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        Von Corona ausgebremst – wo Sie Hilfe finden
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    <datum>
        25.8.2026
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    <autor>
        Barbara Bück­mann | Stiftung Warentest
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        Noch lange nach einer Covid-19-Infektion können schwere Symptome auftreten. Wir zeigen, wo Betroffene Hilfe finden und wer zahlt, wenn sie nicht mehr arbeiten können.
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Mehr als 1,4 Millionen Menschen in Deutsch­land leiden an den Spät­folgen der Covid-19-Infektion und leben mit verschiedenen Beschwerden, Glieder­schmerzen, Atemnot, Konzentrations­störungen bis hin zu Herz­problemen. Als schwerste Ausprägung von Long und Post Covid gilt ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chro­nisches Fatigue-Syndrom). Die Zahl der daran Erkrankten ist drastisch gestiegen. Betroffene können nur einge­schränkt oder gar nicht arbeiten.

Ein Problem: Nach wie vor gibt es weder sichere Diagnosen noch zielgenaue Therapien oder konkrete Ursachen für die mit Long Covid verbundenen Symptome. Labortests oder Biomarker für einen eindeutigen Nach­weis fehlen. Bei einigen Erkrankten verschwinden die Beschwerden wieder. Von Long Covid sprechen Fachleute, wenn Symptome länger als vier Wochen nach der Infektion anhalten, von Post Covid, wenn sie mehr als drei Monate andauern oder dann erst auftreten. Wir verwenden dafür den gängigeren Begriff Long Covid.




Test. Machen Sie nach einem positiven Selbsttest einen kosten­pflichtigen PCR-Test zum Beispiel beim Haus­arzt. Post-Covid-Ambulanzen oder Sozial­versicherungs­träger können Nach­weise darüber verlangen, wann sie an Covid-19 erkrankt waren.

Information. Als Patientin oder Patient sind Sie teils auf sich allein gestellt. Selbst­hilfe­gruppen können Sie unterstützen. Informieren Sie sich über Symptome, schauen Sie selbst nach wirk­samen Therapien und akzeptieren Sie Einschränkungen vorerst. Verfahren wie Pacing und neuro­psychologische Therapie greifen bei Fatigue und kognitiven Störungen, Psychotherapie bei Ängsten und Depressionen.

Arbeits­platz. Sprechen Sie am Arbeits­platz offen über Ihre Einschränkungen. Vielleicht können Sie Ihre Stunden reduzieren oder den Aufgaben­bereich wechseln.


Liste der Symptome ist lang
Die meisten Mediziner gehen mitt­lerweile davon aus, dass Long Covid eine organische Erkrankung ist, auch wenn sie psychische Symptome hervorrufen kann. Als Ursachen werden eine Auto­immunre­aktion, Blut­gerinnsel oder eine chro­nische Entzündungs­reaktion durch verbliebene Virus­partikel vermutet. Patienten zeigen in Gehirn, Muskeln, Gefäßen oder Lunge krankhafte Veränderungen. Einen Marker, mit dem sich die Erkrankung eindeutig diagnostizieren lässt, gibt es nicht. Ebenso wenig wie ein einzelnes Medikament dagegen.

Die Liste der möglichen Symptome ist lang: Atemnot, Herz­rasen, Geruchs-, Geschmacks- und Verdauungs­störungen, Muskel­schmerzen, Haar­ausfall, Gedächt­nisverlust, Konzentrations­schwäche, Schwindel, Kopf­schmerzen, Schlaf­probleme, Depressionen. Das schwerste Symptom ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chro­nisches Fatigue-Syndrom) zeigt sich in ausgeprägter Erschöpfung, die sich nach Anstrengung verschlimmern kann.



Vier weitere Medikamente auf Kassen­kosten
Immerhin können weitere vier Arzneimittel, die für andere Erkrankungen zugelassen sind, wohl noch ab Sommer 2026 auf Kassen­kosten gegen Long-Covid-Symptome verschrieben werden, im so genannten Off-Label-Use. Das meldet der Gemein­same Bundes­ausschuss (G-BA).


Das Diabetes-2-Medikament Metformin wirkt bei Überge­wichtigen/Adipösen nach einer Covid-19-Infektion prophylaktisch gegen Long Covid.
Das Herz­medikament Ivabradin kann gegen das ortho­statische Tachykardie-Syndrom (Pots) helfen, bei Patienten, die Betablocker nicht vertragen. Pots zeigt sich durch Schwindel und Puls­rasen.
Das Antide­pressivum Agomelatin kann gegen die chro­nische Fatigue (ME/CFS) einge­setzt werden.
Mit dem Antide­pressivum Vortioxetin können kognitive Beein­trächtigungen (verringerte Aufmerk­samkeit/Gedächt­nisleistung) und/oder depressive Symptome behandelt werden.

Es gibt bereits eine Liste mit Medikamenten, die für einzelne Erkrankungen zugelassen sind, die zu den Long-Covid-Symptomen zählen. Die Präparate aus diesem Therapie-Kompass, den das Bundes­gesund­heits­ministerium veröffent­lichte, können regulär (In-Label-Use) verschrieben werden. Und zwar gegen Angst-, Spannungs- und Erregungs­zustände, Asthma/COPD /bronchiale Hyper­reagibilität, schwer verlaufende Auto­imm­unerkrankungen, Depression, Herz­insuffizienz, Hyper­cholesterinämie, Hyper­tonie (arteriell), Hypotonie (ortho­statisch), über­schießende Immunre­aktion, Schlafstörungen, Schmerzen, Tachykardie (supraventrikulär).



Wirk­stoffe, die noch untersucht werden
Außerdem werden weitere Wirk­stoffe untersucht: Die Charité testet den Antikörper Inebili­zumab, der die Produktion von Auto­antikörpern hemmt. Das könnte auch gegen Long Covid helfen. Außerdem wird dort das Herz­insuffizienz-Medikament Vericiguat erprobt, das brain fog und körperliche Belast­barkeit verbessern soll. Auf einen ähnlichen Krank­heits­mecha­nismus wie Inebili­zumab zielt das Medikament Rovunaptabin (BC 007), das gegen Fatigue wirken könnte. Vermutlich aber nur bei Patienten mit nachgewiesenen Auto­antikörpern.



Eine Diagnose bringt Erleichterung
Wer nach einer Covid-19-Erkrankung an anhaltenden Beschwerden leidet, die vor dem Infekt nicht bestanden, sucht am besten eine Allgemeinmedizinerin oder einen Allgemeinmediziner auf. Allerdings sind nicht alle mit dem komplexen Krank­heits­bild vertraut. Einige Patienten erzählen, ihre Probleme würden nicht ernst genommen oder als psychosomatisch abge­tan. Die Long-Covid-Richtlinie des Gemein­samen Bundes­ausschusses (G-BA) soll den Ablauf der Behand­lung für die Patienten besser strukturieren.

Wichtig ist zunächst die Anamnese. Haus­arzt oder Haus­ärztin müssen den Verdacht abklären, die Symptome erfassen und den Gesund­heits­zustand bewerten. Neu einge­führte Abrechnungs­ziffern sollen ihnen den Zeit­aufwand entgelten. Für schwere Fälle gibt es einen Zuschlag. Sind weitere Tests nötig, können Haus­ärztinnen und Haus­ärzte an Spezialisten wie Pneumologen, Kardiologen oder Neurologen über­weisen. Auch die nötigen Termine sollten sie vermitteln. Die Haus­ärzte erstellen dann einen Behand­lungs­plan.



Buch­tipp für Betroffene
Bei psychosozialem Stress, ängst­lichen oder depressiven Symptomen ist für Long-Covid-Patienten Psychotherapie ange­zeigt. Das meint Dr. Christine Allwang. Die Medizinerin und andere Experten raten Betroffenen, wie sie neue Kraft schöpfen, mit Leistungs­einbußen im Job umgehen und trotz Arbeits­unfähigkeit ihre Existenz sichern: „Post und Long Covid“, 2023, Stiftung Warentest ­Berlin, 20 Euro.


Linderung der Symptome
Experten sagen: Die richtige Diagnose ist entscheidend für die Betroffenen, denn sie fühlen sich erleichtert, wenn sie eine Erklärung für ihr Leiden haben. Eine Heilung ist zwar nicht möglich, die Linderung der Symptome dagegen schon. Haus­ärzte können Physio­therapie bei Beschwerden wie Atemnot, Kurz­atmig­keit oder Muskel­schmerzen verschreiben oder Ergo­therapie bei kognitiven Problemen. Die Long-Covid-Expertin Claudia Ellert empfiehlt Entspannungs­techniken wie Acht­samkeit oder Auto­genes Training auszupro­bieren. Wichtig ist auch ein gutes Stress­management, meint Ratgeber-Auto­rin. Dr. Christine Allwang. Bei Fatigue-Patienten heißt das Pacing. Sie müssen lernen, mit ihren durch die Krankheit einge­schränkten Belastungs­grenzen umzu­gehen.



Post-Covid-Ambulanzen
Tiefer­gehende Unter­suchungen sind in Post-Covid-Ambulanzen möglich, die es an Unikliniken und Krankenhäusern gibt. Adressen listet das Bundes­gesund­heits­ministerium auf. Diese waren in der Vergangenheit aber oft über­laufen.

Voraus­setzung ist meist eine Über­weisung des Haus­arztes. Benötigt werden bisherige Befunde, Fragebögen sind auszufüllen. Entscheidend sind auch Schwere und Dauer der Erkrankung.

Es gibt fach­über­greifende Ambulanzen, die Patientinnen und Patienten dann an die jeweiligen Fach­abtei­lungen einer Klinik vermitteln. Das ist praktisch, da Betroffene oft unterschiedliche Beschwerden mitbringen. Und gibt es Ambulanzen, die sich jeweils auf chro­nische Fatigue, pneumologische, kardiologische oder neurologische Beschwerden spezialisiert haben.



Teure experimentelle Therapien
Experimentelle Therapien wie die Blut­wäsche oder die hyper­bare Sauer­stoff­therapie müssen selbst bezahlt werden. Charité-Forscherin Carmen Scheibenbogen schreibt der Blut­wäsche (Immunadsorption), mit der Anti­autokörper aus dem Blut gefiltert werden, nur eine vorüber­gehende Wirkung zu: Nach sechs Monaten kehren die Beschwerden zurück, da die Auto­antikörper entfernt wurden, nicht aber die Zellen, die diese produzieren. In einer spanischen Phase-II-Studie empfanden die mit der Blutwäche behandelten Long-Covid-Patienten gar keine Linderung.

Aussichts­reicher sieht es bei der hyper­baren Sauer­stoff­therapie aus, die ansonsten bei Hörsturz einge­setzt wird. Patientinnen und Patienten erhalten in einer Druck­kammer medizi­nisch reinen Sauer­stoff. In einer Beob­achtungs­studie berichteten Long-Covid-Betroffene mit Fatigue von einer Verbesserung der Alltags­funk­tionen. Ursachen könnten eine verbesserte Durch­blutung und die Neubildung feiner Blutgefäße sowie ein positiver Einfluss auf das Immun­system sein. Die Behand­lung muss meist selbst bezahlt werden und kostet mehrere tausend Euro.



Einige Reha-Kliniken sind auf Long Covid spezialisiert
Auch eine Reha kann den Weg zurück in den Alltag erleichtern. Die Klinik­suche der Deutschen Rentenversicherung zeigt Adressen von Häusern, die sich auf Long Covid spezialisiert haben. Gerade Patienten, die an Fatigue und der Belastungs­intoleranz PEM (Post-Exter­tional-Malaise) leiden, benötigen eine spezielle Behand­lung. Klassische Sport- und Bewegungs­therapien können bei ihnen negative Auswirkungen haben.

Patientinnen und Patienten können Wünsche zu Ort (Meer oder Berge), einer bestimmten Sprache oder zur Möglich­keit, einen Hund mitzunehmen, eingeben. Angeboten werden in den Reha-Kliniken je nach Bedarf Atemgymnastik, Ergo­therapie, Bewegungs­training, Ausdauertraining, Kraft­training, balneo-physika­lische Therapien oder Trauma-Therapie.



Voraus­setzung für den Reha-Aufenthalt
Menschen im erwerbs­tätigen Alter, die renten­versichert sind, können den Antrag auf eine Reha bei der Renten­versicherung stellen. Das geht online. Voraus­setzung: Ihre Erwerbs­fähig­keit wird durch die krank­heits­bedingten Funk­tions­einschränkungen gemindert oder gefährdet. Arbeits­suchende können die Reha beantragen, wenn sich ihre Erwerbs­fähig­keit dadurch wieder herstellen lässt, ebenso Menschen, die eine Erwerbs­minderungs­rente beziehen. Wer Alters­rente erhält, beantragt die Reha bei der Krankenkasse. Hier geht es darum, Alltags­fähig­keiten zurück­zugewinnen. Ist Long Covid eine Berufskrankheit oder als Arbeits­unfall anerkannt, ist die gesetzliche Unfall­versicherung für die Reha zuständig.

Eine ärzt­liche Verordnung ist nicht erforderlich. Ärztinnen und Ärzte können Patientinnen und Patienten aber unterstützen, indem sie den Antrag mit einem Befundbe­richt untermauern. Die Vorlage gibt es bei der Renten­versicherung. Die Funk­tions­störung ist am wichtigsten: Beein­trächtigungen wie Luft­not beim Treppen­steigen, Sprach­störungen oder Konzentrations­schwäche sollten hier aufgeführt und Arzt- und Kranken­hausbe­richte beigelegt werden.

Der Arzt sollte bescheinigen, dass der Patient an der Reha teilnehmen kann und sich seine Gesundheit dadurch voraus­sicht­lich verbessert. Der Eigen­anteil bei der Reha beträgt maximal 10 Euro pro Tag. Wer wenig verdient, kann sich teil­weise oder ganz von der Zuzahlung befreien lassen.



Selbst­hilfe­gruppen
Auch Selbst­hilfe wirkt oftmals. Eine Liste mit bundes­weiten Selbst­hilfe­gruppen gibt es auf der Long-Covid-Plattform. Betroffene können sich Alltags­tipps geben,Therapie-Ideen austauschen und vernetzen. Das Wissen, nicht allein zu sein, kann bestärken.



Forschung soll Betroffenen helfen
Um post­infektiöse Erkrankungen zu erforschen, hat die Bundes­regierung Ende 2025 ein Forschungs­programm gestartet. Bislang existieren nämlich für diese Erkrankungen keine wissenschaftlich fundierten Therapien.






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