Sie haben hohen Blutdruck? Ihnen ist bei Hitze schon mal schwummerig geworden? Das könnte daran liegen, dass das Hochdruckmittel anders wirkt als sonst. Wir klären auf.
An heißen Tagen wird der menschliche Organismus besonders beansprucht. Um eine Überhitzung zu vermeiden, muss die Körperkerntemperatur 36 bis 37,5 Grad Celsius betragen. Zur Regulation verfügt der Körper über zwei Hauptmechanismen: Er bildet mehr Schweiß oder erweitert kleine Blutgefäße.
Verschiedene Arzneimitteltypen beeinträchtigen diese Fähigkeit des Körpers – Patientinnen und Patienten, die sie einnehmen, müssen daher besonders umsichtig sein. Wir geben einen Überblick, welche Medikamente bei heißem Wetter den Körper zusätzlich belasten können und geben Tipps zur Vorbeugung.
Medikamente wie Blutdrucksenker verstärken den Verlust von Wasser und Elektrolyten oder die Folgen der Gefäßweitstellung bei Hitze. An hochsommerlichen Tagen sollten besonders chronisch Kranke, die solche Medikamente einnehmen müssen, Vorsicht walten lassen. Denn wie der Körper Wirkstoffe aufnimmt und wieder ausscheidet, hängt häufig vom Wasserhaushalt und der Durchblutung ab. So kann es bei einem gut eingestellten Bluthochdruck plötzlich zu Schwindel und Schwäche kommen oder bei Diabetes zu einem ungesunden Blutzuckerspiegel.
Andere Arzneistoffe, wie bestimmte Parkinsonmittel oder Mittel bei Reizblase, beeinträchtigen die zentrale Temperaturregulation des Körpers. Dann kann das Durstgefühl durcheinander kommen, bestimmte Medikamentennebenwirkungen treten häufiger auf oder die Hitzetoleranz sinkt. Genau sind all diese Effekte noch nicht verstanden.
Wer zu wenig trinkt, riskiert einen Flüssigkeitsmangel – und der hat einen direkten Effekt auf die Nieren: Eine Vielzahl von Arzneistoffen wird langsamer ausgeschieden. Die Folge ist, dass sich manche Substanzen im Blut anreichern können und dadurch stärker wirken als gewohnt. Bei Medikamenten, bei denen die Dosis sehr genau stimmen muss – etwa bei bestimmten Herzmedikamenten oder neuartigen Blutverdünnern – kann das problematisch werden. Neben dem Flüssigkeitsmangel kann zu wenig Trinken auch den Salzhaushalt aus dem Gleichgewicht bringen.
Tipp: Weder zuckerhaltige Softdrinks noch Leitungswasser können die körperlichen Bedürfnisse passend bedienen. Es gilt, den Körper mit Flüssigkeit und Salzen zu versorgen. Empfohlen werden – besonders für Menschen über 65 Jahren – Getränke mit einem Natriumgehalt von 0,5 bis 1 Gramm pro Liter, etwa Mineralwasser, Brühe, Elektrolytlösungen, isotonische Getränke oder Saftschorlen.
Hitze kann ebenso die erwünschten und unerwünschten Wirkungen von Arzneistoffen beeinflussen. Beispielsweise treten Magen-Darm-Probleme bei einigen Alzheimer-Mitteln oder dem Diabetesmittel Metformin unter hohen Temperaturen gehäuft auf. Aufmerksam sollte man auch bei Reisetabletten mit Dimenhydrinat oder bei Opipramol gegen Angststörungen sein. Bei ihnen zeigen sich Müdigkeit und Schwindel verstärkt.
Menschen mit Bluthochdruck gehören zu den besonders gefährdeten Gruppen. Hohe Temperaturen können den Blutdruck deutlich absenken. Schwindel oder Kreislaufprobleme sind die Folge. Wer blutdrucksenkende Mittel einnimmt, sollte sich rechtzeitig – etwa im Frühjahr oder vor einer Auslandsreise – ärztlich beraten lassen. Häufigere Blutdruckmessungen und gegebenenfalls eine angepasste Dosierung können helfen, Probleme frühzeitig anzugehen.
Um Betroffene und Ärzteschaft besser zu unterstützen, wurde die CALOR-Liste (lateinisch calor für Hitze, Wärme) vom Forschungsprojekt Adapt-Heat im Juni 2026 veröffentlicht. Fachleute der Universität Köln und der Medizinischen Hochschule Hannover stellten darin Wirkstoffe und relevante Aspekte zur Arzneimitteltherapiesicherheit bei Hitze zusammen – allerdings erstmal nur für medizinisches Fachpersonal. Bis Ende 2026 sollen eine laienverständliche Version sowie ein interaktives Webtool folgen.
Diabetikerinnen und Diabetiker müssen im Sommer noch wachsamer sein als sonst. Insulin kann bei hohen Temperaturen schneller ins Blut übergehen als gewöhnlich – dann wird der Blutzucker stärker abgesenkt als erwartet. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Insulin die Wärmeregulation des Körpers beeinflusst. Engmaschigere Blutzuckerkontrollen an heißen Tagen sind zwar lästig, aber sinnvoll.
Tipp: Schwindel, Kopfschmerzen oder allgemeines Unwohlsein im Sommer können Hinweise auf Therapieprobleme durch Hitze sein. Lassen Sie dies notfalls in der Arztpraxis abklären.
Wer Antidepressiva nimmt, sollte wissen, dass diese Wirkstoffe die Hitzetoleranz des Körpers beeinflussen können. Verändert sich das Befinden unerwartet, muss das nicht bedeuten, dass sich die psychische Erkrankung verschlechtert hat – oft steckt das gute Wetter dahinter. Bei solchen Auffälligkeiten empfiehlt sich ärztliche Betreuung.
Tipp: Auch wer Schilddrüsenmittel, Epilepsiemittel, neuartige Blutverdünner oder Abführmittel einnimmt, sollte vor heißen Tagen das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt suchen.
Kinder reagieren auf Hitze ohnehin empfindlicher als Erwachsene. Wer mit Methylphenidat oder ähnliche Stimulanzien gegen ADHS behandelt wird, ist zusätzlich gefährdet: Dieser Wirkstoff kann die Fähigkeit des Körpers beeinträchtigen, die eigene Temperatur zu regulieren. Eltern sollten das Thema im Sommer aktiv mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt besprechen – es geht im Alltag leicht unter.
Medizinische Pflaster – etwa gegen Schmerzen oder zur Rauchentwöhnung – stellen bei hohen Temperaturen eine besondere Herausforderung dar. Auf schwitziger Haut haften sie schlechter und geben den Wirkstoff weniger gleichmäßig ab. Gleichzeitig kann die hitzebedingt erhöhte Hautdurchblutung dazu führen, dass in kurzer Zeit mehr Wirkstoff aufgenommen wird als vorgesehen. Beides – zu wenig und zu viel Wirkstoff – kann unerwünschte Folgen haben.
Tipp: Kleben Sie Arzneipflaster nie auf feuchte oder schwitzige Haut. Wählen Sie zum Aufbringen eine kühle Umgebung und fragen Sie in der Arztpraxis nach, ob bei Hitze eine Dosisanpassung nötig ist.