Einführungsstatement von Außenminister Wadephul bei der Sudan-Konferenz: Humanitäre Hilfe und Humanitäre Diplomatie 17.4.2026 | Auswärtiges Amt Heute kommen wir nicht zu einer schönen Veranstaltung oder Zeremonie zusammen. Vielmehr kommen wir zusammen, da der Konflikt in Sudan – der nun schon seit fast drei Jahren andauert – weiter wütet. Ein Krieg, der mit größter Brutalität gegenüber der sudanesischen Bevölkerung geführt wird. Über die letzten drei Jahre hat er die größte humanitäre Katastrophe unserer Zeit ausgelöst. Wir alle kennen die Zahl der Vertriebenen, die Berichte über Kriegsverbrechen, die Bilder, die das Grauen zeigen, das die Menschen in Sudan gerade erleben. Und doch müssen wir bedenken, dass hinter jeder Zahl, hinter jedem Bericht und jedem Bild ein Mensch steht. Diese Menschen haben Namen, sie haben eine Identität und sie hatten einmal Pläne für ihre Zukunft. Haben sie nicht das Recht, in Frieden zu leben? Wir alle tragen eine humanitäre Verantwortung gegenüber den Menschen in Sudan. Diese Katastrophe erfährt nicht die öffentliche Aufmerksamkeit, die ihr gebührt. Wir werden in unseren Bemühungen, dies zu ändern, nicht nachlassen. Aus diesem Grund kommen wir nach Paris, nach London heute hier in Berlin zusammen. Diese Konferenz ist kein Selbstzweck. Sie ist eine Notwendigkeit angesichts des Leidens in Sudan. Sie ist eine Notwendigkeit, die an unsere Verantwortung als Staaten und Akteure, die in der Lage sind, etwas zu verändern, appelliert. Um den Menschen in Sudan die Botschaft zu übermitteln, dass wir an ihrer Seite stehen. Es stimmt mich zuversichtlich, dass wir alle entschieden haben, gemeinsam Teil dieser Botschaft zu sein. Diese außerordentliche Krise erfordert mehr als unsere Aufmerksamkeit – sie erfordert unser Handeln. Denn der Blick in die Zukunft zeigt, dass die Situation in Sudan noch weitaus schwieriger wird. Ich weiß, dass man sich das nur schwer vorstellen kann. Russlands andauernder Krieg gegen die Ukraine und der Krieg im Nahen Osten vertiefen die Krise für die Menschen in Sudan und in der Region, die bereits heute in unerträglichen Bedingungen leben. In diesem Zusammenhang gilt unser tief empfundener Respekt den Nachbarstaaten, die sich um diejenigen kümmern, die bei ihnen Schutz gesucht haben. Um ihre Last, auf mehr Schultern zu verteilen, müssen wir unsere Unterstützung verstärken und Druck auf die Kriegsparteien ausüben, damit sie den Zugang zu humanitärer Hilfe für die Menschen in ganz Sudan ermöglichen. Lassen Sie uns unsere Kräfte bündeln, damit humanitäre Hilfe und humanitäre Diplomatie Leben retten können. In diesem Lichte sagt Deutschland humanitäre Hilfe in Höhe von 212 Mio. Euro für Sudan und die Nachbarstaaten zu. Wir ermutigen andere Länder, Organisationen und Akteure des Privatsektors, sich uns darin anzuschließen. Ich begrüße das Engagement von Staatsministerin Güler, die höhere finanzielle Beiträge auch aus der deutschen Wirtschaft versucht zu generieren. Der Privatsektor nimmt eine wichtige Rolle ein. Aber noch mehr ist nötig, um echte Unterstützung zu ermöglichen. In Sudan würde unsere Hilfe die Menschen in Not nicht erreichen, wäre da nicht das Rückgrat der humanitären Hilfe: die sudanesischen Helferinnen und Helfer an der Front. Ohne ihren Einsatz, d.h. wenn sie nicht tagtäglich ihr Leben zwischen den Fronten riskieren würden, gäbe es keine Unterstützung für die notleidenden Menschen. Unsere Aufgabe ist es, dieses Rückgrat zu stärken und die lebenswichtige Hilfe, die diese Freiwilligen zwischen den Fronten für die Menschen im gesamten Sudan leisten, durch unsere politische und humanitäre Unterstützung zu intensivieren. Wenn ich mich hier umsehe, bin ich wirklich sehr dankbar, dass Sie alle zusammengekommen sind. Dank Ihres Einsatzes kann diese Veranstaltung weit mehr werden als ein produktives Treffen. Sie kann ein Momentum der Hoffnung für die Menschen in Sudan werden. Lassen Sie uns diese Chance gemeinsam ergreifen! https://www.auswaertiges-amt.de/de/newsroom/sudan-conference-humanitarian-2767946