Anlagensicherheit schützt Menschen und Umwelt und sichert die Zukunft der nordrheinwestfälischen Industrie 30.9.2026 | Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz | 40 Jahre gebündelte Expertise im Team Anlagensicherheit beim Landesamt für Natur, Umwelt und Klima des Landes Nordrhein-Westfalen. Nordrhein-Westfalen ist geprägt durch das enge Nebeneinander von dicht besiedelten Ballungsräumen und einer starken Industrie. In zahlreichen Betrieben werden Stoffe hergestellt, verarbeitet oder gelagert, von denen bei einem Störfall erhebliche Gefahren für Menschen und Umwelt ausgehen können. Ein hohes Niveau der Anlagensicherheit ist deshalb eine zentrale Voraussetzung dafür, Industrie und gesellschaftliches Leben in Nordrhein-Westfalen dauerhaft sicher miteinander zu verbinden. „Anlagensicherheit schützt Menschen und Umwelt – und sie schützt zugleich unseren Industriestandort“, erklärte Umweltminister Oliver Krischer. „Gerade hier bei uns in Nordrhein-Westfalen, wo Industrie und dicht besiedelte Räume eng zusammenliegen, ist ein hohes Sicherheitsniveau eine Grundvoraussetzung für eine starke und zukunftsfähige Industrie. Sicherheit und industrielle Entwicklung gehören daher für uns zusammen.“ Dieses hohe Schutzniveau entstehe jedoch nicht von selbst, ergänzte Elke Reichert die Präsidentin des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima (LANUK). „Es braucht Fachwissen, Erfahrung und die Fähigkeit, mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten. Genau diese Kompetenz bündelt Nordrhein-Westfalen seit 40 Jahren im LANUK. Unsere Aufgabe ist es, Risiken frühzeitig zu erkennen, fachlich zu bewerten und daraus konkrete Anforderungen an die Sicherheit von Anlagen abzuleiten.“ Die besondere Bedeutung der Anlagensicherheit war heute (Dienstag, 29. September 2026) Thema einer bundesweiten Jubiläumsveranstaltung im Umweltministerium in Düsseldorf. Etwa 200 Fachleute aus ganz Deutschland diskutierten dort Erfahrungen und aktuelle Entwicklungen in der Anlagensicherheit und der Störfallvorsorge. Anlass war das 40-jährige Bestehen des Arbeitsbereichs Anlagensicherheit beim LANUK. Die hohe Priorität für das Thema in NRW wird sichtbar beim Blick auf die Zahlen: Deutschland hat die meisten Industrieanlagen in der Europäischen Union. Nordrhein-Westfalen bildet aufgrund der Dichte der Anlagen das Zentrum dieser Industrie. Betriebe, in denen mit größeren Mengen gefährlicher Stoffe gearbeitet wird, müssen seit den 1980er Jahren besondere Pflichten zur Störfallvorsorge erfüllen. Während es in der EU durchschnittlich weniger als vier solcher Betriebsbereiche auf 1.000 Quadratkilometer gibt, sind es in Nordrhein-Westfalen insgesamt mehr als 600. Das entspricht rund 18 Betriebsbereichen auf 1.000 Quadratkilometer. Diese hohe Industriedichte trifft insbesondere in den Ballungsräumen auf eine hohe Bevölkerungsdichte. Als Folge vieler schwerer Chemieunfälle in Europa und darüber hinaus, richtete das Land Nordrhein-Westfalen im Jahr 1986 den Arbeitsbereich Anlagensicherheit ein. Seitdem sorgt ein LANUK-Kompetenzteam nicht nur dafür, dass die geltenden Vorschriften umgesetzt werden, sondern bringt seine Erfahrungen auch aktiv in die Weiterentwicklung der Regelwerke ein. Aktuell arbeiten 20 Fachleute aus den Bereichen Ingenieurwissenschaften und Chemie im Kompetenzteam und profitieren von 40 Jahren Wissensaufbau und Erfahrung zur Vermeidung von Störfällen. Ebenso wichtig ist ihre Expertise bei den Vorkehrungen, mit denen im Ereignisfall die Auswirkungen auf Menschen und Umwelt begrenzt werden können. „Anlagensicherheit ist keine Aufgabe, die irgendwann abgeschlossen ist“, betonte Minister Krischer. „Technik verändert sich, neue Verfahren entstehen und damit kommen potentiell auch immer neue Risiken hinzu. Deshalb reicht es nicht, bestehende Regeln lediglich anzuwenden. Wir brauchen Fachleute, die aus Erfahrungen lernen, Entwicklungen früh erkennen und den Stand der Sicherheitstechnik kontinuierlich weiterentwickeln.“ Für die Begutachtung eines Betriebsbereichs müssen die Fachleute des LANUK wissen, welche Stoffe in den Anlagen enthalten sind und welche Gefahren von ihnen ausgehen können. Betriebsbedingungen und technische Ausstattung werden im Detail diskutiert und bewertet, bevor ein Gutachten abgegeben wird. Mehr als 60 Gutachten für Anlagen mit Störfallpotenzial erstellt das LANUK jährlich im Genehmigungsverfahren für Neubauten oder bei relevanten Änderungen bestehender Anlagen. Hinzu kommen die Beratung von Umweltbehörden sowie jedes Jahr rund 75 weitere Stellungnahmen zu sicherheitsrelevanten Fragen. Dabei verändern sich die Anforderungen an die Fachleute kontinuierlich. Neue Technologien und neue Handlungsfelder müssen in die sicherheitstechnische Bewertung einbezogen werden. „Die Expertise unserer Fachleute wächst mit der technischen Entwicklung“, erklärte LANUK-Präsidentin Reichert. „Neue Technologien eröffnen Chancen, können aber zugleich neue Anforderungen an die Sicherheit mit sich bringen. Cyber-Security oder Drohnen waren vor 40 Jahren noch kein Thema. Heute müssen wir auch solche Risiken mitdenken. Anlagensicherheit bedeutet deshalb, vorhandenes Wissen ständig weiterzuentwickeln.“ Eine weitere wichtige Erkenntnisquelle ist die systematische Aufarbeitung sicherheitsrelevanter Ereignisse. Dabei geht es nicht allein um große Störfälle. Auch kleinere Ereignisse können Hinweise darauf geben, wo technische oder organisatorische Schwachstellen bestehen. „Aus Ereignissen müssen wir lernen“, sagte LANUK-Präsidentin Reichert. Technische Mängel könnten ebenso zu Betriebsstörungen führen wie organisatorische Defizite. „Auch ein Ereignis mit geringen Auswirkungen kann Erkenntnisse liefern, mit denen sich ein schwereres Ereignis an anderer Stelle verhindern lässt. Deshalb gehört die systematische Aufarbeitung sicherheitsrelevanter Ereignisse zu unserer täglichen Arbeit.“ Wie wichtig eine systematische Störfallvorsorge ist, zeigte sich insbesondere bei schweren Industrieunfällen der 1970er- und 1980er-Jahre. 1974 kamen im englischen Flixborough bei einem Stoffaustritt mit anschließender Explosion 28 Menschen ums Leben, 36 wurden verletzt. Mehr als 200 Grundstücke außerhalb des Werksgeländes wurden mit Schadstoffen belastet. Besonders prägend für die europäische Entwicklung der Anlagensicherheit war der Dioxin-Störfall im italienischen Seveso im Jahr 1976. Rund 200 Menschen erkrankten an der sogenannten Chlorakne, 1.800 Hektar Land wurden verseucht und mehr als 3.000 Tierkadaver mussten geborgen werden. Deutschland reagierte auf die Ereignisse mit strengeren Regelungen zum Schutz vor Störfällen. 1980 wurde die erste Störfall-Verordnung erlassen. Die erste europäische Richtlinie folgte 1982. Diese Richtlinie ist seitdem unter dem Namen Seveso-Richtlinie bekannt. Erstmals bestand damit eine gesetzliche Verpflichtung für Anlagenbetreiber, Gefahrenpotenziale zu analysieren und Vorsorgemaßnahmen zu dokumentieren. Innerhalb Deutschlands nahm Nordrhein-Westfalen von Anfang an eine Vorreiterrolle ein. Hier wurde 1986 mit dem ersten Kompetenzteam der erste behördliche Arbeitsbereich zum gesamten Komplex der Anlagensicherheit gegründet. Seitdem verfügt das Land Nordrhein-Westfalen über diese bundesweit einzigartige Kompetenzstelle. „Hier wird hoch spezialisiertes Wissen dauerhaft gebündelt und für die zuständigen Behörden nutzbar gemacht“, erklärte LANUK-Präsidentin Reichert. „Damit leisten die Kolleginnen und Kollegen jeden Tag einen wichtigen Beitrag für ein sicheres Leben der 18 Millionen Menschen in Nordrhein-Westfalen. Und wenn die Menschen im Land nicht merken, dass es das Team Anlagensicherheit gibt, dann haben die Kolleginnen und Kollegen einen guten Job gemacht.“ Für Umweltminister Krischer ist das 40jährige Jubiläum deshalb nicht nur Anlass für einen Rückblick. „Unsere Industrie verändert sich, neue Technologien kommen hinzu und damit auch neue Anforderungen an ihre Sicherheit. Vier Jahrzehnte Anlagensicherheit in Nordrhein-Westfalen sind deshalb vor allem ein Auftrag für die Zukunft.“ Die Investition in Fachwissen, Vorsorge und sichere Anlagen bleibe unverzichtbar, so Krischer: „Für den Schutz der Menschen und der Umwelt genauso wie für die Zukunft des Industriestandortes Nordrhein-Westfalen.“ Weitere Informationen und Daten zum Thema Anlagensicherheit und Störfallvorsorge sind zu finden unter https://www.lanuk.nrw.de/themen/industrieanlagen/anlagensicherheit https://www.umwelt.nrw.de/themen/umwelt/umwelt-und-ressourcenschutz/immissionsschutz-und-anlagen/anlagensicherheit https://www.lanuk.nrw.de/presse/article/anlagensicherheit-schuetzt-menschen-und-umwelt-und-sichert-die-zukunft-der-nordrheinwestfaelischen-industrie