Fondsanbieter Vanguard hat einen neuen ETF aufgelegt, dessen Index über 10 000 Aktien beinhaltet. Ist das sinnvoll? Und sollten MSCI World-Anleger jetzt umsteigen?
Ein neuer ETF, der innerhalb weniger Wochen Zeit zwei Milliarden US-Dollar Anlegergeld einsammelt: Der Vanguard FTSE Global All-Cap ETF ist der Anleger-Hype der Stunde. Er ist mit laufenden Kosten von nur 0,07 Prozent pro Jahr sehr günstig – und er streut das Geld auf den ersten Blick deutlich breiter als bisherige Welt-ETF. Über 10 000 Aktien von großen, mittleren und kleinsten Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern stecken im FTSE Global All-Cap Index, den der ETF abbildet. Im populären MSCI World Index sind es „nur“ 1 300 Aktien von mittleren und großen Unternehmen in Industrieländern.
Vanguard bietet den ETF in zwei Anteilsklassen an:
Der Index funktioniert im Kern wie gewohnt: Er deckt Industrie- und Schwellenländer ab und gewichtet die Aktien nach dem Wert ihres Streubesitzes. Der entscheidende Unterschied zu klassischen Welt-Indizes liegt in der Tiefe: Der Index geht weit hinein in die Welt der kleinen Unternehmen, also der Small Caps – nach Definition von MSCI wären sogar Micro Caps enthalten.
Wer maximale Streuung sucht, dürfte sich freuen. Aber bringen so viele Aktien wirklich einen Mehrwert?
Streuung gilt als der zuverlässigste Weg, das Rendite-Risiko-Verhältnis zu optimieren. Dass klassische, nach Marktkapitalisierung gewichtete Indizes ein hohes Gewicht amerikanischer Technologie- und KI-Aktien aufweisen, ist dabei kein Fehler, sondern folgt der Kapitalmarkttheorie: Wer wirklich maximal streuen will, hält am Ende einfach alle investierbaren Aktien der Welt – gewichtet nach ihrem Börsenwert. Genau das verspricht auch der neue Vanguard-ETF.
Sein Index enthält noch einmal deutlich mehr Titel als der bisherige Rekordhalter, der MSCI ACWI IMI Index mit seinen gut 8 000 Titeln, auf den es bereits ETF von SPDR gibt (thesaurierend IE00B3YLTY66, ausschüttend IE000DD75KQ5). Doch die meisten Anlegerinnen und Anleger überschätzen, was diese zusätzlichen Aktien beim Vanguard tatsächlich für die Marktabdeckung bedeuten.