Beim NATO-Gipfel 2026 in der Türkei ist Lastenteilung das bestimmende Thema. Am 7. und 8. Juli beraten die NATO-Partner, wie es im Bündnis weitergeht und wie eine glaubwürdige Abschreckung gegenüber Russland weiterhin gelingen kann. Für Deutschland sind Bundeskanzler Friedrich Merz, Verteidigungsminister Boris Pistorius und Außenminister Johann Wadephul dabei.
Auf der Agenda in Ankara stehen: die laufende Lastenneuverteilung (Burden Shifting), die Stärkung der Rüstungsindustrie sowie die weitere Unterstützung der Ukraine. Denn die wichtigste Aufgabe, darin sind sich die Alliierten einig, ist und bleibt die glaubwürdige Abschreckung gegenüber Russland. Dafür setzen die Mitgliedstaaten auf den Aufwuchs militärischer Fähigkeiten, vor allem der europäischen Partner, und das Demonstrieren von Geschlossenheit.
"Die vor uns liegende Aufgabe ist klar: die Zusagen der Verbündeten in konkrete Ergebnisse umzusetzen. Verstärkte Investitionen, industrielle Produktion und anhaltende Unterstützung für die Ukraine – all dies trägt zu einer stärkeren NATO und mehr Sicherheit für uns alle bei."
NATO-Generalsekretär Mark Rutte
Die internationale Sicherheitslage hat sich dramatisch verschärft – sowohl in Europa als auch in anderen Teilen der Welt. Die USA richten ihren Fokus stärker auf den Indopazifik und Europa muss mehr für die eigene Sicherheit tun. Der Gipfel in Ankara steht wie kein anderer für eine Neuausrichtung der Lastenteilung, also den Übergang vom Burden Sharing zum Burden Shifting: Für mehr europäische Handlungsfähigkeit, für eine europäischere NATO müssen die europäischen Mitgliedstaaten ihre Verteidigungsausgaben weiter steigern. Bei ihrem Gipfel in Den Haag im vergangenen Jahr haben sich die Alliierten auf das Fünf-Prozent-Ziel geeinigt, also darauf, bis 2035 fünf Prozent ihres BIP für Verteidigung auszugeben. Nun geht es an die Umsetzung.
Deutschland beabsichtigt, das Ziel bereits 2029, sechs Jahre vor der Frist, zu erreichen. Einige Verbündete werden es sogar schon 2026 schaffen. Doch Geld allein ergibt noch keine militärischen Fähigkeiten. Der Gipfel in Ankara soll außerdem sicherstellen, dass die Verbündeten nicht nur mehr investieren, sondern auch in die richtigen Fähigkeiten.
Waffen, Fahrzeuge, Innovation: Für eine wirksame Abschreckung und Verteidigung braucht es leistungsfähige Streitkräfte mit der entsprechenden Ausrüstung. Deswegen wird von dem Gipfel in Ankara auch ein klares industriepolitisches Zeichen erwartet: Die europäische Verteidigungsindustrie muss zeitgerecht produzieren und liefern können – dafür braucht sie die Unterstützung der Politik. Durch Budgets, durch konkrete Verträge, durch schlanke Prozesse, durch weniger Bürokratie und erleichterte Produktionsbedingungen.
Um die Produktion zu steigern, Lieferketten zu stärken und die für das Bündnis erforderlichen Fähigkeiten zügig und in großem Umfang bereitzustellen, will die NATO eng mit der Industrie zusammenarbeiten. Das Forum der Rüstungsindustrie wird in Ankara aufzeigen, wie die Industrie ihren Beitrag zu Einsatzbereitschaft und Verteidigungsfähigkeit der Allianz leistet.
Während Russlands Krieg gegen die Ukraine andauert, werden die NATO-Mitgliedstaaten in Ankara ihr Verhältnis zur Ukraine einmal mehr deutlich machen. Das von Russland angegriffene Land darf auch weiterhin mit militärischer Hilfe durch die NATO rechnen, um sich selbst verteidigen zu können. Zudem wird es auch um die nachhaltige Sicherheit der Ukraine nach einem Ende des Kriegs gehen, und wie diese Sicherheit stabilisiert werden kann – beispielsweise durch eine engere Anbindung an die Europäische Union.
Die Ukraine ist schon seit längerem nicht mehr nur Empfängerin westlicher Hilfe – durch ihre erzwungene rasante militärische Entwicklung, insbesondere im Bereich Drohnen, und ihre Erfahrungen auf dem Gefechtsfeld der Zukunft hat das Land der Allianz einiges zu bieten. Die NATO braucht dieses Wissen und diese Erfahrungen, um Russland erfolgreich abzuschrecken – oder im Ernstfall einen Angriff abwehren zu können. Denn die Abschreckung und Verteidigung gegenüber Russland bleibt oberste Priorität der Allianz.
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