Das Erfolgsrezept von ETF ist einfach: Sie bilden einen Index ab. Aktive ETF wollen mehr. Haben sie damit Erfolg? Wir zeigen, was Anlegende von dem Trend erwarten können.
Wenn das kein Wachstum ist: Vor drei Jahren listeten wir in unserem Fondsfinder 135 aktive ETF. Heute sind es 561 – das sind ungefähr vier Mal so viele. Die Zahl der normalen ETF ist auch gestiegen, aber nur um etwas mehr als ein Viertel. Mit „normal“ meinen wir ETF, die einen Index abbilden. Das Kürzel ETF steht für Exchange Traded Fund und sagt zunächst nichts darüber aus, ob es sich um einen ETF handelt, der einen Index abbildet, oder ob es ein aktiv gemanagter ETF ist.
Aktive ETF bilden keinen Index ab, sondern wählen die Aktien nach anderen Mustern aus. Die Grenzen zum passiven Management sind dabei fließend. Einige aktive ETF folgen zwar keinem Index, aber einer streng regelbasierten Strategie. Andere beziehen sich auf einen Index, machen aber ein paar Kleinigkeiten anders als dieser. Wieder andere sind wirklich aktiv und betreiben Stock Picking, das heißt, sie wählen die Titel einzeln aus. Wir haben uns das Angebot genauer angeschaut.
Einen indexnahen aktiven ETF bietet etwa Blackrock mit dem iShares World Equity Enhanced Active ETF. Der Fonds ist seit zwei Jahren auf dem Markt und verwaltet rund 1,8 Milliarden Euro (Stand 31. August 2026). Nach Angaben des Anbieters dient der MSCI World Index als Bezugsgröße für die Rendite. Er bildet den Index aber nicht nach, sondern verwendet quantitative Modelle, um die Aktien auszusuchen. Auswahlkriterien sind unter anderem die Fundamentaldaten der Unternehmen sowie die Marktstimmung. Die Top-3-Werte im Fonds sind Nvidia, Apple und Microsoft – die drei stehen ebenfalls an der Spitze des MSCI World. Bislang entwickelt sich der iShares-ETF einen Deut besser als der MSCI World.
Sie finden aktive ETF in unserer großen Fondsdatenbank, indem Sie auf der Startseite auf „alle Fonds“ klicken und auf der nächsten Seite bei „Fondsart“ den Punkt „ETF (kein Indexfonds)“ auswählen.
Auch die ETF-Reihe „Enhanced Index“ von JPM verfolgt einen aktiven Ansatz. Die beiden Fondsmanager des rund 9 Milliarden Euro schweren JPM Global Research Enhanced Index Equity Active ETF etwa wählen die Titel nach dem sogenannten Bottom-up-Ansatz aus. Dabei werden zunächst die Einzeltitel und dann erst Branchen und Gesamtmarkt betrachtet. Vielversprechende Wertpapiere würden übergewichtet, heißt es im Factsheet von JPM. Der Fonds hat in unserer Bewertung des Anlageerfolgs vier von fünf Punkten. Er weist eine Marktnähe von 99 Prozent auf und hat über fünf Jahre gesehen genau so stark zugelegt wie der MSCI World: 12,4 Prozent pro Jahr (Stand 31. Juli 2026). Die Strategie des ETF ist also sehr indexnah.
Der Fonds Invesco Global Active ESG Equity ist ein aktiver ETF, der weltweit in Aktien investiert – und zwar in die, die zur Nachhaltigkeitsstrategie des Hauses passen. Anders als viele andere nachhaltige ETF bildet der Fonds keinen Nachhaltigkeitsindex nach, sondern wählt die nachhaltigen Titel eigenständig aus. Der Fonds verwaltet knapp 2,5 Milliarden Euro. Er nutzt Faktoren wie Value, Quality und Momentum und läuft aktuell besser als der MSCI World, was derzeit für Nachhaltigkeitsfonds nicht selbstverständlich ist.
Tipp: Im Fondsfinder können Sie nach Fonds und ETF mit Nachhaltigkeitsbewertung filtern. Klicken Sie dazu auf der Startseite auf „Fonds mit Nachhaltigkeitsbewertung“ und wählen Sie dann bei „Fondsart“ „ETF (kein Indexfonds)“ aus. Angezeigt werden mit dieser Filtereinstellung nur die Hauptanteilsklassen.
Ein Beispiel für einen aktiven und individuell gemanagten Fonds ist der ARK Innovation ETF, der von der bekannten amerikanischen Ökonomin Cathie Wood gemanagt wird. Er setzt auf Aktiengesellschaften, die „disruptive Innovationen“ verheißen, also auf Grundlage neuer Technologien bestehende Märkte aufmischen. Der ETF investiert zum Beispiel in Biotechnologiewerte und in Aktien, die künstlicher Intelligenz und Robotik zuzuordnen sind. Laut dem Factsheet vom 30. Juni 2026 war die größte Position des Fonds Tesla, gefolgt vom US-Neobroker Robinhood Markets. Mehr über den ETF erfahren Sie im Artikel Kultfonds ARK Invest.
Eine weitere Spielart aktiver ETF sind Mischfonds-ETF. Sie mischen Aktien- und Anleihen-ETF, manchmal auch Rohstoff-ETF und Gold-ETC. Ähnlich wie unser Pantoffel-Portfolio funktionieren die Misch-ETF von Vanguard, der Vanguard LifeStrategy 40 Prozent Equity zum Beispiel zählt zu den ausgewogenen Konzepten. Die Anlagen fürs Xtrackers Portfolio wiederum werden von einem vierköpfigen Strategiekomitee ausgewählt.
Tipp: Porträts zu Misch-ETF finden Sie im Beitrag Die ganze Geldanlage in einem ETF.
Sind die aktiven ETF nun besser? Im Vergleich zu normalen aktiv gemanagten Fonds haben sie jedenfalls einen großen Vorteil: Sie kosten weniger. Ein Grund, warum aktiv gemanagte Fonds so oft hinter dem Markt zurückbleiben, sind ihre hohen Kosten. Bevor der Manager mit seinem Fonds den Markt schlagen kann, muss er zunächst Gebühren von 1 bis 2 Prozent pro Jahr hereinholen. Erst dann kann er Gewinn machen. Das ist schwieriger, als Laien vermuten würden. Aktive ETF kosten typischerweise zwischen 0,25 und 0,75 Prozent pro Jahr. Sie sind – nach Kosten – daher schneller im Plus als herkömmliche gemanagte Fonds. Ob sie aber besser abschneiden, ist eine andere Frage. Es kommt darauf an, wie erfolgreich ihre Anlagestrategie ist.
Die Anbieter aktiver ETF werben damit, besser abzuschneiden als ein ETF, der nur einen Index abbildet. Von Mehrrendite ist ebenso die Rede wie von Anlageerfahrung und regelbasierten Investmentprozessen. Wie aktive ETF am Ende aber genau versuchen, eine Überrendite zu erzielen, bleibt oft unklar. Bezüglich der Transparenz der Anlagestrategie sind Anlegerinnen und Anleger auch nicht schlauer als bei herkömmlichen aktiv gemanagten Fonds.
Von den 45 aktiven ETF in der Gruppe Aktien Welt sind nur sechs älter als fünf Jahre und von uns bewertet. Drei von ihnen erzielen beim Anlageerfolg derzeit vier von fünf Punkten, je einer hat drei Punkte, zwei Punkte und einen Punkt. Die anderen aktiven Welt-ETF sind noch zu jung für eine Stiftung-Warentest-Bewertung des Anlageerfolgs.
Einer dieser 4-Punkte-Fonds ist der Invesco Global Active ESG Equity. Er liegt über fünf Jahre mit 2,8 Prozentpunkten pro Jahr vor dem MSCI World Index – dem Referenzindex in dieser Fondsgruppe. Der JPM Global Research Enhanced Index Equity Active ETF und der HSBC Multi Factor Worldwide Equity, beide ebenfalls 4-Punkte-Fonds, liegen über demselben Zeitraum mit dem Index gleichauf.
Mit drei Punkten schneidet der Fidelity Global Equity Research Enhanced ETF nur mittelmäßig ab. Der Fonds liegt, was die Rendite angeht, sowohl über fünf Jahre als auch über ein Jahr leicht hinter dem Weltindex zurück. Der First Trust Global Capital Strength ESG Leaders, ein mit zwei Punkten bewerteter Fonds, hat über fünf Jahre nur etwas mehr als halb so viel Rendite erwirtschaftet wie der MSCI World. Damit ist es ihm so ergangen wie vielen nachhaltigen Fonds und ETF, die schwierige Jahre hinter sich haben – jetzt aber teils wieder deutlich bessere Ergebnisse erzielen. Auch der Sharia-konforme HANetf Saturna Al-Kawthar Global Focused Equity, derzeit mit einem Punkt beim Anlageerfolg, spielt in einer anderen Liga.
Von den zurzeit im Fondsfinder geführten 561 aktiven ETF konnten wir nur bei 37 eine Bewertung für den Anlageerfolg vergeben. Es lässt sich also noch nicht viel Konkretes über diese ETF sagen. Es sind zu wenige – insgesamt listen wir in unserer Datenbank 25 434 Fonds – und sie existieren zu kurz. Zwar erhalten 23 dieser 37 ETF gute vier Anlageerfolgs-Punkte, doch die bisherigen Erfahrungen mit dem Abschneiden gemanagter Fonds sind nicht unbedingt ermutigend. Die Mehrzahl der aktiv gemanagten Fonds schneidet schlechter ab als der Vergleichsindex – oder der ETF, der diesen Index abbildet. Auch verschiedene Forschungsarbeiten zeigen in die Richtung, dass aktives Management kaum Mehrwert bietet, selbst wenn die Kosten niedrig sind.