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        Was taugt der neue „Super-Welt-ETF“?
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    <datum>
        2.10.2026
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    <autor>
        Max Schmutzer | Stiftung Warentest
    </autor>
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        Fondsanbieter Vanguard hat einen neuen ETF aufgelegt, dessen Index über 10 000 Aktien beinhaltet. Ist das sinn­voll? Und sollten MSCI World-Anleger jetzt umsteigen?
    </perex>
    <text>
        
Ein neuer ETF, der inner­halb weniger Wochen Zeit zwei Milliarden US-Dollar Anlegergeld einsammelt: Der Vanguard FTSE Global All-Cap ETF ist der Anleger-Hype der Stunde. Er ist mit laufenden Kosten von nur 0,07 Prozent pro Jahr sehr günstig – und er streut das Geld auf den ersten Blick deutlich breiter als bisherige Welt-ETF. Über 10 000 Aktien von großen, mitt­leren und kleinsten Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern stecken im FTSE Global All-Cap Index, den der ETF abbildet. Im populären MSCI World Index sind es „nur“ 1 300 Aktien von mitt­leren und großen Unternehmen in Industrieländern.

Vanguard bietet den ETF in zwei Anteils­klassen an:


Ausschüttend (ISIN IE000CVUM3N6)
Thesaurierend (ISIN IE000VAHT5T0)

 


FTSE Global All-Cap Index mit Micro Caps
Der Index funk­tioniert im Kern wie gewohnt: Er deckt Industrie- und Schwellenländer ab und gewichtet die Aktien nach dem Wert ihres Streu­besitzes. Der entscheidende Unterschied zu klassischen Welt-Indizes liegt in der Tiefe: Der Index geht weit hinein in die Welt der kleinen Unternehmen, also der Small Caps – nach Definition von MSCI wären sogar Micro Caps enthalten.

Wer maximale Streuung sucht, dürfte sich freuen. Aber bringen so viele Aktien wirk­lich einen Mehr­wert?



Viel hilft viel – zumindest in der Theorie
Streuung gilt als der zuver­lässigste Weg, das Rendite-Risiko-Verhältnis zu optimieren. Dass klassische, nach Markt­kapitalisierung gewichtete Indizes ein hohes Gewicht amerikanischer Technologie- und KI-Aktien aufweisen, ist dabei kein Fehler, sondern folgt der Kapitalmarkt­theorie: Wer wirk­lich maximal streuen will, hält am Ende einfach alle investier­baren Aktien der Welt – gewichtet nach ihrem Börsen­wert. Genau das verspricht auch der neue Vanguard-ETF.

Sein Index enthält noch einmal deutlich mehr Titel als der bisherige Rekord­halter, der MSCI ACWI IMI Index mit seinen gut 8 000 Titeln, auf den es bereits ETF von SPDR gibt (thesaurierend IE00B3YLTY66, ausschüttend IE000DD75KQ5). Doch die meisten Anle­gerinnen und Anleger über­schätzen, was diese zusätzlichen Aktien beim Vanguard tatsäch­lich für die Markt­abdeckung bedeuten.



 







Je mehr Titel, desto geringer der zusätzliche Nutzen

Das maximal investier­bare Aktien­universum (100 Prozent Markt­abdeckung) bildet Industrie- und Schwellenländer ab und umfasst große, mitt­lere, kleine und sehr kleine Aktien. Der bekannte MSCI World Index mit seinen aktuell 1 280 Aktien aus Industrieländern deckt gut 78 Prozent des so gemessenen, welt­weiten Börsen­wertes ab. Wenn man Schwellenländer hinzunimmt, wie zum Beispiel beim MSCI ACWI Index, landet man mit seinen 2 458 Aktien bei knapp unter 90 Prozent Markt­abdeckung. Der FTSE All-World fügt noch mal 1 800 kleine Titel hinzu und kommt dennoch nur knapp über 90 Prozent Markt­abdeckung. Es fehlen weiter viele kleine und sehr kleine Aktien, die in den Indizes MSCI ACWI IMI (insgesamt 8 162 Titel) und dem FTSE Global All Cap (10 113 Titel) stecken. Erst damit kommen die Indizes nahezu an 100 Prozent Markt­abdeckung.Weniger als 10 Mega Cap-Aktien reichen für die ersten 20 Prozent Markt­abdeckung, aber man benötigt fast 9 000 Titel für die letzten 20 Prozent Markt­abdeckung, die dem MSCI World Index fehlen.



Vergleich zum FTSE All World
Wer ein möglichst breites Anla­gespektrum in einem ETF abdecken möchte, landete in der Vergangenheit oft beim Vanguard FTSE All-World, der bei vielen Brokern angeboten wurde. Die Unterschiede zum neuen Global All-Cap sind dabei minimal.


Der „All-World“ hat einen US-Anteil von 61,7 Prozent, der „All-Cap“ hingegen minimal höhere 61,9.
Die Top-Position Nvidia macht im „All-World“ 4,8 Prozent aus, im „All-Cap“ 4,4 Prozent.
Die Top-10 Aktien machen im „All-World“ einen Anteil von 24,8 Prozent aus, im „All-Cap“ etwas geringere 22,6.



Nachteile ganz kleiner Aktien
Wären zusätzliche Titel nur eine logistische Heraus­forderung der Beschaffung für den ETF-Anbieter, könnten Anle­gerinnen und Anleger bedenkenlos zum ETF mit den meisten Aktien greifen. Doch kleine Aktien haben hand­feste Nachteile: Sie werden oft nur mit größeren Geld-Brief-Spannen und in kleinen Stück­zahlen gehandelt. Diese versteckten Kosten trägt letzt­lich der Fonds­anleger. In Krisen­zeiten bilden solche illiquiden Titel häufig den „Boden­satz“ im Portfolio – mit Folgen für die Liquidität des gesamten ETF.

Konkret: Die Hälfte aller Aktien im FTSE Global All Cap Index hat einen Streu­besitz­wert von 900 Millionen Euro oder weniger, die kleinste Aktie im Index sogar nur 25 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der Pharma­zulieferer Sartorius aus Göttingen, einer der Top-10-Werte im MDax, kommt allein bei den Vorzugs­aktien auf einen Streu­besitz­wert von 6,3 Milliarden Euro. Zwar ist nicht jede kleine Aktie im FTSE Global All Cap illiquide – aber ein erheblicher Teil dürfte es sein.



Nicht jede Aktie steckt tatsäch­lich im ETF
Es ist aber sowieso unwahr­scheinlich, dass Vanguard irgend­wann alle 10 000 Aktien des Index im ETF haben wird. Auf Nach­frage schreibt uns Vanguard: „Alle Index­bestand­teile zu halten ist nicht immer die effizienteste Methode, um einen breit diver­sifizierten globalen Index nach­zubilden.“

Ende August waren „nur“ 6 429 Aktien im ETF. Ob es in Zukunft deutlich mehr werden, hängt laut Vanguard von verschiedenen Faktoren ab, „beispiels­weise von der Fonds­größe, der Liquidität der zugrunde liegenden Wert­papiere oder anderen Markt­gegebenheiten“.

Eine Studie von Travis Dyer und Nicholas Guest („A Tale of Two Index Funds: Full Replication vs. Representative Sampling“, 2022) hat für in den USA zugelassene Indexfonds untersucht, ob eine voll­ständige Nach­bildung des Index unter Rendite-Risiko-Aspekten sinn­voll ist. Ergebnis: Bei Indizes mit wenigen hundert bis rund 1 000 Titeln – etwa dem S&P 500 – lohnt sich die voll­ständige Abbildung. Bei sehr breiten Indizes mit über 3 000 Titeln und mit vielen kleinen Aktien wie dem FTSE Global All Cap ist dagegen eine näherungs­weise Abbildung (Sampling) vorteilhafter, weil die Kosten einer Voll­replikation die zusätzlichen Streuungs­vorteile über­steigen würden.

Die folgende Über­sicht zeigt, welche Indizes der klassischen 1. Wahl-Welt-ETF wie viele Aktien umfassen und ob sie auch kleine Aktien mitabbilden. Je mehr kleine Aktien, desto eher sollte und wird der ETF nur einen Teil der Index­aktien halten.


ETF-Anbieter nutzen bei sehr breiten Indizes selten Voll­replikation
Dass ETF-Anbieter diese Erkennt­nisse längst kennen, zeigen bestehende Fonds auf sehr breite Indizes:


Der Invesco-ETF auf den FTSE All-World (IE000716YHJ7) hält aktuell rund 2 300 der knapp 4 300 Index­titel.
Der Xtrackers-ETF auf denselben Index (IE000L6ZMMC4) kommt auf gut 2 100 Titel.
Der SPDR-ETF auf den MSCI ACWI IMI (IE00B3YLTY66) investiert aktuell in rund 6 000 der 8 162 Index­aktien.

Selbst milliarden­schwere, seit Jahren etablierte ETF bilden ihre Indizes also längst nicht voll­ständig ab. Anle­gerinnen und Anleger sollten daher auch beim neuen Vanguard-ETF nicht erwarten, dass er wirk­lich alle 10 000 Index­titel hält. Die Streuung wird trotzdem sehr breit sein – aber ein ETF, der jede Aktie der Welt hält, ist weder realistisch noch sinn­voll.



Wichtiger als die Aktienzahl: die Schwellenländer-Frage
Bevor man sich über die Anzahl kleiner Aktien den Kopf zerb­richt, lohnt sich eine grund­sätzlichere Über­legung: Möchte ich über­haupt Schwellenländer beimischen? Das oft gehörte Argument, man profitiere so von dyna­mischer wachsenden Volks­wirt­schaften, greift zu kurz – natürlich bieten auch Aktien aus Schwellenländern Chancen, aber ein verläss­licher Zusammen­hang zwischen Wirt­schafts­wachs­tum und Kurs­entwick­lung lässt sich nicht nach­weisen. Es bleibt der Wunsch nach besserer Streuung. Dem stehen aber reale Risiken gegen­über: höhere politische Risiken, mögliche Beschränkungen für ausländische Aktien­besitzer und beim Kapital­verkehr sowie geringere Trans­parenz bei Unter­nehmens­bilanzen.

Immerhin: In den gängigen Stan­dardindizes machen Schwellenländer nur knapp 12 Prozent Gewicht aus – das Risiko bleibt also über­schaubar. Trotzdem sollten Anle­gerinnen und Anleger diese Risiken kennen, bevor sie reflexhaft zum „breitesten“ ETF greifen.

Weder Anleger, die auf den MSCI World ohne Schwellenländer setzen, noch die Anleger mit ETF, die Schwellenländer beinhalten, machen etwas falsch.



Lohnt sich ein Umstieg in den neuen ETF?
Wer bereits in ältere Welt-ETF investiert ist und mit dem Gedanken spielt, wegen etwas breiterer Streuung oder minimal nied­rigerer Kosten umzu­schichten, sollte die steuerlichen Folgen bedenken: Beim Verkauf bestehender Positionen geht sofort rund ein Viertel des bis dahin erzielten Gewinns als Steuer verloren. Dieser Betrag fehlt danach dem Zinseszins­effekt – ein Nacht­eil, der bei langem Anla­gehorizont häufig schwerer wiegt als der mögliche Vorteil einer minimal breiteren Streuung oder etwas geringerer Kosten.

Wem die Aufteilung des neuen ETF zusagt, kann aber natürlich zukünftige Sparraten in den Global All-Cap ETF lenken und seinen alten ETF einfach liegen lassen.



Fazit: Güns­tiger und guter ETF – aber kein Grund zum Umschichten
Der neue Vanguard ETF bekommt von uns als markt­breiter Welt-Aktien-ETF unser Siegel 1. Wahl. Der ETF ist sehr günstig und eine neue Alternative für Anleger, die Schwellenländer und kleine Aktien in ihrem Portfolio wünschen. Auch der neue Vanguard-ETF wird realistischer­weise nie alle 10 000 Index­aktien halten. Das ist kein Makel, denn er wird dennoch sehr breit streuen. Da die kleinsten Aktien die Markt­abdeckung ohnehin nur noch im Nach­kommabereich erhöhen und breit streuende ETF grund­sätzlich nur eine Auswahl der Index­titel halten, dürfte der tatsäch­liche Unterschied zu bereits etablierten, breit streuenden Welt-ETF am Ende kaum mess­bar sein.

Statt sich intensiv mit der „richtigen“ Anzahl kleiner Aktien im Depot zu beschäftigen, sollten Anle­gerinnen und Anleger ihre Energie auf wichtigere Stell­schrauben verwenden: nied­rige Kosten (nicht die paar Nach­kommastellen Unterschied zwischen Stan­dard-ETF, sondern insgesamt) und die Vermeidung typischer Anlage­fehler. Damit hat man sich bereits den weit größeren Teil des Anla­geerfolgs gesichert.

Tipp: Erfahren Sie, welche häufigen Anlagefehler die Rendite mindern und wie Sie sie umgehen.



https://www.test.de/Vanguard-FTSE-Global-All-Cap-Ucits-ETF-Was-taugt-der-neue-Super-Welt-ETF-6340878-0?wt_mc=owned.site.rssfeeds.dl...












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