSE Russell es als Industrieland (Developed Market) listet. Änderungen in dieser Einordnung können den MSCI World also auch beeinflussen.
Fazit: Der MSCI World wird nicht kleiner, sondern konzentrierter. Große Unternehmen bestimmen den Index immer stärker, während kleinere Werte häufiger herausfallen. Für Anlegerinnen und Anleger ist das kein Fehler, sondern eine direkte Folge der Indexregeln.
Wer den MSCI World nutzt, investiert in einen wichtigen, aber nicht vollständigen Ausschnitt der globalen Aktienwelt. Genau deshalb lohnt es sich, den Index nicht als „die ganze Welt“, sondern als breit gestreuten Kernbaustein zu verstehen.