Im Internet kursieren immer mehr digitale Fälschungen, mehr als 90 Prozent der Deepfakes sollen im Internet in den Bereichen Pornografie und Nacktheit auftauchen. Die Deepfake-Opfer sind in aller Regel weiblich. Eines von vielen: die Münchner Schauspielerin Teresa Rizos (u. a. bekannt aus den BR-Serien „Servus Baby“ und „Dahoam is dahoam“). In einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bayerns Justizminister Georg Eisenreich schilderte sie heute (24. Juni) ihre persönlichen Erfahrungen mit Deepfakes.
Eisenreich: „Pornografische Deepfakes sollen vor allem Frauen und Mädchen bloßstellen und erniedrigen. Niemand muss es sich gefallen lassen, dass sein digitales Erscheinungsbild durch eine Manipulation verfälscht wird. Deepfakes werden zum Mobben, in Rachepornos oder in betrügerischer Absicht eingesetzt. Sie verfügen über ein ähnlich hohes Schadenspotential wie eine Körperverletzung. Diesem besonderen Unrecht muss das Strafrecht gerecht werden.“
Den im Referentenentwurf vorgesehenen Strafrahmen bei sexualbezogenen Deepfakes von bis zu zwei Jahren hält Minister Eisenreich für zu niedrig: „Digitale Gewalt ist reale Gewalt und muss konsequent verfolgt und geahndet werden. Für schwerwiegende Fälle wie der Verbreitung von pornografischen Deepfakes hatte ich deshalb bis zu fünf Jahre Haft gefordert.“
Zudem fehlt in dem Referentenentwurf eine Regelung zum Identitätsmissbrauch. Bei diesem ebenfalls stark verbreiteten Phänomen schlüpfen Kriminelle im Internet in die Identität einer anderen Person, um dann den Ruf ihrer Opfer zu ruinieren oder sich zum Schaden anderer unrechtmäßig zu bereichern. Bayern hatte bereits im November 2025 auf der Justizministerkonferenz einen neuen Straftatbestand dazu gefordert. Eisenreich: „Die aktuelle Debatte um Deepfakes und weit verbreitete Cybercrime-Betrugsmethoden durch Nutzung von Fake-Profilen zeigt, dass gesetzgeberischer Handlungsbedarf besteht.“
Eisenreich setzt sich darüber hinaus dafür ein, die Betreiber von Online-Plattformen bei strafbaren Inhalten stärker in die Pflicht zu nehmen. „Es geht nicht, dass Milliarden-Gewinne privatisiert, aber Probleme für Demokratie und Rechtsstaat sozialisiert werden“, so der Minister.
Hintergrund:
Fachkundige Beratung zu allen Formen digitaler Gewalt gibt es anonym beim Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen (116 016).