Zentrum steht auch anderen Krankenhäusern per telemedizinischem Konsil zur Verfügung.
Das Vivantes Klinikum im Friedrichshain ist als erstes Krankenhaus im Großraum Berlin als Orthoplastisches Zentrum zertifiziert worden. Die Zertifizierung erfolgte am 10.September 2026 durch die Fachgesellschaften der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) sowie der Deutschen Gesellschaft für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie (DGPRÄC). Das Zentrum behandelt nicht nur eigene Patient*innen. Es steht auch anderen Krankenhäusern im Großraum Berlin zur Verfügung und bietet telemedizinischen Konsilen zur Beratung und Therapieplanung an sowie – wenn medizinisch erforderlich – die Übernahme von Patient*innen.
Orthoplastische Zentren behandeln Patient*innen mit schweren Verletzungen an Armen und Beinen, bei denen nicht nur der Knochen, sondern auch Haut, Muskeln, Gefäße und Nerven geschädigt sind. Das kommt zum Beispiel nach offenen Brüchen, schweren Unfällen oder bei Infektionen vor. Unfallchirurgen und Plastische Chirurgen legen gemeinsam fest, wie der Knochen stabilisiert und der Weichteildefekt gedeckt wird. Ziel ist, die betroffene Gliedmaße zu erhalten und wieder belastbar zu machen.
Die Leitung des Zentrums teilen sich Prof. Dr. Thomas Fuchs, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, und Priv.-Doz. Dr. J.- Frederick Hernekamp, Chefarzt der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie. Für Patient*innen aus Berlin und dem Umland gibt es damit eine zertifizierte Anlaufstelle für komplexe Verletzungen der Extremitäten, für andere Krankenhäuser eine Ansprechstelle für Beratung und Verlegung.
Schwere Verletzungen von Extremitäten kommen in vielen Krankenhäusern vor, aber nicht überall ist spezialisierte orthoplastische Expertise vorhanden. Ärzt*innen anderer Klinika können deshalb das Team in Friedrichshain um ein telemedizinisches Konsil bitten. Sie übermitteln Befunde und Bilder. Die Spezialist*innen im Klinikum im Friedrichshain beurteilen den Fall und geben Empfehlungen zur Therapie, etwa zu Erstmaßnahmen, zum Zeitpunkt weiterer Eingriffe oder zur Frage, ob eine Verlegung sinnvoll ist.
Wenn eine Behandlung vor Ort nicht ausreicht, übernimmt das Klinikum im Friedrichshain die Patient*innen. Die Verlegung wird vorab mit dem einweisenden Krankenhaus abgestimmt, bei Bedarf auch mit dem Rettungsdienst. Ist keine Verlegung nötig, können die Kolleg*innen die Behandlung in ihrem Haus nach den Empfehlungen aus Friedrichshain fortführen.
Prof. Dr. Thomas Fuchs: „Bei diesen Verletzungen kommt es darauf an, dass Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie früh gemeinsam entscheiden - noch bevor operiert wird. Diese Zusammenarbeit war bei uns schon vorher üblich. Jetzt ist sie geregelt und von außen geprüft.“
Privat-Dozent Dr. J. Frederick Hernekamp ergänzt: „Ob ein Bein erhalten werden kann, entscheidet sich oft in den ersten Tagen. Wenn wir die Behandlung von Anfang an zusammen planen, brauchen die Patienten in der Regel weniger Folgeeingriffe. Das gilt auch für Patienten aus anderen Kliniken: Nicht jeder muss verlegt werden. Wenn eine Verlegung nötig ist, sollte sie ohne Umwege erfolgen“.
Zertifiziert wird nach den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und der Deutschen Gesellschaft für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie (DGPRÄC). Diese Fachgesellschaften wollen erreichen, dass es langfristig in jedem TraumaNetzwerk DGU mindestens ein solches Orthoplastisches Zentrum gibt.