Das Projekt „Vertrauliche Hilfe nach Gewalt“ bietet gewaltbetroffenen Personen eine kostenfreie und vertrauliche medizinische Versorgung. Das Klinikum Ludwigshafen (KliLu) ist ein Standort im Projekt des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Frauen, Familie und Jugend Rheinland-Pfalz, in Zusammenarbeit mit dem Ministerium des Inneren und für Sport und dem Gesundheitsministerium Rheinland-Pfalz. Projektträger ist das Institut für Rechtsmedizin der Universitätsmedizin Mainz. In Ludwigshafen hält die Frauenklinik und die Klinik für Akut- und Notfallmedizin hierfür rund um die Uhr eigens geschultes Personal vor. Im Rahmen einer Pressekonferenz informierten die Verantwortlichen über das Angebot.
Laut Bundeskriminalamt sind die Opferzahlen von häuslicher Gewalt in Deutschland so hoch wie nie zuvor. Nicht selten scheuen Betroffene aber den Besuch bei einer Ärztin oder einem Arzt – oft aus falscher Scham oder aus Angst. Das Angebot „Vertrauliche Hilfe nach Gewalt“ setzt genau dort an: Es bietet eine vertrauliche medizinische Versorgung, auf Wunsch eine vertrauliche gerichtsfeste Spurensicherung und im Anschluss eine psychosoziale Beratung durch geschulte Fachkräfte.
„Wir schließen mit diesem umfassenden vertraulichen Angebot eine wichtige Lücke in unserem Hilfesystem. Gerade nach häuslicher oder sexualisierter Gewalt brauchen die Betroffenen Zeit, um das Erlebte zu verarbeiten, bevor sie sich zu weiteren Schritten entscheiden können. Diese notwendige Zeit und Unterstützung geben wir ihnen mit diesem Projekt“, betont Frauenministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler in ihrem Grußwort zur Pressekonferenz.
Rund-um-die-Uhr-Versorgung von Gewaltopfern am KliLu
Am KliLu ist die Frauenklinik der Ansprechpartner für betroffene Frauen und die Klinik für Akut- und Notfallmedizin für betroffene Männer. „Gewalt an Frauen ist leider keine Seltenheit. Auch wenn diese keine Strafanzeige stellen möchten, ist eine medizinische Versorgung nach einem Gewalterlebnis eine dringende Notwendigkeit. Diese Möglichkeit bieten wir den betroffenen Frauen“, sagt PD. Dr. Klaus Baumann, Direktor der Frauenklinik des KliLu.
Dr. Peter Brenk, Direktor der Klinik Für Akut- und Notfallmedizin, ergänzt: „Männer sind zwar deutlich seltener Opfer von häuslicher Gewalt oder Vergewaltigungen, aber trotzdem erleben wir diese Fälle. Hier ist die Hemmschwelle, sich Unterstützung zu suchen, besonders hoch. Mit dem Projekt bieten wir diese Hilfe niederschwellig – und rund um die Uhr – an“.
Ärztinnen und Ärzte sind besonders geschult
Zur Auftaktveranstaltung des Projekts informierten neben dem KliLu auch Frau Prof. Dr. med. Tanja Germerott, Leiterin des Instituts Rechtsmedizin Mainz an der Universitätsmedizin Mainz und Lea Wagner von „Wildwasser und Notruf Ludwigshafen e.V. – Beratung und Unterstützung“ sowie die Opferschutzbeauftragte des Polizeipräsidiums Rheinpfalz in Ludwigshafen, Frau Jana Mohr. Sie erklärten, dass die Ärzte und Ärztinnen der teilnehmenden Kliniken für den Umgang mit Gewaltbetroffenen sowohl rechtsmedizinisch als auch psychosozial im Umgang mit Gewaltbetroffenen besonders geschult seien. Durch die rechtsmedizinische Schulung werde sichergestellt, dass die gesicherten Befunde später gerichtsverwertbar seien – sollte dies gewünscht werden. Denn oft komme es trotz Gewalteinwirkung zu keiner Strafanzeige. Auch dann greife das Projekt: Betroffene entscheiden selbst, was untersucht und dokumentiert werden soll. Die Befunde werden anschließend beim Institut für Rechtsmedizin der Universitätsmedizin Mainz über mehrere Jahre gesichert aufbewahrt. Erst wenn die Betroffenen eine Strafanzeige erstatten und eine Schweigepflichtentbindung unterschreiben, erfolgt eine Weitergabe an die Ermittlungsbehörden.
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