Prof. Dr. Anja Peltzer hat an der JLU die Professur für Soziologie mit dem Schwerpunkt Mediensoziologie angetreten
Wie verändert es unsere Konventionen der Weltwahrnehmung, wenn wir Dinge für wahr halten, die aber synthetisch erzeugt wurden? Mediale Artefakte, wie KI-generierte Filme beispielsweise, können Wahrheiten vortäuschen, die nicht mit der Realität übereinstimmen.
Wie wir als Gesellschaft mit diesem „falschen Wissen“ umgehen, wie es unsere Routinen im Zusammenleben irritiert und unseren Blick auf die Echtheit von Bildern verändert, untersucht Prof. Dr. Anja Peltzer. Sie hat seit Juni 2026 die Professur für Soziologie mit dem Schwerpunkt Mediensoziologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) inne, die sie seit Oktober vergangenen Jahres bereits vertreten hat.Prof. Peltzer widmet sich der Frage, welche Rolle die vielseitigen Formen medialer Kommunikation für die Verfassung unserer sozialen Wirklichkeit spielen. Im Zentrum stehen dabei die Ästhetik und Politik digitaler Kommunikation sowie das Zusammenspiel von Geschichte und Gegenwart im fiktiven Film. Ein besonderer Fokus liegt dabei stets auf dem Verhältnis von Dokumentation und Fiktion. Die Professorin untersucht, wie durch künstlich erzeugte Bilder und Filme eine neue Ästhetik des Nicht-Realen entsteht, wie wir im Zeitalter von Deepfakes und Desinformation lernen können, Medien kritisch zu hinterfragen (Digital Literacy) und – umgekehrt – ob wir durch die medialen Veränderungen nicht auch lernen müssen, die Wirklichkeit kritischer und bewusster zu betrachten. „Medienanalyse ist immer auch Gesellschaftsanalyse“, so Prof. Peltzer. Sie untersucht nicht nur die medialen Produkte selbst, sondern auch, wie Menschen sie wahrnehmen und wie mediale Erzählungen – etwa in Kriegsfilmen – unsere Vorstellung von Helden und Konflikten formen.
In der Lehre begleitet Prof. Peltzer die Studierenden dabei, alltägliche mediale Phänomene – von der Musikauswahl bei den einschlägigen Streamingdiensten, über Desinformationen und Meme Wars bis hin zur Diskussion mit Chatbots – soziologisch zu hinterfragen, um die wechselseitigen Beziehungen zwischen Medien, Subjekt und Gesellschaft offenzulegen und zu verstehen. Dabei setzt sie auf eine enge Verknüpfung von Theorie und empirischer Praxis.
Ihr Magisterstudium absolvierte Peltzer an der Goethe-Universität Frankfurt am Main (Germanistik, Philosophie und Psychoanalyse) sowie an der Universität Augsburg (Medienpädagogik, Kommunikationswissenschaft und Germanistik). Sie war als freie Journalistin beim BR tätig sowie als Lehrbeauftragte für die Fächer Europäische Kulturgeschichte und Kommunikationswissenschaft an der Universität Augsburg. Im Jahr 2010 promovierte sie an der Universität Mannheim, wo sie zwei Jahre später zur Akademischen Rätin auf Zeit ernannt wurde. Ihr weiterer Werdegang führte sie an die Universität Trier, wo sie die Professur für Mediensoziologie vertrat, sowie als Forschungsstipendiatin im DFG-Sonderforschungsbereich „Helden – Heroisierungen – Heroismen“ an die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Seit 2023 ist sie Sprecherin der Sektion Medien- und Kommunikationssoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS). Im Jahr 2024 habilitierte Peltzer sich an der philosophischen Fakultät der Universität Mannheim mit einer Arbeit zur relationalen Filmsoziologie.
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Prof. Dr. Anja Peltzer
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