Lungenkrebs früher erkennen: Münsterlandinitiative schafft als erste Region digitale Infrastruktur Datum: 13.10.2026 Subjekt: Universitätsklinikum Münster Region: Deutschland Kategorie: Technologie, Gesundheitswesen und Krankenhäuser, Universitäten Neues Früherkennungsangebot für mehr als 100.000 Menschen mit erhöhtem Lungenkrebsrisiko – gemeinsames Versorgungsnetz mit Modellcharakter über das Münsterland hinaus Lungenkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland und bleibt oft lange Zeit unbemerkt. Seit April können Menschen, die über viele Jahre stark geraucht haben und deshalb ein erhöhtes Erkrankungsrisiko tragen, ein bundesweites Früherkennungsangebot mit Niedrigdosis-Computertomographie (Low-Dose-CT) nutzen. Im Münsterland erfüllen Schätzungen zufolge rund 105.000 der 1,6 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner die Teilnahmekriterien – und haben damit eine gute Chance, dass eine schwere Erkrankung durch eine frühzeitige Diagnose verhindert oder gar geheilt werden kann. Doch der Zugang zum neuen Angebot steht in der Kritik: Die Teilnahmebedingungen werden als zu starr empfunden und die bürokratischen Hürden erschweren die Teilnahme. An diesen organisatorischen Hürden setzt die Münsterlandinitiative Lungenkrebsscreening jetzt an. Ihre neue, regional vernetzte digitale Infrastruktur soll den Prozess von der Beratung über die Untersuchung bis zur Abklärung auffälliger Befunde einfacher, schneller und verlässlicher gestalten. Dafür arbeiten das UKM (Universitätsklinikum Münster), das Alexianer Clemenshospital Münster, das St. Franziskus-Hospital Münster (SFH) und das Klinikum Ibbenbüren, eine Einrichtung der Mathias-Stiftung Rheine, mit niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie radiologischen Praxen zusammen. Eine gemeinsame digitale Plattform verbindet alle Beteiligten und begleitet den gesamten Ablauf – vom Erstgespräch bis zur möglichen Behandlung. Für die Teilnehmenden bedeutet das: kurze Wege, klare Abläufe und verlässliche Ansprechpartner. „Beim Lungenkrebsscreening geht es nicht um eine einzelne Untersuchung, es müssen viele Beteiligte Hand in Hand arbeiten“, sagt Prof. Johannes Wessling, Initiator und Sprecher der Münsterlandinitiative. „Genau hier setzt unsere Zusammenarbeit an: Wir schaffen eine gemeinsame Infrastruktur im Münsterland und vernetzen die Beteiligten digital, damit Informationen schnell dort ankommen, wo sie gebraucht werden.“ Ein digitaler Patientenpfad von der Hausarztpraxis bis zum Lungenkrebszentrum Das Früherkennungsprogramm richtet sich an Menschen zwischen 50 und 75 Jahren, die über viele Jahre stark geraucht haben oder noch rauchen. Ob die Voraussetzungen für eine Teilnahme erfüllt sind, prüfen entsprechend qualifizierte Ärztinnen und Ärzte. Sie informieren zugleich über Nutzen und mögliche Risiken der Untersuchung sowie über Unterstützungsangebote zur Rauchentwöhnung. Wer die Voraussetzungen erfüllt, wird zur Untersuchung an eine für das Screening qualifizierte Radiologie überwiesen. Dort wird die Lunge mit einer besonders strahlungsarmen Computertomographie untersucht. Gibt es einen auffälligen Befund, ist auch der weitere Weg klar geregelt: Je nach Ergebnis folgen weitere Untersuchungen und – falls erforderlich – die Zweitbefundung, Abklärung und ggf. Behandlung in einem der drei beteiligten Lungenkrebszentren am Clemenshospital Münster, bei der Mathias-Stiftung sowie im Westfälischen Lungenkrebszentrum UKM | SFH. Für Münsters Oberbürgermeister Tilman Fuchs zeigt die Initiative zugleich, was eine starke Gesundheitsregion ausmacht: „Lungenkrebs wird häufig erst erkannt, wenn die Erkrankung bereits fortgeschritten ist. Umso wichtiger ist es, Risiken zu erkennen und gefährdeten Menschen rechtzeitig eine Untersuchung zu ermöglichen. Die Münsterlandinitiative bringt dafür medizinische Expertise und digitale Versorgungsangebote über die Grenzen einzelner Häuser und Kommunen hinweg zusammen. Das ist ein starkes Beispiel dafür, wie regionale Zusammenarbeit dazu beitragen kann, Gesundheitsversorgung konkret zu verbessern – für die Menschen in Münster und im gesamten Münsterland.“ Hausärztinnen und Hausärzte als Ausgangspunkt der Früherkennung – rund 1.000 Kolleginnen und Kollegen bereits geschult Die digitale Plattform begleitet den Screeningprozess dabei von Anfang an. Für die teilnehmenden Hausärztinnen und Hausärzte bedeutet dies: Sie können den Status des Screeningprozesses jederzeit nachvollziehen und Befunde sofort einsehen – ohne wiederholte Telefonate, Faxversand oder unklare Zuständigkeiten. Die Terminvergabe für die CT-Untersuchungen erfolgt ebenfalls digital und ohne Zeitverzug über die gemeinsam entwickelte Plattform. Auch die angeschlossenen radiologischen Praxen und Lungenkrebszentren arbeiten auf dieser gemeinsamen digitalen Basis. Alle Bilddaten und Voraufnahmen sowie Befundinformationen stehen dort für die Beurteilung bereits zur Verfügung. Einheitliche KI-gestützte Analysewerkzeuge auf der Plattform unterstützen dabei die Erkennung und Vermessung von Lungenrundherden. In den vergangenen Monaten wurden bereits rund 1.000 niedergelassene Ärztinnen und Ärzte der Allgemein- und Inneren Medizin geschult, was den direkten Start der verbesserten Früherkennung jetzt im Oktober sofort sicherstellt. Für die Patientinnen und Patienten soll dadurch ein möglichst einfacher und verlässlicher Weg entstehen: von der ersten Beratung in der Hausarztpraxis über die wohnortnahe Niedrigdosis-CT bis zur spezialisierten Abklärung eines auffälligen Befundes. „Für viele Menschen beginnt Prävention in der Hausarztpraxis“, sagt Dr. Hendrik Oen, Facharzt für Innere Medizin und Bezirksstellenleiter der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, Bezirksstelle Münster. „Entscheidend ist, dass nach der Beratung ein einfacher und verlässlicher Weg in das Screening besteht. Die digitale Vernetzung kann dabei die medizinische Betreuung mit einem klaren und transparenten Ablauf verbinden.“ Dass dabei Einrichtungen über Träger- und Sektorengrenzen hinweg zusammenarbeiten, ist für Prof. Alex W. Friedrich, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor des UKM, ein entscheidender Punkt: „Die Stärke der Münsterlandinitiative liegt darin, vorhandene Expertise nicht nebeneinander stehen zu lassen, sondern sie miteinander zu verbinden. So schaffen wir gemeinsam eine Versorgungsstruktur, die den Menschen in der Region zugutekommt.“ Staatssekretär Heidmeier: Modellcharakter über das Münsterland hinaus Welche Impulse daraus für andere Regionen entstehen können, hebt Matthias Heidmeier, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, hervor: „Das Münsterland zeigt, wie moderne Prävention regional vernetzt und digital funktionieren kann. Daraus können wichtige Erfahrungen für Nordrhein-Westfalen und ganz Deutschland entstehen.“ Die digitale Vernetzung schafft zugleich eine strukturierte Datengrundlage, mit der sich Teilnahme, Abläufe und Qualität des Screenings unter realen Versorgungsbedingungen besser untersuchen lassen. „Die Stärke liegt in der Verbindung von Versorgung und Daten“, betonen Friedrich und Wessling abschließend. „Wir wollen Prävention unter Alltagsbedingungen noch weiter optimieren – gemeinsam mit allen, die dafür Verantwortung übernehmen.“ Die Initiative versteht sich damit als Modellregion für datenbasierte, regional organisierte Prävention. Die entstehenden Strukturen und Erkenntnisse sollen auch für künftige regionale Versorgungs- und Forschungsprogramme genutzt werden. https://www.ukm.de/aktuelles/lungenkrebs-frueher-erkennen-muensterlandinitiative-schafft-als-erste-region-digitale-infrastruktur