Universitätsgesellschaft ehrt beste Promotionen am 21. Juli

15.7.2026 - | Universität Bielefeld

Die Universitätsgesellschaft Bielefeld (UGBi) verleiht am Dienstag, 21. Juli, die Preise für die besten Promotionen der Universität Bielefeld. Verliehen wird der Preis für die im Jahr 2025 abgeschlossenen besten Doktorarbeiten. Die 15 Arbeiten wurden alle mit der Bestnote „summa cum laude“ (hervorragende Leistung) bewertet.

Das sind die Preisträger*innen und ihre Doktorarbeiten aus dem Jahr 2025.

Dr. Laura Schulte (Fakultät für Biologie)

In meiner Dissertation habe ich erforscht, wie sich Feuersalamanderlarven in Tümpeln von ihren Artgenossen in Bächen unterscheiden und inwiefern sie sich an den jeweiligen Lebensraum anpassen können. Dazu habe ich unter anderem eine neue, nicht-invasive Methode für die Feldforschung etabliert sowie KI basierte Softwarelösungen getestet und implementiert.

Titel der Dissertation: Functions and mechanisms of niche conformance in fire salamander larvae

Dr. René Haverkamp (Fakultät für Chemie)

In meiner Arbeit habe ich das Phasenverhalten bikontinuierlicher Mikroemulsionen in porösen Festkörpern mittels Röntgen- und Neutronen-Kleinwinkelstreuung untersucht. Dabei zeigte sich ein verändertes Phasenverhalten in einer engen Porenmatrix (184 Å) im Vergleich zu freien Systemen.

Titel der Dissertation: Investigation of Porous Systems using Small-Angle Scattering

Dr. Rebekka Hahn (Fakultät für Erziehungswissenschaft)

In meiner Dissertation habe ich untersucht, wie junge Frauen aus freikirchlichen, russlanddeutschen Familien damit umgehen, wenn unterschiedliche Zugehörigkeiten ebenso unterschiedliche Vorstellungen eines guten Lebens an sie herantragen. In biografischen Erzählungen werden Familie und Glaube als höchste Werte und als Gegenpol zu gesellschaftlichen Leitidealen einer selbstbestimmten und optimierten Lebensführung entworfen. Zugleich zeigen diese Erzählungen, wie stark genau diese Ideale in Familie und Glaube hineinwirken.

Titel der Dissertation: „Dass dir das Leben gelinge“ – Werte und Zugehörigkeit im Kontext von Familie, Migration und Glaube. Eine biographieanalytische Studie. 

Dr. Hanna Metzen (Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie)

Ich habe untersucht, auf welcher Basis Laien wissenschaftlichen Expert*innen vertrauen können. In meiner Dissertation zeige ich zum Beispiel, dass die Vertrauenswürdigkeit von Expert*innen auf gemeinsamen Werten sowie wissenschaftlicher Objektivität beruht. Zudem sollte Vertrauen mit demokratischen Kontrollmechanismen vereinbar sein, vor allem wenn Expert*innen öffentlich auftreten oder die Politik beraten.

Titel der Dissertation: Public Trust in Scientific Expertise – Its Nature, Value, and Strategies to Promote It

Dr. Stephanie Batram-Zantvoort (Fakultät für Gesundheitswissenschaften)

Meine Dissertation befasst sich mit der Frage, wie positive und negative Geburtserfahrungen die Geburtsintegrität beeinflussen. Geburtsintegrität meint die körperliche und emotionale Unversehrtheit der gebärenden Person. Dafür habe ich ein Konzept und Messinstrument der Geburtsintegrität entwickelt und validiert. So konnte ich ermitteln, dass respektvolle Kommunikation, Aufklärung, informierte Einwilligung und Begleitung die Geburtsintegrität schützen, während Respektlosigkeit, Vernachlässigung und fehlendes Ernstnehmen sie negativ beeinträchtigen.

Titel der Dissertation: Bridging Feminist Scholarship and Epidemiology: Concept, Framework, and Research on Birth Integrity

Dr. Annika Klanke (Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft)

Meine Dissertation untersucht die feministische Essayistik der Gegenwart, also Texte, die persönliche Erfahrung darstellen und deuten. Dabei macht sie sichtbar, wie diese Texte Erfahrung aufwerten, ästhetisieren, politisch mobilisieren, befragen und kritisieren. So zeigt die Arbeit, wie sich die Bedeutung des feministischen Mottos ‚Das Private ist politisch‘ seit den 1970ern verschoben hat.

Titel der Dissertation: „Das Private ist nach wie vor politisch“? – Erfahrung und Geschlecht in der feministischen Essayistik der Gegenwart

Dr. Donatus Coerdt (Fakultät für Mathematik)

Meine Dissertation beschäftigt sich mit den visuell-räumlichen Fähigkeiten von Kindern, die als zentraler Bestandteil geometrischer Kompetenzen für schulisches Lernen, insbesondere den Mathematikunterricht, bedeutsam sind. Dabei konnte ich neben den gezeigten visuell-räumlichen Fähigkeiten der Kinder und personenbezogenen Unterschieden zahlreiche Zusammenhänge zwischen visuellen und räumlichen Teilfähigkeiten nachweisen. Außerdem konnte ich einen deutlichen Einfluss der visuellen Wahrnehmung auf das räumliche Vorstellungsvermögen feststellen.

Titel der Dissertation: Visuell-räumliche Fähigkeiten beim Übergang vom Kindergarten in die Grundschule – Eine empirische Studie zur Entwicklung und zum Einsatz ei nes diagnostischen Interviews

Dr. Yunxin Ye (Fakultät für Physik)

Ich habe den Echtzeitformalismus der Quantenfeldtheorie genutzt, um zu analysieren, wie sich das durch die Quantenchromodynamik beschriebene stark interagierende System aus Quarks und Gluonen in der Nähe von „kritischen Punkten“ von Phasenübergängen dynamisch verhält. Dabei habe ich eine symmetrieerhaltende Echtzeitformulierung der funktionalen Renormierungsgruppe entwickelt – ein Framework, das zur Untersuchung von Universalitätsklassen zur Beschreibung der dynamischen Kritikalität in der QCD angewendet werden kann und sich auch auf fundamentale Freiheitsgrade ausweiten lässt. Diese Methode ermöglicht es, universelles dynamisches kritisches Verhalten konsistent zu untersuchen und zu extrahieren sowie den Einfluss dynamischer Eigenschaften auf das Phasendiagramm zu erforschen.

Titel der Dissertation: Dynamic Critical Behavior Near the Critical Point of Chiral Transition and the QCD Critical End Point with Real-Time Functional Renormalization Group

Dr. Philipp Jann (Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft)

In meiner Dissertation habe ich analysiert, wie sich Risikofaktoren und Symptome der Posttraumatischen Belastungsstörung und Anhaltenden Trauerstörung nach potenziell traumatischen Verlusten sowohl unmittelbar als auch langfristig überschneiden und unterscheiden. Aus meiner Untersuchung entstand ein biopsychosoziales Rahmenmodell, das Ansatzpunkte für die Früherkennung sowie Prävention und Behandlung beider Störungen aufzeigt.

Titel der Dissertation: Between trauma and grief in psychosocial crisis intervention and beyond: An integrative biopsychosocial framework model of traumatic loss

Dr. Tim Friedrich Thormann (Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft)

Ich habe erforscht, wie professionelle Sportorganisationen durch soziale und ökologische Aktivitäten zur nachhaltigen Entwicklung beitragen können. Dabei habe ich unter anderem untersucht, wie das Verhalten von Fans den gesellschaftlichen und ökologischen Einfluss des Sports beeinflusst. Ich konnte in meiner Studie zeigen, dass Sportorganisationen einen Beitrag zu Nachhaltigkeit leisten können, ihr größter Umwelteinfluss aber durch die An- und Abreise von Fans entsteht. Soziale und nachhaltige Aktivitäten haben einen positiven Einfluss auf die öffentliche Wahrnehmung von Sportorganisationen. Umweltfreundliches Verhalten wird jedoch vor allem dann gewählt, wenn es einfach und attraktiv ist.

Titel der Dissertation: Stakeholder perspectives on corporate social responsibility and environmental sustainability in professional sport

Dr. Emma Sammet (Fakultät für Rechtswissenschaft)

Die Wohnungskrise stellt den Gesetzgeber vor große Herausforderungen. In meiner Dissertation habe ich mittels einer eigens entwickelten Methodik untersucht, inwiefern und welche ökonomischen Annahmen die Wohnungspolitik seit 1945 geprägt haben. Ich zeige auf, wie das heutige marktwirtschaftliche Wohnsystem entstanden ist, warum es fortbesteht und welche Alternativen denkbar sind.

Titel der Dissertation: Das Gesetz des Wohnungsmarktes. Rekonstruktion ökonomischer Annahmen der Wohngesetzgebung

Dr. Zhenwei Wang (Fakultät für Soziologie)

In meiner Dissertation zeige ich, dass Migration familiäre Beziehungen nicht einfach auflöst. Stattdessen erhalten chinesische Familien ihre Beziehungen über große Entfernungen hinweg durch Besuche, finanzielle Unterstützung, das Erzählen von Geschichten und digitales Monitoring aufrecht. Diese Praktiken schaffen neue Formen von Fürsorge und Unterstützung, spiegeln aber auch Ungleichheiten im Hinblick auf Geschlecht, Generation und soziale Herkunft wider.

Titel der Dissertation: The Gender and Class Dynamics of Families on the Move: An Ethnography of Translocal Kinning and Caregiving in Contemporary China

Dr. Fabian Fumagalli (Technische Fakultät)

Ich habe erforscht, wie KI-Entscheidungen transparent gemacht werden können, da bisherige Erklärmethoden oft scheinbar widersprüchliche Ergebnisse liefern. In meiner Dissertation habe ich ein neues Framework auf Basis der kooperativen Spieltheorie entwickelt, das zeigt, dass Widersprüche auf unterschiedliche Interpretationen zurückzuführen sind. Darüber hinaus berechnet es komplexe Interaktionen von Eingaben und ist auf dynamische Modelle anwendbar.

Titel der Dissertation: Explainable AI: A Unified Approach Based on Cooperative Game Theory

Dr. Alessandro Sgarabottolo (Fakultät für Wirtschaftswissenschaften)

Meine Dissertation untersucht den Einfluss von Modellunsicherheit auf klassische Schätzungen aus der mathematischen Finanzwissenschaft, wie beispielsweise die Berechnung eines erwarteten Verlusts. Modellunsicherheit beschreibt die Unfähigkeit eines probabilistischen Modells, den zufälligen Charakter dieser Schätzungen vollständig zu erfassen. Ich habe dieses Thema mithilfe von Techniken aus dem Bereich des optimalen Transports und der Theorie nichtlinearer Halbgruppen erforscht. Dazu habe ich analytische und numerische Lösungen zur Berechnung von Worst-Case-Schätzungen entwickelt, die die Modellunsicherheit in den Verteilungen finanzieller Risikofaktoren berücksichtigen.

Titel der Dissertation: Essays on model uncertainty in finance: from optimal transport to nonlinear semigroups

Dr. Sandra Grüter (Bielefeld School of Education)

Die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schulen ist eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung der inklusiven Beschulung von Kindern mit und ohne Unterstützungsbedarf. Meine Dissertation hat in fünf Teilstudien erforscht, wie Eltern für die Zusammenarbeit mit der Schule und den Lehrkräften ihres Kindes motiviert werden können. Dabei konnte ich einen Zusammenhang zwischen der Motivation von Eltern und den Kooperationsangeboten der Schulen feststellen. Die Ergebnisse meiner Dissertation weisen darauf hin, dass anstatt das vermeintlich unzureichende Engagement der Eltern zu fokussieren an den Angeboten der Schulen angesetzt werden kann, um die Zusammenarbeit zu verbessern.

Titel der Dissertation: Eltern inklusive? Studien zur Zusammenarbeit von inklusiven Sekundar- und Gesamtschulen und Eltern von Schüler:innen mit und ohne sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf


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