Deutschland schließt Rückführung von Atommüll aus dem Ausland nach gut 30 Jahren ab

19.6.2026 - | Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz

Die letzten Castor-Behälter mit hochradioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitungsanlage im britischen Sellafield sind im Zwischenlager Brokdorf (Schleswig-Holstein) eingetroffen. Mit diesem Transport ist auch die gesamte Rückführung deutscher hochradioaktiver Abfälle aus der Wiederaufarbeitung im Ausland nach gut 30 Jahren abgeschlossen. Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth hat heute gemeinsam mit Tobias Goldschmidt, dem Umweltminister das Landes Schleswig-Holstein, das Zwischenlager Brokdorf besucht, um das Erreichte der letzten Jahrzehnte zu würdigen.

Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth: "Mit dem heutigen Transport ziehen wir einen Schlussstrich unter das Kapitel Wiederaufarbeitung in Deutschland. Das Thema hat unser Land fast ein halbes Jahrhundert beschäftigt und über eine lange Zeit gesellschaftlich gespalten. Die Wiederaufarbeitung hat für Deutschland nie wirklich funktioniert und strahlender Müll ist trotzdem übriggeblieben. Dafür übernehmen wir jetzt die Verantwortung. Die Verteilung der Rücktransporte aus den Wiederaufarbeitungsanlagen im Ausland auf mehrere Zwischenlager war ein wichtiger Faktor, um einen großen gesellschaftlichen Konflikt zu entschärfen. Dass dieser Kompromiss bis heute getragen hat, stärkt das Vertrauen in die ergebnisoffene Endlagersuche. Er zeigt: Bund und Länder können auch bei schwierigen Fragen gemeinsam Verantwortung übernehmen und tragfähige Lösungen finden."

Die in den letzten Tagen in Brokdorf eingetroffenen sieben Behälter mit verglasten hochradioaktiven Abfällen waren ursprünglich für das zentrale Brennelemente-Zwischenlager Gorleben bestimmt. Jahrzehntelang galt dies als gesetzt. Zugleich stand Gorleben wie kaum ein anderer Ort für den gesellschaftlichen Konflikt um die Nutzung der Atomenergie und den Umgang mit ihren Hinterlassenschaften. Mit dem Atomausstieg und dem Neustart der Endlagersuche schlug Deutschland im Umgang mit den Abfällen aus der Wiederaufarbeitung einen neuen Weg ein. Bund und Länder verständigten sich darauf, keine weiteren nach Gorleben zu bringen. Das vom Bundesumweltministerium entwickelte und 2015 vorgelegte Konzept zur Rückführung beinhaltet, dass die noch im Ausland verbliebenen radioaktiven Abfälle aus der Wiederaufarbeitung auf mehrere Zwischenlager an Atomkraftwerksstandorten verteilt werden. Diese Verteilung bildete die Grundlage für eine faire Lastenteilung und trug dazu bei, den jahrzehntelangen Streit um Gorleben zu beenden.

Mit dem heutigen Abschluss ist das im Jahr 2015 vereinbarte Konzept vollständig umgesetzt worden. Der Rücktransport deutscher Abfälle aus Frankreich war bereits mit dem letzten Transport von vier Behältern aus La Hague nach Philippsburg im November 2024 abgeschlossen worden. Aus Sellafield waren zudem 2020 sechs Behälter ins Zwischenlager Biblis und 2025 sieben Behälter ins Zwischenlager Isar gekommen.

Deutschland hat damit sämtliche völkerrechtlichen Verpflichtungen zur Rücknahme von radioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung termingerecht erfüllt. Insgesamt wurden von 1973 bis 2005 6.670 Tonnen bestrahlte Brennelemente aus deutschen AKW zu Wiederaufarbeitungsanlagen gebracht. Davon gingen 5.359 Tonnen zur Wiederaufarbeitung nach Frankreich (La Hague) und 851 Tonnen ins Vereinigte Königreich (Sellafield).


https://www.bundesumweltministerium.de/pressemitteilung/deutschland-schliesst-rueckfuehrung-von-atommuell-aus-dem-ausland-nach-gut-30-jahren-ab