100 Tage Chefarzt am Sana Klinikum Coburg.
Seit dem 1. Juni 2026 leitet Prof. Dr. Sebastian Schölch die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Sana Klinikum Coburg. Der renommierte Chirurg und Wissenschaftler bringt umfassende Expertise aus der Universitätsmedizin Mannheim und dem Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg (DKFZ) mit nach Oberfranken. Nach 100 Tagen im Amt zieht er eine erste Bilanz.
Herr Prof. Schölch, wie fällt Ihr Fazit nach 100 Tagen am Sana Klinikum Coburg aus?
Sehr positiv! Mein Vorgänger Prof. Bernhard Leibl ermöglichte mir einen gemeinsamen Übergabemonat, was mir den Start erheblich erleichterte. Das Team versorgt unsere Patienten kompetent und trotz hoher Arbeitsbelastung ausgesprochen empathisch. Sowohl die Fallzahl als auch die Komplexität der Fälle und die Versorgungsqualität sind auf universitärem Niveau. Es macht großen Spaß zu sehen, was hier geleistet wird.
Sie sind von der Universitätsklinik Mannheim an das Sana Klinikum Coburg gewechselt. Was hat Sie am Sana Klinikum Coburg besonders gereizt?
Neben der Größe der Klinik besonders die Medical School. Ich bin leidenschaftlich gerne Hochschullehrer und habe sowohl Aus- und Weiterbildung als auch akademische Lehre immer sehr gerne gemacht. Es ist schön zu beobachten, wie sich junge Menschen entwickeln. Nebenbei ist die Lehre auch ein tolles Mittel zur Nachwuchsgewinnung , denn die besten neuen Mitarbeiter hat man meist selbst ausgebildet. Ein weiterer Aspekt ist die Infrastruktur und Expertise, die Sana als größter Klinikkonzern Deutschlands nach Coburg bringt.
Gab es Überraschungen in den ersten Wochen?
Positiv überrascht hat mich die sehr gute Infrastruktur, insbesondere in den nicht-ärztlichen Berufsgruppen. Wir haben regelmäßige Apothekenvisiten, Ernährungsvisiten und eine hervorragende Physiotherapie. Die Versorgung unserer Patienten ist damit im nationalen Vergleich überdurchschnittlich gut. Beeindruckt bin ich darüber hinaus von meinem chirurgischen Team, das sich mit hohem Einsatz und hervorragender Expertise um unsere Patienten kümmert.
Welche fachlichen Akzente möchten Sie in Coburg setzen?
Zunächst gilt es, das hohe Niveau zu halten. Als chirurgischer Onkologe liegen meine Schwerpunkte bei Krebserkrankungen des Gastrointestinaltrakts sowie der Metastasenchirurgie, vor allem der Leber. Hier konnten in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt werden – wir können inzwischen Lebermetastasen teils minimalinvasiv operieren und in Kombination mit Chemo- oder Strahlentherapie individuelle Konzepte entwickeln, die die Erkrankung bei guter Lebensqualität lange kontrollieren oder sogar heilen können. Wichtig ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Onkologie, Strahlentherapie, Gastroenterologie und interventioneller Radiologie. In all diesen Bereichen sind wir hervorragend aufgestellt.
Welche Behandlungsschwerpunkte sollen künftig gestärkt werden?
Die aktuellen Schwerpunkte – Krebserkrankungen von Dick- und Enddarm sowie von Leber, Gallenwegen und Bauchspeicheldrüse – werden fortgeführt. Ein wichtiger neuer Aspekt ist das Enhanced Recovery After Surgery (ERAS)-Programm, das wir ab Januar 2027 einführen. ERAS bedeutet „Bestmöglich rein in die OP, bestmöglich wieder raus". Ziel des Programms ist es, das Gleichgewicht des Körpers durch die OP möglichst wenig zu stören. Es umfasst optimale Vorbereitung, schonende Narkoseverfahren, möglichst wenige Katheter und Drainagen sowie frühe Mobilisation. Viele Eingriffe können dadurch ambulant durchgeführt werden, und auch nach großen Operationen muss man nur noch wenige Tage im Krankenhaus verbringen.
Stichwort moderne OP-Techniken – wo sehen Sie noch Entwicklungspotenzial?
Die robotische Chirurgie war bereits vor meinem Einstieg auf höchstem Niveau etabliert. Ich plane nun, die Robotik auf neue Operationen wie Leberresektionen auszuweiten. Hierfür bekommen wir demnächst ein neues Ultraschallgerät, das minimalinvasive Feindiagnostik der Leber während der OP in hervorragender Auflösung ermöglicht.
Welche Rolle spielen interdisziplinäre Tumorboards für Sie?
Eine extrem wichtige. Die Zeiten, in denen ein Chirurg quasi als „begnadeter Techniker" alleine agiert, sind vorbei. Ohne moderne Anästhesie, Onkologie, Gastroenterologie und interventionelle Radiologie wäre unsere Arbeit nicht möglich. Wichtig sind mir auch die nicht-ärztlichen Berufsgruppen: Ohne fachlich versierte und menschlich zugewandte Pflege, Ernährungstherapie und Physiotherapie würde unsere chirurgische Kunst nicht funktionieren. Wir müssen interdisziplinär arbeiten, davon profitieren unsere Patienten und das bereitet mir ehrlicherweise auch viel mehr Freude.
Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit mit Ihrem Team?
Ein Chefwechsel bedeutet für alle Veränderungen und Stress – nicht nur für das Team, sondern auch für den Chef! Mein Team hat dies mit Bravour gemeistert. Ich habe das Privileg, ein diverses Team aller Altersgruppen, Ausbildungsstufen, Geschlechter und kultureller Hintergründe führen zu dürfen, das jeden Tag Großes leistet. Die Zusammenarbeit ist von Respekt und Offenheit geprägt.
Was ist Ihnen in der Führung besonders wichtig?
Aus meiner Sicht ist ein kooperativer Führungsstil unerlässlich. Ich möchte allen Teammitgliedern die Sicherheit geben, offen zu reden. „Speak up" nennt sich das Konzept. Auch der jüngste Azubi im OP muss ein potentielles Problem ansprechen können, ohne unangenehme Konsequenzen zu fürchten. Das gelingt in stressigen Notfallsituationen noch nicht immer, aber hoffentlich meistens.
Welche Bedeutung haben Weiterbildung und Nachwuchsförderung?
Sie gehören zu meiner Jobbeschreibung. Im Verbund mit unserer Schwesterklinik in Lichtenfels können wir das gesamte Spektrum der Allgemein- und Viszeralchirurgie anbieten und Ärzte vom ersten Arbeitstag bis zur Zusatzbezeichnung weiterbilden. Die Sana Medical School ist mir sehr wichtig. Die Chirurgie hat Besonderheiten wie unplanbare Notfälle oder körperlich anspruchsvolle Operationen, weshalb andere Fächer auf angehende junge Mediziner attraktiver wirken können. Aber Chirurg zu sein ist aus meiner Sicht der schönste Beruf der Welt – die OP ist oft entscheidend im Verlauf einer Krebserkrankung, und das Leben anderer Menschen so unmittelbar zum hoffentlich Positiven beeinflussen zu können, ist ein wahnsinniges Privileg. Die Schönheit unseres Fachs zu vermitteln, ist eine wichtige Aufgabe, die mir auch extrem viel Freude macht.
Welche Meilensteine stehen in den nächsten Monaten an?
Ganz klar die Einführung des ERAS-Programms. Es wird viel positiven Einfluss nicht nur auf die Behandlungsergebnisse, sondern auch auf die innerklinischen Abläufe haben.
Wo soll die Chirurgie in drei Jahren stehen?
Wir wollen eine moderne viszeralchirurgische Abteilung mit schlanken, patientenzentrierten Abläufen sein, die dennoch hochkomplexe Operationen aus dem gesamten Spektrum anbietet.
Was schätzen Sie persönlich an Coburg am meisten?
Da gibt es vieles: Die Stadt ist wunderschön und hat für ihre Größe viel zu bieten. Ich war vor dem Medizinstudium Musiker und bin weiterhin Hobbymusiker – dass wir hier mit dem Landestheater ein Dreispartenhaus haben, ist für mich ein Riesenpluspunkt. Die Region ist toll, Coburger Rutscher schmecken mir hervorragend, die Lebensqualität ist hoch, die ICE-Anbindung lässt einen schnell überall hinkommen. Das Wichtigste: Meiner Familie gefällt es auch sehr gut.
Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg am Sana Klinikum Coburg!
https://www.sana.de/newsroom/chirurg-ist-der-schoenste-beruf-der-welt