Wie gelingt die Transformation zur Schwammstadt? 13.8.2026 Alexandra Dehnhardt | Institut für ökologische Wirtschaftsforschung Schwammstadt-Prinzipien sind aus einer klimaresilienten Stadtentwicklung nicht mehr wegzudenken. Wie können sie in der Stadtentwicklung verankert werden und wie kann der Bund dies unterstützen? Ein Forschungsprojekt unter Leitung des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) liefert neue Erkenntnisse. Ein Fact Sheet und ein Symposium, das im Juni 2026 stattfand, zeigen: Damit mehr Schwammstädte entstehen, müssen finanzielle, regulative und informatorische Politikinstrumente über alle Elemente des soziotechnischen Systems – Technologien, Institutionen und Akteure – hinweg integrativ zusammenwirken. Sektorenübergreifende Zusammenarbeit und politische Beschlüsse, die auf der Verwaltungsebene wirken, sind zentral. Zudem ist es wichtig, Fragen der sozialen Gerechtigkeit in allen Planungsprozessen zu berücksichtigen. Schwammstadt: Im Klimawandel zukunftsfit werden Der Klimawandel stellt Städte und Gemeinden vor wachsende Herausforderungen. Extremwetterereignisse wie Hitzewellen und Starkregen belasten die kommunale Infrastruktur, beeinträchtigen städtische Ökosysteme und wirken sich auf die Gesundheit und Lebensqualität der Bevölkerung aus. Das Konzept der Schwammstadt reagiert darauf und dient als Leitbild einer integrierten, zukunftsorientierten und klimaresilienten Stadtentwicklung. Ziel ist ein Paradigmenwechsel im Umgang mit Wasser in der Stadt: Es soll etwa gespeichert, zurückgehalten, versickert, verdunstet und weitergenutzt werden. Die Schwammstadt soll so vor Starkregen- und Dürreschäden schützen, die Hitzebelastung mindern und die Grundwasserreserven stabilisieren. Durch mehr Verdunstung, Versickerung und einen geringeren Oberflächenabfluss werden urbane Ökosysteme gestärkt und die Kanalnetze bei Starkregen entlastet. „Die Schwammstadt steht für eine wassersensible und klimaresiliente Stadtentwicklung“, so Dr. Alexandra Dehnhardt vom IÖW, Gesamtleiterin des Projekts „Schwammstadt: Blau-grüne Infrastrukturen umsetzen“. „Zentral sind blau-grüne Infrastrukturen, insbesondere naturbasierte Lösungen wie Dachbegrünungen oder Entsiegelungen. Viele Städte haben die Notwendigkeit erkannt und setzen Schwammstadtkonzepte um – aber die Umsetzung ist besonders im Bestand herausfordernd, erfordert eine sektorübergreifende Zusammenarbeit in den Verwaltungen und eine wirksame Unterstützung der Kommunen.“ Fact Sheet: Empfehlungen für den Weg zur klimaresilienten Schwammstadt Hemmnisse treten dabei selten isoliert auf: Eine Gründachpflicht scheitert etwa nicht nur an der fehlenden Rechtsgrundlage, sondern auch an mangelnder Akzeptanz, unklaren Zuständigkeiten und zu wenigen Fachkräften. Daher ist ein abgestimmter Mix aus finanziellen, regulativen und informatorischen Instrumenten erforderlich, der an mehreren Systemelementen ansetzt und regulative Rahmenbedingungen erneuert, Akteure mobilisiert, normative Wertvorstellungen reflektiert und Technologien weiterentwickelt. In ihrem Fact Sheet empfehlen die Forschenden der Bundespolitik folgenden Instrumentenmix: Voneinander lernen: Schwammstadt-Fachleute im Austausch Auf dem Fachsymposium „Schwammstädte stärken – Politikinstrumente des Bundes wirksam gestalten“ im Umweltbundesamt diskutierten im Juni 2026 über 60 Teilnehmende aus Kommunen, Wissenschaft, Verbänden und Wirtschaft über politische, strategische und kommunikative Rahmenbedingungen für die Transformation zur Schwammstadt. Die zentralen Forderungen der Diskussion: Ämter sollten übergreifend zusammenarbeiten, um die Schwammstadt erfolgreich umzusetzen. Gerechtigkeitsfragen und soziale Effekte der Umsetzung blau-grüner Infrastrukturen sollten von Anfang an mitgedacht werden. Und: Gründächer als zentrales Element der Schwammstadt sollten so geplant werden, dass sie neben dem Wasserspeicherpotenzial etwa mit einer Photovoltaik-Anlage kombiniert werden. ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Weitere Informationen Zum Fact Sheet Zum Projekt Schwammstadt: Blau-grüne Infrastrukturen umsetzen Zum Schwerpunkt-Artikel des KomPass-Newsletters vom UBA über die Schwammstadt https://www.ioew.de/news/article/wie-gelingt-die-transformation-zur-schwammstadt