| Datum | 12.10.2026 |
| Subjekt | Universität Hildesheim |
| Autor | Philo Schäfer |
| Region | Deutschland |
| Kategorie | Soziale Dienste, Wissenschaft und Forschung, Menschenrechte |
Wissenschaftler*innen der Universität Hildesheim suchen Personen, die in Einrichtungen oder im Rahmen von Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe (auch Jugendarbeit) in Niedersachsen von (sexualisierter) Gewalt betroffen waren oder diese miterlebt haben. Wer in dieser Zeit zum Beispiel in Hannover, Lüneburg, Lüchow-Dannenberg oder Göttingen Gewalt im Zusammenhang mit entsprechenden Einrichtungen erfahren oder miterlebt hat, kann sich bei dem Forschungsteam melden – entweder anonym über das Online-Portal oder auch per Mail für ein Interview.
Betroffene haben ein Recht auf Aufarbeitung, heißt es aus dem Forscher*innenteam bestehend aus Meike Baader, Nastassia Böttcher, Carolin Opperman, Julia Schröder und Wolfgang Schröer. Gerade weil das Thema so sensibel sei, möchten sie Betroffenen die Möglichkeit geben, sich anonym und niedrigschwellig äußern zu können. Über das Online-Portal könne man sich melden, ohne sich in eine Gesprächssituation begeben zu müssen, erklären die Wissenschaftler*innen. Im Online-Portal können Betroffene ihre Erfahrungen schildern und Hinweise zur Aufarbeitung liefern. Wer möchte, kann sich über die anonyme Online-Befragung hinaus aber auch persönlich für ein Interview an die Wissenschaftler*innen wenden. Das Forscher*innenteam sichert zu, dass alles, was gesagt wird, so anonymisiert wird, dass keinerlei Rückschlüsse auf interviewte Personen möglich sind.
Ziel ist eine niedersachsenweite Aufarbeitung von (sexualisierter) Gewalt in der Kinder- und Jugendhilfe zwischen den 1970er und 2010er Jahren. Anders als in vorangegangenen Projekten hat sich das Forschungsteam für diese Aufarbeitung auf keine konkrete Institution festgelegt. Das Forschungsteam erhofft sich auch Hinweise auf Personen und Einrichtungen, die Anlass für weitere Recherchen bieten. Selbstverständlich sind auch alle weiteren Hinweise zu niedersächsischen Städten oder Regionen für die Aufarbeitung von großer Bedeutung.
Zur Kinder- und Jugendhilfe zählen Einrichtungen, wie Pflegestellen/ Pflegefamilien, Wohngruppen und Heime, aber auch die Jugendarbeit mit Verbänden und Jugendstätten sowie Freizeitangeboten. Das Projekt wurde unter anderem durch die Ergebnisse aus der Aufarbeitung zu Helmut Kentlers Wirken in der Berliner Kinder- und Jugendhilfe angestoßen. Daraus hatten sich weitere Hinweise auf Gewalt in der Kinder- und Jugendhilfe in Niedersachsen ergeben.
Weitere Informationen
Gefördert wird die Aufarbeitung vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur. Das Portal für Erfahrungsberichte und Hinweise zu sexualisierter Gewalt in der Kinder- und Jugendhilfe Niedersachsen ist nun für ein Jahr offen und hier abrufbar. Das Team kann zum Informationsaustausch oder einer Interviewanfrage über diese E-Mailadresse kontaktiert werden: jhaufarbeitung(at)uni-hildesheim.de