Verfilmung der Odyssee Nolans Adaption überzeugt Altphilologen 29.7.2026 Victoria Meinschäfer | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Odysseus – eigentlich ein moderner Held. Das kann man jedenfalls denken, wenn man den Film von Christopher Nolan, der derzeit die Kinocharts stürmt, sieht. Und der Düsseldorfer Altphilologe Prof. Dr. Michael Reichel ist damit durchaus einverstanden: „Ich bin wirklich positiv überrascht, dass der Film relativ nah am Original ist.“ Im Film wird Odysseus als traumatisierter Held gezeigt, der seine Kriegserlebnisse und den überlangen Rückweg verarbeiten muss. „Das entspricht durchaus dem Bild von Odysseus, das Homer in der Odyssee zeichnet,“ so Reichel, „denn in dem Epos wird realistisch dargestellt, wie der Held durch den Krieg und die lange Isolation Schwierigkeiten hat, sich wieder in sein friedliches Umfeld zu integrieren.“ Wie psychologisch glaubwürdig die Schilderung des Helden der Odyssee ist, das hatte der Psychiater Jonathan Shay (ein Experte für die Behandlung von Kriegsveteranen) schon vor über 20 Jahren nachgewiesen. Hinzu kommt: „Odysseus ist trotz oder wegen seiner Traumata eine sehr resiliente Persönlichkeit, die Demütigungen erträgt und sich immer wieder selbst motiviert, um Probleme zu lösen. Diese psychische Stärke und seine Intelligenz sind kennzeichnend für den ‚Listenreichen‘“, so Reichel. Zudem schildert Homer Odysseus als geduldigen Helden - und auch hier bleibt Nolan zu Reichels Zufriedenheit nahe an Homers Text: „Als die Freier ihn etwa bei der Rückkehr beleidigen und ihm Qualen zufügen, fasst er sich in Geduld – der oft so Rastlose kann warten.“ Neben so vielen Details, die die akkurate Nähe zum griechischen Original zeigen, fällt laut Reichel Nolans Neuinterpretation von Frauengestalten wie z.B. Kalypso, die wesentlich altruistischer erscheint als im homerischen Epos, umso mehr auf. „Nolan hat offensichtlich nicht nur die Odyssee sehr gründlich studiert, sondern ist auch mit der gegenwärtigen Forschungsliteratur dazu vertraut“, ist Reichel überzeugt. „Die Schilderung des vielschichtigen Charakters und die Überlegungen der Figuren, dass es im Trojanischen Krieg beileibe nicht nur um Helena geht, sondern dass Handelsrouten zwischen dem Mittelmeer und dem Schwarzen Meer auch ein Kriegsgrund sind, sind zum einen nahe am derzeitigen Stand der Wissenschaft. Und machen zudem deutlich, dass es sich um eine durchaus zeitgemäße Adaptation handelt.“ https://www.hhu.de/die-hhu/presse-und-marketing/aktuelles/pressemeldungen-der-hhu/news-detailansicht/nolans-adaption-ueberzeugt-altphilologen