Private Altersvorsorge richtig gestalten

Datum14.10.2026
SubjektGesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft
RegionDeutschland
KategorieBankwesen, Finanzen und Investitionen, Internationale Organisationen, Versicherungswesen

Das paneuropäische private Pensionsprodukt (Pan-European Personal Pension Product, PEPP) bietet die Chance, die private Altersvorsorge zu stärken und gleichzeitig Europas Investitionsziele zu unterstützen. Bei einer GDV-Veranstaltung in Brüssel diskutierten die Teilnehmenden darüber, wie PEPP für Verbraucherinnen und Verbraucher zugänglicher, attraktiver und bedarfsgerechter gestaltet werden kann. Im Mittelpunkt standen dabei einfache und verständliche Produkte, finanzielle Bildung, individuelle Wahlmöglichkeiten und geeignete Anreize. Sie sind entscheidend, damit aus einer europäischen Initiative ein erfolgreiches Altersvorsorgeprodukt wird.

Altersvorsorge und Europas Investitionsziele miteinander verbinden

Europa steht vor zwei eng miteinander verknüpften Herausforderungen: die finanzielle Absicherung im Alter zu gewährleisten und mehr private Ersparnisse für langfristige Investitionen zu mobilisieren. Zwar sparen die Menschen in Europa grundsätzlich viel, doch ein erheblicher Teil dieser Mittel fließt nicht in Investitionen, die das Wirtschaftswachstum fördern könnten.

Bei der GDV-Veranstaltung „Getting Private Pensions Right“ am 13. Oktober in Brüssel diskutierten die Teilnehmenden darüber, wie die ergänzende private Altersvorsorge und insbesondere PEPP dazu beitragen können, diese Herausforderungen zu bewältigen.

Dabei wurde deutlich, dass PEPP im Zusammenhang mit der übergeordneten Spar- und Investitionsunion (Savings and Investments Union, SIU) betrachtet werden sollte. Das Produkt könnte den Bürgerinnen und Bürgern zusätzliche Möglichkeiten eröffnen, für das Alter vorzusorgen und gleichzeitig Ersparnisse in langfristige Investitionen zu lenken.

Einfachheit und finanzielle Bildung als Grundlagen für den Erfolg

Ein zentrales Thema der Diskussion war die Frage, wie sich private Altersvorsorgeprodukte verständlicher und einfacher gestalten lassen. Der bislang begrenzte Erfolg des ursprünglichen PEPP-Regelwerks zeigt, dass selbst eine vielversprechende europäische Initiative an ihre Grenzen stößt, wenn Produkte zu komplex sind oder die Erwartungen der Verbraucherinnen und Verbraucher nicht erfüllen.

Einfachheit allein reicht jedoch nicht aus. Auch die finanzielle Bildung spielt eine entscheidende Rolle, um mehr Menschen in Europa zum Sparen und Investieren zu motivieren. Vielen fehlt das notwendige Wissen, um fundierte Anlageentscheidungen zu treffen oder ihre spätere finanzielle Situation im Ruhestand realistisch einzuschätzen.

Die Teilnehmenden betonten, dass die Stärkung der finanziellen Bildung eine Gemeinschaftsaufgabe von Politik, Schulen und Finanzwirtschaft ist. Dabei gilt es auch, das veränderte Informationsverhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher zu berücksichtigen. Insbesondere jüngere Generationen nutzen zunehmend digitale Angebote und künstliche Intelligenz, um sich über Finanzthemen zu informieren.

Gleichzeitig bleibt die persönliche Beratung wichtig. Denn auch einfach gestaltete Produkte erfüllen nicht zwangsläufig die individuellen Bedürfnisse der Verbraucherinnen und Verbraucher, wenn eine angemessene Beratung fehlt.

Wahlmöglichkeiten für unterschiedliche Vorsorgebedürfnisse schaffen

Eine weitere zentrale Frage war, wie PEPP unterschiedlichen Risikoneigungen gerecht werden kann. Nicht alle Verbraucherinnen und Verbraucher sind bereit, die Unsicherheiten kapitalmarktorientierter Anlagen in gleichem Maße zu tragen. Altersvorsorgeprodukte sollten diese Unterschiede berücksichtigen, statt auf eine einheitliche Lösung für alle zu setzen.

Diskutiert wurde, wie ein Basis-PEPP und stärker individualisierte Angebote unterschiedliche Anlagemöglichkeiten eröffnen können, ohne dabei an Verständlichkeit oder Zugänglichkeit einzubüßen.

Die Teilnehmenden betonten zudem, dass Einfachheit stets aus Sicht der Verbraucherinnen und Verbraucher gedacht werden muss. Für Sparerinnen und Sparer sind vor allem praktische Fragen entscheidend: Wie wird das Produkt steuerlich behandelt? Was passiert, wenn sich die persönlichen Lebensumstände ändern? Und mit welchen Leistungen können sie im Alter rechnen?

Versicherer können hier ihre Erfahrung im Management langfristiger Kapitalanlagen und Risiken einbringen und so Vorsorgelösungen anbieten, die unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden.

Die richtigen Rahmenbedingungen für den Erfolg von PEPP schaffen

Neben der Produktgestaltung ging es in der Diskussion auch um die Voraussetzungen dafür, dass private Altersvorsorge für breite Bevölkerungsschichten tatsächlich attraktiv und zugänglich wird.

Eine besondere Bedeutung kommt dabei der steuerlichen Behandlung zu. Geeignete steuerliche Anreize können die Bereitschaft zur privaten Vorsorge erhöhen. Allerdings stellen die Unterschiede zwischen den nationalen Renten- und Steuersystemen weiterhin eine Herausforderung dar. In der Diskussion mit dem Publikum wurde zudem deutlich, wie schwierig es angesichts angespannter öffentlicher Haushalte sein kann, die ergänzende Altersvorsorge gezielt zu fördern.

Ein weiterer Schwerpunkt war der Zugang zu Vorsorgeprodukten. Digitale Angebote können Verbraucherinnen und Verbraucher bei der Informationssuche unterstützen. Bei langfristigen finanziellen Entscheidungen legen jedoch viele Menschen weiterhin Wert auf persönliche Beratung. Unterschiedliche Beratungswege und ein besserer Zugang zu digitalen Rentenübersichten könnten dabei helfen, den individuellen Vorsorgebedarf besser einzuschätzen und die eigene Altersvorsorge entsprechend zu planen.

Darüber hinaus könnte PEPP insbesondere in Mitgliedstaaten, in denen die ergänzende Altersvorsorge bislang weniger stark entwickelt ist, neue Möglichkeiten eröffnen. So könnten mehr Menschen am langfristigen Sparen und Investieren teilhaben.

Von der europäischen Initiative zum praktischen Erfolg

Die Diskussion zeigte, dass für den Erfolg von PEPP mehr erforderlich ist als eine Überarbeitung des regulatorischen Rahmens. Einfache und verständliche Produkte, finanzielle Bildung, individuelle Wahlmöglichkeiten und geeignete Anreize sind gleichermaßen entscheidend.

Aus Sicht der Verbraucherinnen und Verbraucher kommt es vor allem darauf an, dass ein Produkt einen erkennbaren Mehrwert bietet, ihren individuellen Bedürfnissen entspricht und ihnen Sicherheit bei der finanziellen Planung für das Alter gibt. Für die Anbieter wiederum muss der regulatorische Rahmen ausreichend Spielraum lassen, um attraktive langfristige Vorsorgelösungen zu entwickeln und gleichzeitig ein angemessenes Schutzniveau sicherzustellen.

Letztlich wird sich der Erfolg von PEPP daran messen lassen müssen, ob es gelingt, mehr Menschen in Europa für die private Altersvorsorge zu gewinnen und zugleich einen Beitrag zu den übergeordneten europäischen Investitionszielen zu leisten.

Damit aus diesem Potenzial ein konkreter Erfolg wird, muss private Altersvorsorge vor allem eines sein: verständlich, zugänglich und lohnenswert für die Menschen, für die sie gedacht ist.

https://www.gdv.de/gdv/themen/versicherungswirtschaft/private-altersvorsorge-richtig-gestalten-217000