Zahlen belegen: Die Impfung gegen HPV beugt sehr wirksam Gebärmutterhalskrebs vor. Auch Jungen profitieren. Dennoch bleiben die Impfzahlen gering.
Sie gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Erregern und fast alle Menschen stecken sich im Laufe des Lebens mit ihnen an, oft bereits beim ersten Sexualkontakt – humane Papillomviren, kurz HPV. Sie können Krebs auslösen, meist am Gebärmutterhals, daneben können auch After, Penis, Mund oder Rachen befallen werden.
Die gute Nachricht: Die seit 2006 verfügbare Impfung gegen HPV bietet einen sehr hohen Schutz dagegen. Laut Studiendaten nützt sie nicht nur Mädchen, sondern auch Jungen. Frisch bestätigt ist das durch eine Untersuchung von Forschenden aus Japan und den USA im Fachjournal Jama Oncology. Einbezogen waren 615 155 Jungen, die mit dem üblichen Impfstoff gegen neun Untertypen von HPV geimpft worden waren, sowie rund 2,3 Millionen ungeimpfte Jungen. Es zeigte sich: Die Teilnehmer der geimpften Gruppe erkrankten in den Folgejahren nur etwa halb so oft an HPV-bedingten Krebserkrankungen wie die Ungeimpften.
Das Robert Koch-Institut (RKI) spricht sich für eine frühe Impfung aus. Aktuelle Studie zeigen, dass die Effektivität der Impfung bei Unter-15-Jährigen deutlich höher ist als bei älteren Jugendlichen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt daher die Immunisierung für Mädchen und Jungen ab neun Jahren, idealerweise vor dem ersten sexuellen Kontakt. Bis zum 14. Lebensjahr brauchen Kinder nur zwei Impfdosen, danach drei, um ausreichend geschützt zu sein.
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten bis zum 18. Geburtstag. Wer sich erst später impfen lässt, muss nachfragen. Auch dann zahlen viele Versicherer.
Tipp: Wer die Impfung braucht und älter als 18 Jahre ist, kann sich in unserem Krankenkassenvergleich ansehen, ob und wie viel die eigene Kasse dafür zahlt.
Eine große Untersuchung der Cochrane Collaboration belegt, dass die Impfung vor dem 16. Lebensjahr besonders wirksam ist. Dennoch sind die Impfquoten in Deutschland nur gering: Derzeit sind nur etwa die Hälfte der 15-jährigen Mädchen und nur etwa ein Drittel der gleichaltrigen Jungs vollständig geimpft.
Trotz der Impfung bleiben einige Risiken bestehen. So decken die verfügbaren Impfstoffe nicht alle HPV-Typen ab, die möglicherweise Gebärmutterhalskrebs verursachen können. Deshalb raten Fachleute auch geimpften Frauen weiterhin zur Früherkennung.
Diese Faktoren sind entscheidend, um die Erkrankungszahlen beim Gebärmutterhalskrebs weiter zu senken:
Früherkennung kommt bei älteren Frauen deutlich zu kurz. Jede vierte an Gebärmutterhalskrebs Erkrankte ist älter als 65 Jahre. Hinzu kommt, dass bei diesen Frauen, der Krebs häufiger erst in fortgeschrittenen Tumorstadien entdeckt wird und somit schlechtere Heilungschancen bestehen.
Eine Ursache hierfür ist die nur geringe Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen. Von hundert Frauen über 65 Jahren nehmen weniger als fünf am Früherkennungsprogramm teil.
Seit 2020 gibt es in Deutschland ein strukturiertes Vorsorgeprogramm. Frauen zwischen 20 und 34 Jahren wird ein jährlicher Abstrich angeboten, ab 35 Jahren alle drei Jahre eine Kombination aus Abstrich und HPV-Test. Zusätzlich ist jährlich eine gynäkologische Untersuchung möglich. Regelmäßige Vorsorge ist entscheidend, denn früh erkannte Krebs-Vorstufen sind nahezu vollständig heilbar.
Tipp: Früherkennung lohnt auch an anderer Stelle. Die Stiftung Warentest informiert ausführlich zu Vorsorgeuntersuchungen, mit denen sich Darmkrebs, Brustkrebs oder Osteoporose frühzeitig erkennen lassen.