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        Tag der Deutschen Einheit im Stuttgarter Rathaus mit Ministerpräsident a. D. Dr. Reiner Haseloff
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        3.10.2026
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    <autor>
          | Landeshauptstadt Stuttgart
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        Zum Tag der Deutschen Einheit sprach Reiner Haseloff im Stuttgarter Rathaus über Freiheit, die Erfahrungen Ostdeutscher nach 1989 und die noch unvollendete innere Einheit. Er plädierte für mehr Empathie, Zusammenhalt und eine Stärkung der demokratischen Mitte.
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„Wer die Unfreiheit selbst erlebt hat, wird die Freiheit für immer zu schätzen wissen“, betonte Ministerpräsident d. D. Dr. Reiner Haseloff am Tag der deutschen Einheit im Stuttgarter Rathaus. „Die DDR war keine Kuscheldiktatur. Es gibt keinen Grund, sie nostalgisch zu verklären. Der Fall der Mauer und die knapp ein Jahr später vollzogene deutsche Einheit werden daher für die allermeisten Deutschen stets ein Tag der großen Freude bleiben und zu den glücklichsten Momenten in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts zählen.“

 

Im nunmehr sechsten Jahr, in dem der Tag der deutschen Einheit im Stuttgarter Rathaus mit einer Feierstunde begangen wird, war Reiner Haseloff nun der erste Festredner aus der ehemaligen DDR – einer, der die besagte Unfreiheit dort tatsächlich selbst erlebte. Im vollbesetzten Großen Sitzungssaal erwiesen ihm rund 400 Gäste ihre Referenz, darunter zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Diplomatie, Justiz, Kirche und Gesellschaft.

 

Der Stuttgarter Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper betonte in seiner Begrüßung, es gebe nur wenige Persönlichkeiten, die die Ursachen der etwas erkalteten Liebe zwischen Deutschland-West und Deutschland-Ost so gut erklären könnten wie Haseloff und die vor allem auch Wege aufzeigen könnten, „wie wir wieder aus der Polarisierung, Radikalisierung und Fanatisierung in ganz Deutschland herausfinden können.“

 

Geboren 1954 im Kreis Wittenberg, wurde Haseloff 1976 Mitglied der CDU in der DDR. Ein Jahr nach der Wiedervereinigung – 1990 – wurde er in den Landesvorstand der CDU Sachsen-Anhalt gewählt. Von 2006 bis 2011 bekleidete der studierte Physiker das Amt des Ministers für Wirtschaft und Arbeit, von 2011 bis zu seinem Rücktritt im Januar dieses Jahres war er Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Seit 2008 ist er Mitglied im CDU-Bundesvorstand. Von 2016 bis 2021 gehörte er dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken an.

 

Haseloff erinnerte in seiner Rede an die Vorboten der friedlichen Revolution in den östlichen Nachbarstaaten, vor allem an die polnische Freiheitsbewegung Solidarność. Er erinnerte an die ungarischen Reformen und an die Reformpolitik von Michail Gorbatschow. „Erinnern möchte ich als Wittenberger auch an den Kirchentag in meiner Heimatstadt 1983. Im Lutherhof wurde damals das wichtigste Symbol der DDR-Friedensbewegung geschmiedet. Die vom Wittenberger Pfarrer Friedrich Schorlemmer initiierte Aktion ‚Schwerter zu Pflugscharen‘ ist weltweit beachtet worden und hat die Ereignisse des Herbstes 1989 antizipiert.“

 

Nach 1989 habe es natürlich einen enormen Gewinn an Freiheit gegeben. „Aber Freiheit birgt nicht nur Chancen, sondern auch Risiken und Unsicherheiten. Sie offenbart die unvermeidlichen menschlichen Untiefen und Härten einer Wettbewerbsgesellschaft. Und sie kann den einzelnen auch überfordern. Das haben wir oft verdrängt“, so der langjährige Ministerpräsident. Während sich für die meisten Bürgerinnen und Bürger der alten Bundesrepublik nach 1989 kaum etwas geändert habe, sei es in den Biografien vieler Ostdeutscher zu nachhaltigen Veränderungen und Brüchen gekommen. Der Verlust des Arbeitsplatzes, Enttäuschungen über die Soziale Marktwirtschaft und die politischen Institutionen der alten Bundesrepublik: Dies wirke zum Teil bis heute nach. Die ehrliche Bilanz von Reiner Haseloff: „Darüber haben wir viel zu wenig gesprochen. Taten wir es, dann fehlte es oft an Empathie. Viele Menschen empfanden das als Entwertung ihrer Biografien und mangelnden Respekt gegenüber ihren Lebensleistungen.“

 

Haseloffs Frage nach 36 Jahren deutscher Wiedervereinigung: „Sind wir noch auf dem Weg zur inneren Einheit?“ Mental und strukturell sei die Einheit noch nicht vollendet. Auch die Herausforderungen der Gegenwart seien enorm, das habe sich zuletzt im Wahlverhalten gezeigt: bei der Europawahl, der Bundestagswahl und den letzten drei Landtagswahlen. „Deshalb brauchen wir Projekte und Ideen, die die Menschen zusammenführen und die Nation einen. Und wir müssen die Konsequenzen und die Lehren aus beiden deutschen Diktaturen ziehen, ohne sie gleichzusetzen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gehören immer zusammen. Seine ausführlichen Gedanken dazu hat Haseloff in seinem im Herder Verlag erschienenen Buch „Nicht mit unserem Land“ niedergelegt. Den 3. Oktober 1990 bezeichnete er abschließend als „Glücksfall der deutschen Geschichte und forderte die Gäste im Stuttgarter Rathaus auf: „Gehen wir diesen Weg gemeinsam weiter und stärken wir die Grundlagen und die Mitte unserer Demokratie. Lassen Sie uns ein gemeinsames Zukunftsbild für Deutschland entwickeln.“

 

OB Nopper hatte eingangs betont: „Wir brauchen ein stärkeres Zusammengehörigkeits- und Gemeinschaftsgefühl in unserem Land. Es war ein historischer Irrtum, dass wir uns – wie Joachim Gauck es formulierte – über Jahre und Jahrzehnte das Heimatgefühl als reaktionär und rückständig haben ausreden lassen. Wir brauchen einen aufgeklärten und völkerverbindenden Patriotismus.“ Entscheidend, so Nopper, sei nicht die Herkunft, sondern die Haltung. „Gerade in Zeiten starker Zuwanderung brauchen wir etwas Verbindendes. Ein aufgeklärter, ein verbindender, nicht ausgrenzender Patriotismus kann eine solche Verbindung sein. Nur derjenige wird Einwanderer und Neuankömmlinge für sich und für eine gemeinsame Sache gewinnen können, der sich selbst und sein Land mag, der sich zu seinen eigenen Wurzeln und Traditionen bekennt.“

 

Da zum Gemeinschafts- und Zusammengehörigkeitsgefühl auch Symbole und Hymnen zählen, wartete das Rathaus-Glockenspiel am Tag der Deutschen Einheit mit einem Dreiklang auf: mit der Europa-Hymne, dem Deutschland-Lied und dem Württemberg-Lied. Im Anschluss an die Feier gab es Spezialitäten aus der Freien Hansestadt Bremen, wo in diesem Jahr die zentrale Feier zum Tag der Deutschen Einheit ausgerichtet wurde.


https://www.stuttgart.de/pressemitteilungen/2026/oktober/tag-der-deutschen-einheit-im-stuttgarter-rathaus-mit-ministerpraesident-a.d.dr.reiner-haseloff-7193080


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