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        FÜRACKER: AUSZEICHNUNG FÜR ELF LEBENDIGE TRADITIONEN IN BAYERN – Heimatminister überreicht Aufnahmeurkunden in der Residenz München
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        24.6.2026
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    <autor>
          | Bayerische Staatsregierung
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        „Unser immaterielles Kulturerbe macht Bayern unverwechselbar – unsere Bräuche und Traditionen sowie Wissen und Können prägen unser tagtägliches Miteinander. Diese Schätze sind das Herz unserer Heimat und verbinden Menschen über Generationen hinweg. Sie zu bewahren ist essenziell, denn sie geben uns Identität, vermitteln Werte und stärken das Gefühl von Zusammenhalt. Die Neuaufnahmen ins Landesverzeichnis zeigen eindrucksvoll, wie kreativ und engagiert die Menschen in Bayern ihre Kultur pflegen und weiterentwickeln. Ihr besonderer Einsatz stärkt die kulturelle Vielfalt und sichert den Fortbestand wertvoller Traditionen. Für Ihr herausragendes Engagement verdienen Sie größte Anerkennung und ein herzliches Vergelt’s Gott – Sie sind die echten Hüter unserer Heimat. Es ist mir eine besondere Freude, heute 11 der insgesamt 21 Neuaufnahmen im festlichen Rahmen in der Residenz München zu würdigen und persönlich auszeichnen zu dürfen!“, betont Finanz- und Heimatminister Füracker bei der Urkundenübergabe am Mittwoch (24.6.) in München.
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Seit 2003 stellt die UNESCO immaterielle kulturelle Ausdrucksformen in den Fokus der Öffentlichkeit. Überall auf der Welt sollen überliefertes Wissen und Können, das einen wesentlichen Bestandteil unserer Alltagskulturen ausmacht, als immaterielles Kulturerbe sichtbar gemacht sowie Maßnahmen unterstützt werden, die zur Erhaltung und Weiterentwicklung geeignet sind. Bis heute sind 185 Staaten dem UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes beigetreten. Deutschland ist seit 2013 Vertragsstaat. Neben dem Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes gibt es in Bayern ein eigenes Landesverzeichnis, das nun 103 Eintragungen enthält.

Die nächste Bewerbungsrunde startet voraussichtlich im April 2028. Informationen zum bundesweit einheitlichen Bewerbungsverfahren finden sich im Internet unter www.ike.bayern.de. Interessierte und Antragsteller können sich bei der Beratungs- und Forschungsstelle Immaterielles Kulturerbe Bayern informieren und beraten lassen (ike@volkskunde.badw.de, Tel.: 089 23031-1356).

Folgende Kulturformen wurden nach Empfehlung durch das unabhängige Expertengremium neu in das Bayerische Landesverzeichnis aufgenommen und erhalten heute ihre Urkunde. (Für Nordbayern findet die Auszeichnungsveranstaltung im Juli in Nürnberg statt):

Alm- und AlpwirtschaftZur Alm- und Alpwirtschaft im bayerischen Alpenbogen gehören neben der extensiven Beweidung und Pflege hochgelegener Flächen eine Reihe von Bräuchen und Ritualen (z.B. Almabtrieb, Viehscheid), tradierte Rechtsformen, Wissen und Können über Wege-, Wasser- und Zaunbau, Kenntnisse zu alpinen Wetterlagen und die Gestaltung des spezifischen architektonischen Erbes. Die an den natürlichen Gegebenheiten orientierte, extensive Bewirtschaftung hat seit dem Mittelalter eine einzigartige Kulturlandschaft geschaffen, sie fördert Biodiversität und hemmt Erosion.

Handwerkliches SchmiedenDas Schmieden gehört zu den sehr alten Handwerkstechniken, die sich je nach verwendetem Metall und geplanten Anforderungen immer weiter spezialisiert haben. So reicht das Spektrum von den Eisen- und Waffenschmie¬den bis zu den Nagel- und Goldschmieden. Heute findet die Kunst des hand¬werklichen Schmiedens von Eisen und Stahllegierungen vor allem in kleinen Betrieben statt, in denen ebenso Neuanfertigungen produziert, wie Restaurierungsarbeiten durchgeführt werden. Für unterschiedlichste Arbeiten an Gebäuden, sowie bei der Restaurierung historischer Gitter und Beschläge sind sie aufgrund ihrer Spezialisierung und Vielseitigkeit von Bedeutung. Eine klassische Schmiedewerkstatt ist heute in vielfacher Hinsicht noch ähnlich ausgestattet wie in vorindustrieller Zeit.

Historischer Festzug WolnzachDer seit 1948 belegte historische Festzug in Wolnzach stellt alle fünf Jahre unter großer Beteiligung der Bevölkerung historische Ereignisse der Stadt szenisch dar. Im Rahmen des elftägigen Hallertauer Volksfestes, das um die Zeit von Mariä Himmelfahrt Mitte August stattfindet, ziehen nach einem Festgottesdienst am Sonntag rund 1.700 Mitwirkende mit ca. 20 Musikgruppen und über 50 von Pferden gezogenen Wägen und Kutschen durch die Stadt. Sie thematisieren dabei außerdem Handwerkszünfte, Hopfenkultur, Trachten und Sagen.

Hopfenanbau in DeutschlandDer Hopfenanbau umfasst Anbau, Ernte und Vermarktung des Hopfens vorwiegend als Rohstoff für die Brauwirtschaft. Dazu gehören das Einbringen und die Pflege der Hopfenpflanzen, der Bau und Unterhalt von Hopfengerüsten, Pflanzenschutzmaßnahmen, Ernte und Trocknung der Hopfendolden, Verpackung und Vermarktung. Die Weitergabe von Wissen und Können erfolgt innerhalb der oft noch familiären Betriebe sowie über Fachschulen und Verbände. In Deutschland konzentriert sich der Hopfenanbau auf wenige Regionen, vornehmlich auf die Hallertau inklusive Jura, zudem auf Gebiete um Elbe und Saale, um Tettnang im Bodenseekreis und die Regionen um Spalt und Bitburg

Künstlervereinigung DachauDie „Künstlervereinigung Dachau“ steht für eine selbst verwaltete Künstlerinitiative, die sich im frühen 20. Jahrhundert aus der historischen, an der Freilichtmalerei orientierten Künstlerkolonie herausgebildet hat. Die Mitglieder der Vereinigung sowie des angegliederten Förderkreises bereichern das kulturelle Leben der Stadt durch Ausstellungen, Wettbewerbe, Kunst am Bau-Aktionen, Schulprojekte, mit einer Druckwerkstatt und durch den Betrieb einer eigenen Galerie. Zu den Aktivitäten zählt auch die Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte Dachaus als dem Ort des ersten NS-Konzentrationslagers in Deutschland.

Neujahrslied-Singen der Banater Schwaben (Gutes Praxisbeispiel)Das gemeinschaftliche Singen, besonders des „Neujahrsliedes“ aus Sanktanna (im heutigen Rumänien) als Teil des Liedguts der deutschen Minderheiten Südosteuropas, hat eine wichtige identitätsstiftende Bedeutung bei den Treffen der Landsmannschaft der Banater Schwaben (Donauschwaben). Das erstmals um 1770 in der Schweiz belegte Lied gelangte mit den „Schwabenzügen“ in das Banat und nach dem Zweiten Weltkrieg bzw. nach der Wende wieder nach Deutschland zurück. Heute steht es stellvertretend für die Bemühungen um die Pflege mitgebrachter Traditionen.

Pflege der Wischauer Tracht (Gutes Praxisbeispiel)Das Gute Praxisbeispiel betrifft die Aktivitäten der „Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel e.V.“ zur Dokumentation, den Erhalt und die Pflege wichtiger Elemente der überlieferten Alltagskultur der Bevölkerung der ehemaligen deutschen Sprachinsel Wischau (heute Vyškov) in Mähren. Die Nachkommen der ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner leben seit der Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg mehrheitlich in Deutschland. Im Mittelpunkt der Erhaltungsbestrebungen stehen Bräuche, Mundart und Nahrungskultur, im Besonderen der Erhalt und die Vorführung der Tracht, die mit dem speziellen Ziehharmonika-Kragen (ein Element städtischer Kleidung seit dem 16. Jahrhundert) einen hohen Wiedererkennungswert hat.

Pichelsteinerfest in RegenDas Pichelsteinerfest wird jährlich gegen Ende Juli sechs Tage lang in der Stadt Regen gefeiert. Ein privates Pichelsteiner-Essen am Kirchweihmontag 1874 gilt als Gründungsdatum des späteren Stadtfestes, ein Pichelsteiner-Rezept ist seit 1894 schriftlich überliefert. Das vielfältige Festprogramm beidseits des Regens umfasst u.a. das Kochen und den Verzehr des namensgebenden Eintopfs, Gondelfahrten, Festschießen, Umzüge mit jährlich wechselnden Mottowägen und ein allgemeines Festgeschehen mit Feuerwerk.

St. Anna-Fest in StauchartingBeim St. Anna-Fest in Staucharting (Gemeinde Sauerlach) ziehen jährlich am 26. Juli Wallfahrerinnen und Wallfahrer aus Sauerlach und den umgebenden Orten zu Fuß und mit Pferden zu der ca. drei Kilometer entfernten, 1692/93 errichteten Waldkapelle im Deisenhofener Forst südlich von München. Nach dem gemeinsam gefeierten Festgottesdienst im Freien folgt die Segnung der Pferde, Gespanne und Vereinsgruppen auf Wagen, die die Kapelle mehrfach umrunden. Gesäumt wird der musikalisch gestaltete Gottesdienst und der Umritt mit dem sich anschließenden geselligen Beisammensein von etwa 4.000 Festbesucherinnen und Festbesuchern.

Varieté-Theater „Auf geht’s beim Schichtl“ auf dem Münchner OktoberfestDas Varieté-Theater „Auf geht’s beim Schichtl“ ist seit 1869 eine feste Institution auf dem Münchner Oktoberfest. Die Aufführungen beginnen mit der Parade samt Präsentation der Künstlerinnen und Künstler. Dabei hält der Prinzipal auf einer Bühne vor dem Theater an der Schaustellergasse eine humorvolle Ansprache an das Publikum. Es folgt der Einlass, die Vorstellung mit Clown, Musik, Tänzen und der „Enthauptung einer lebenden Person mittels Guillotine“ als Höhepunkt, zu dem illusionistische Bühnenmechanik genutzt wird.

Wolfauslassen im Bayerischen WaldDas Wolfauslassen oder Wolfausläuten ist ein Heischebrauch um den Martinstag am 11. November in Gemeinden des niederbayerischen Landkreises Regen und angrenzenden Gebieten des Bayerischen Waldes. Mit lautem Glockenläuten ziehen die als „Wölfe“ bezeichneten Gruppen durch den Ort, angeführt vom sogenannten „Hirten“. Dieser choreographiert das Läuten und organisiert die Route sowie das Aufsagen des „Hirtenspruches“. Entstanden ist der Brauch aus einem historischen Hirtenbrauch zum Ende der Weidesaison, der seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert belegt ist.

https://www.bayern.de/fueracker-auszeichnung-fuer-elf-lebendige-traditionen-in-bayern-heimatminister-ueberreicht-aufnahmeurkunden-in-der-residenz-muenchen


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