Nun hat sein Team geprüft, ob sich dieses Verfahren, das als Besonderheit zweistufig angelegt ist mit zwei verschiedenen nacheinander eingesetzten Mikroben, technisch und ökonomisch rentabel auf eine industrielle Herstellung hochskalieren lässt – mit positivem Ergebnis: Eine Produktionsanlage, die 5,6 Millionen Menschen zu marktüblichen Preisen mit der Tagesdosis Vitamin B9 versorgen und zur Proteinzufuhr beitragen könnte, würde sich bereits nach fünfjähriger Laufzeit amortisieren. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht.
Die wachsende Weltbevölkerung wie auch die Klimaerwärmung stellen die konventionelle Landwirtschaft vor große Herausforderungen. Vor allem die Viehhaltung benötigt viele Ressourcen und trägt stark zur Freisetzung umweltschädlicher Stoffe bei. Schon im Jahr 2023 litten nach Schätzungen der Vereinten Nationen 733 Millionen Menschen, gut neun Prozent der Weltbevölkerung, unter Unterernährung. „Es ist zu befürchten, dass die Zahl weiter steigt. Vor allem in ärmeren Ländern kann der Proteinbedarf nicht gedeckt werden“, sagt Lars Angenent. Der menschliche Körper kann nicht alle lebenswichtigen Stoffe selbst herstellen und ist auf die Zufuhr von bestimmten Proteinen und Vitaminen angewiesen.
Energie wird in den Power-to-Protein- und Power-to-Vitamin-Anlagen für den Betrieb der Bioreaktoren benötigt, Flüssigkeitsbehältern, in denen die Mikroben unter kontrollierten Bedingungen wie gleichbleibender Temperatur und gleichbleibendem Druck die zugeführten Ausgangsstoffe in die erwünschten Produkte umsetzen. Außerdem ist die Herstellung von freiem Wasserstoff aus Wasser mit Energieaufwand verbunden. In Angenents zweistufigem Bioreaktorsystem reduziert im ersten Produktionsschritt das Bakterium Thermoanaerobacter kivui Kohlendioxid mit Wasserstoff unter Luftabschluss zu Acetat. Das Bakterium ist genügsam und bildet die bei der Acetatherstellung benötigte Folsäure selbst. Anschließend setzt die Bäckerhefe, ein Pilz namens Saccharomyces cerevisiae, unter Luftzufuhr das Acetat zu Proteinen um. „Die Hefe selbst mit angereicherten Proteinen und Folsäure ist direkt essbar. Als Nahrungszusatz in kleiner täglicher Menge zur Deckung des Vitamin B9-Bedarfs ist sie ein sicheres Lebensmittel“, sagt Angenent. „Wenn der gesamte Proteinbedarf über mikrobiell produzierte Proteine gedeckt werden soll, muss die Hefe gereinigt werden, um etwa Stoffe zu entfernen, die Gicht auslösen können. Dann ist der Herstellungsprozess entsprechend aufwendiger.“