Ich stehe heute vor Ihnen mit großem Respekt.
Es gibt im Deutschen ein Wort, das ein bisschen aus der Mode gekommen ist. Das Wort Heldenmut. Heldenmut, das ist nicht das Fehlen von Angst. Sondern Heldenmut ist die Entscheidung, sich der Angst zu stellen.
Wer von der Front kommt – so wie Sie, – weiß, was Gefahr bedeutet. Weiß, was Verlust und Entbehrungen bedeuten. Und er weiß, was Angst bedeutet. Angst ist einer der Urtreiber des Menschen.
Doch Sie alle kehren trotz dieser Angst zurück an die Front. Sie stellen sich der Gefahr. Sie alle zeigen Heldenmut.
Sie kämpfen nicht, weil Sie kämpfen wollen. Sondern weil Sie müssen. Weil Moskau Sie in einen Krieg gezwungen hat.
Und Sie wissen, um Ihre Verantwortung. Wissen, was auf dem Spiel steht. Ihre Freiheit. Die Würde eines freien Landes. Das Recht auf Selbstbestimmung. Ganz praktisch: Die Zukunft Ihrer Familien.
Es geht in diesem Krieg aber noch um mehr.
Denn Moskau hat immer wieder klar gemacht: Es geht um eine Konfrontation mit dem Westen.
Der Kreml will eine illiberale Welt der Autokratien gegen den Westen. Russlands Aggression gegen die Ukraine ist Teil eines größeren Angriffs auf die regelbasierte internationale Ordnung. Darum geht es in diesem brutalen Eroberungskrieg.
Ihr Heldenmut trägt und schützt deswegen mehr als Ihr Land. Er trägt auch uns als Deutschland, als geeintes Europa. Darum ist Ihr Heldenmut uns eine Verpflichtung.
Unsere Haltung ist klar. Die Ukraine kann sich auf ihre Partner, verlassen. Wir stehen an ihrer Seite.
Deutschland geht deswegen ja voran. Wir geben Unterstützung in Form von Luftabwehr, Waffen, wirtschaftlicher und humanitärer Hilfe.
Wir haben noch einmal die Winterhilfe aufgestockt und leisten insgesamt 400 Millionen Euro. Die massiven Angriffe der letzten Wochen auf die Energieinfrastruktur zeigen: Moskau will die Ukraine in den Blackout bomben.
Krankenhäuser, Schulen und Wohnblöcke sind ohne Strom, ohne Heizung, ohne Wasser. Wir sprechen hier von bis zu einer halben Million Menschen – allein in Kyjiw. Das ist ein völkerrechtswidriger Angriff auf die Zivilbevölkerung. Das ist eine systematische Terrorkampagne. Die Ukrainer sollen sich dem Terror beugen. Das ist Putins zynisches Spiel mit der Kälte.
Es steht außer Frage: Europa muss noch mehr tun, um die Ukraine zu unterstützen.
Wir werben darum kontinuierlich bei unseren Partnern für höhere Beiträge zur ukrainischen Verteidigung und für die zivile Unterstützung.
Es ist wichtig, dass wir weiter gemeinsam geschlossen hinter der Ukraine stehen und den Druck auf Russland weiter erhöhen. Unser Ziel, das wir uns wünschen und auf das wir hinarbeiten, ist ein dauerhafter und gerechter Frieden für die Ukraine.
Den kann die Ukraine aber nur aus einer Position der Stärke heraus verhandeln. Wir müssen sie in eine solche versetzen. Sie, liebe Soldaten, leisten seit vier Jahren Ihren Beitrag. Sie leisten das Wunder des Widerstands.
Dafür möchte ich Ihnen danken. Und Ihnen versichern, dass wir Sie nicht alleine lassen.
Ich danke Ihnen ganz herzlich. Und freue mich jetzt auf unser Gespräch.