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    <titulek>Im Gespräch mit der KI: psychische Belastung am Arbeitsplatz erkennen</titulek>
    <datum>12.10.2026</datum>
    <subjekt>FernUniversität in Hagen</subjekt>
    <autor>
        <jmeno>Benedikt Reuse</jmeno>
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        <nadrazeny>Deutschland</nadrazeny>
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        <polozka>Technologie</polozka>
        <polozka>Gesundheitswesen</polozka>
        <polozka>Universitäten</polozka>
        <polozka>Wissenschaft und Forschung</polozka>
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    <perex>Um psychische Belastungen am Arbeitsplatz besser zu erfassen, entwickelt ein interdisziplinäres Team der FernUniversität im Projekt DIAS eine Methode, die auf KI-Dialoge setzt.</perex>
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Keine komplizierten Fragebögen am PC, sondern ein niederschwelliger Dialog mit der KI, der auch via Tablet oder Smartphone funktioniert – das ist die Vision der Forschungsgruppe DIAS, um psychische Belastungen am Arbeitsplatz künftig einfacher und passgenauer zu erfassen. Die Abkürzung DIAS steht für „Dialogue-based Assessment“ – oder zu Deutsch: „KI-basierter, adaptiver Dialog zur Erfassung psychischer Belastungen“. Für das im Rahmen des Forschungsschwerpunkts ABD: Digital Health entstandene Projekt arbeiten zwei Lehrgebiete der FernUniversität in Hagen zusammen: Arbeits- und Organisationspsychologie von Prof. Dr. Jan Dettmers und Data Science von Prof. Dr. Christian Beecks. Im Leitungsteam sind außerdem die Psychologinnen Dr. Christiane Stempel, Laura Timmer-Supthut und Informatiker Edwin Ricardo Gamboa.


DIAS ist auf zwei Jahre Laufzeit ausgelegt – und offiziell im April 2026 gestartet. Das Team hat Drittmittel von etwa 350.000 Euro aus dem Forschungs­förder­programm FoGA (Forschung zur Gesundheit in der Arbeitswelt) eingeworben, das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) betrieben wird.


Einfacher, zugänglicher, praxisnäher

„Im Rahmen der psychologischen Gefährdungsbeurteilung haben wir unterschiedliche Instrumente zur Auswahl“, ordnet Prof. Dettmers ein. Dazu zählen zum Beispiel Beobachtungsinterviews oder Workshops, aber auch standardisierte Fragebögen, die vor allem in größeren Unternehmen mit vielen Mitarbeitenden zum Einsatz kommen. „Solche Screenings zeigen, an welchen Stellen bei den Beschäftigten der Schuh drückt.“ Anschließend können die identifizierten, kritischen Belastungen vertieft untersucht und die Probleme in Arbeitsbedingungen gezielt angegangen werden.

Erhebungen mit Fragebögen sind etabliert und methodisch vielfach validiert. Trotzdem weist das Verfahren in den Augen des Forschungsteams gewisse Schwachstellen auf: „Wir haben immer wieder die Erfahrung gemacht, dass es Zielgruppen gibt, die wir mit den Fragebögen nicht gut erreichen“, so der Arbeitspsychologe. Als Alternative entwickelt das Team mit DIAS deshalb eine zugängliche KI-basierte Anwendung, die die psychische Belastung von Beschäftigten in möglichst natürlich wirkenden Gesprächen erfasst – adaptiv an die jeweilige Zielperson angepasst, praxisnah und inhaltlich konkret statt abstrakt.

„Die Idee ist, ein gleichwertiges Tool zu entwickeln, das in den Bereichen und Branchen funktioniert, in denen Fragebögen nicht gut angenommen werden“, sagt Dr. Christiane Stempel. Dettmers nennt ein Beispiel: „Im Logistikbereich arbeiten viele Menschen nicht am Schreibtisch, sondern im Lager oder im Transport und sprechen viele verschiedene Muttersprachen.“ Für sie wäre ein dialogbasiertes Instrument wie DIAS viel zugänglicher. Von den so erhobenen Daten erhoffen sich die Forschenden eine hohe Qualität. „Natürlich prüfen wir, wie gut die Auswertungen dann im Vergleich zu etablierten Instrumenten abschneiden.“


Dialog mit digitalem Experten


Im Logistikbereich arbeiten viele Menschen nicht am Schreibtisch, sondern im Lager oder Transport und sprechen viele verschiedene Muttersprachen.

Prof. Dr. Jan Dettmers


„Im Rahmen des Forschungsprojekts loten wir erst einmal das Potenzial unserer Idee aus“, ergänzt Prof. Beecks. Entsprechend arbeitet das Team derzeit an einem nutzbaren Prototyp von DIAS, der in Kooperation mit bestimmten Unternehmen getestet werden kann. „Wir wollen die generative KI so instruieren, dass sie ein natürliches, dialogorientiertes Gespräch führt und die Antworten anschließend strukturiert auswertet“, so der Informatiker. „Das in der Architektur zu modellieren, ist eine spannende Herausforderung für die Data Science. Wie entwickeln wir ein System, das genau auf unsere Zwecke zugeschnitten ist und das volle Potenzial des Sprachmodells nutzt?“


Rechtliche und ethische Faktoren

Die Praxistauglichkeit hängt zudem davon ab, inwiefern sich DIAS konform zur geltenden Rechtslage verhält – etwa mit Blick auf die KI-Verordnung oder die Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union. Hierbei gelte es im Vorfeld sorgfältig abzuwägen, erklärt Laura Timmer-Supthut: „Das fängt schon mit der Entscheidung an, welches KI-Sprachmodell wir benutzen.“ Kommen offene oder geschlossene Systeme zum Einsatz? Welche Server eignen sich, um personenbezogene Daten zu speichern? „Natürlich dürfen die Ergebnisse, die wir analysieren, nicht öffentlich zugänglich sein“, betont Beecks.


Wichtige Weichenstellungen

Auch die Methodik selbst muss genau durchdacht sein, erinnert Timmer-Supthut – etwa in Hinblick auf die Anonymisierung: „Die Daten müssen so erhoben werden, dass in den Unternehmen nachher keine Rückschlüsse auf Einzelpersonen möglich sind.“ Den Wissenschaftler:innen ist bewusst, dass sie in einem sensiblen Feld arbeiten – entsprechend hoch sind ihre Ansprüche an die Transparenz. „An welchen Knotenpunkten fällt die KI welche Entscheidungen?“, beschreibt Timmer-Supthut einen exemplarischen Aspekt. „Und wie sorgen wir dafür, dass diese Entscheidungen zu jeder Zeit evidenzbasiert und valide sind?“


Strukturelle Verbesserung

Sobald alle Weichen gestellt sind, bleibt Raum für die Frage: „Wie weit können wir mit DIAS gehen?“, erklärt Beecks. So wägt das Team unter anderem ab, wie sich das Tool im Gespräch mit den Beschäftigten verhalten soll: Wie interaktiv geht der Dialog etwa auf Rückfragen ein? Nicht alles, was technisch umsetzbar wäre, erscheint zum Beispiel arbeitsrechtlich sinnvoll. Trotz des Gestaltungsspielraums bleibt das allgemeine Ziel stets klar, wie Christiane Stempel unterstreicht: „Es geht uns um strukturelle Verbesserungen von Arbeitsbedingungen.“ Hierzu leistet das FernUni-Projekt einen wichtigen Forschungsbeitrag.



https://www.fernuni-hagen.de/universitaet/aktuelles/2026/10/am-dias.shtml

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