Der Traum von LA28

3.10.2026 - | Österreichisches Olympisches Comité

Eigentlich hatte Marlene Kahler ihre Schwimmkarriere bereits beendet und einen Job in New York in Aussicht. Doch eine Abschlussrede von Rapper Snoop Dogg, ein nächtlicher Blick auf die Schwimm-WM und die Erinnerungen an ihre vier Studienjahre in Los Angeles änderten alles.

Beim 25. Tag des Sports sprach die 25-jährige Olympia-Starterin von Tokio im Jahr 2021 und Bronzemedaillengewinnerin über 800 m Freistil bei den Olympischen Jugendspielen Buenos Aires 2018 über ihr Comeback, einen Wecker um 4:40 Uhr und ihren großen Traum: Los Angeles 2028.

„Bevor ich in einem Büro sitze und acht Stunden für jemand anderen arbeiten muss, arbeite ich lieber selber an mir und meinen Zielen.“
Marlene Kahler bringt im Gespräch mit ORF-Sportreporter und ÖOC-Moderator Daniel Kulovits am Wiener Heldenplatz ziemlich genau auf den Punkt, warum sie wieder täglich ins Wasser springt. Die Niederösterreicherin war gemeinsam mit Simon Bucher, Iris Julia Berger, Bernhard Reitshammer und Schwimm-Legende Mirna Jukić-Berger bei den Autogrammstunden am ÖOC-Stand zu Gast.

Dabei sah vor etwas mehr als einem Jahr alles nach einem ganz anderen Lebensweg aus.

Snoop Dogg entfacht das Olympia-Feuer

Vier Jahre hatte Kahler an der University of Southern California (USC) in Los Angeles studiert, 2025 schloss sie ihr Studium in Business Administration ab. Danach wollte sie beruflich durchstarten. Eine Biotech-Firma bot ihr eine Stelle in New York an.

Doch bei der Abschlussfeier in Los Angeles hielt ausgerechnet Snoop Dogg die Festrede. Der Rapper erzählte von seinem eigenen Weg und davon, wie auch vermeintliche Außenseiter:innen erfolgreich sein können. „Das hat mich sehr motiviert“, erinnerte sich Kahler beim Tag des Sports.

Wie sie im Standard-Sportmonolog Anfang August schilderte, wurde bei der Feier im Los Angeles Memorial Coliseum sogar das olympische Feuer entzündet. Genau dort, wo 1932 und 1984 Olympische Spiele stattgefunden hatten und wo 2028 erneut eine Eröffnungsfeier stattfinden soll.

Wenig später saß Kahler in New York vor dem Fernseher und verfolgte die Schwimm-WM in Singapur. Sie sah frühere Weggefährt:innen im Becken und merkte, dass sie selbst wieder dazugehören wollte.

Der Entschluss zum Comeback reifte. Nach rund einem halben Jahr Pause suchte sie das Gespräch mit ihrem Trainer Balázs Fehérvári.
„Das Gespräch mit meinem Trainer hat einfach so gut funktioniert, dass es mir die Freude am Schwimmsport noch mehr zurückgebracht hat“, erzählte Kahler am Heldenplatz. Besonders motivierend sei seine Reaktion gewesen: „Wenn es wer schafft, dann bist es du.“

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(Instagram)

Um 4:40 Uhr läutet der Wecker

Inzwischen ist Kahler zurück im Trainingsalltag. Und der beginnt alles andere als gemütlich. „Teilweise um 4:40 Uhr in der Früh“, antwortete sie auf Kulovits' Frage nach ihrem Tagesablauf.

Der Grund: Ihre Trainingsgruppe besteht überwiegend aus 17- und 18-Jährigen, die noch zur Schule gehen. Damit alle gemeinsam trainieren können, geht es schon vor Unterrichtsbeginn ins Wasser.

Dabei hatte Kahler im Frühjahr einen weiteren Rückschlag verkraften müssen. Nach einer geplatzten Eierstockzyste war eine Notoperation notwendig geworden, gefolgt von einer achtwöchigen Trainingspause. Das kostete wichtige Vorbereitungszeit, änderte aber nichts an ihrem Entschluss, noch einmal anzugreifen.

Ihre Begeisterung für den Sport reicht dabei weit über die eigenen Wettkampfziele hinaus. „Ich finde schon, dass der Schwimmsport zu einer Nationalsportart werden könnte“, sagte Kahler beim Tag des Sports. „Man muss die Leute einfach ein bisschen motivieren und ihnen die schönen Seiten des Sports zeigen.“ Dass man dafür nicht unbedingt um 4:40 Uhr aufstehen müsse, fügte sie lachend hinzu.

Los Angeles als zweite Heimat

Für Kahler ist Los Angeles 2028 mehr als ein gewöhnliches Olympia-Ziel. Nach vier Studienjahren in Kalifornien wäre die Rückkehr zu den Spielen zugleich ein Wiedersehen mit ihrer zweiten Heimat. „Für mich wäre Los Angeles ein Traum, weil das genau dort ist, wo ich die letzten vier Jahre verbracht habe. Sozusagen in meinem Garten, in meinem Backyard“, schwärmte sie am ÖOC-Stand.

Schon 2021 war Kahler bei den Olympischen Spielen in Tokio dabei. Damals allerdings unter den strengen Corona-Beschränkungen, ohne die gewohnte Atmosphäre eines olympischen Sportfestes. In Los Angeles könnte sie Olympia noch einmal ganz anders erleben.
Die sportliche Herausforderung unterschätzt sie nicht. „Um zu Olympia zu kommen, muss man schon sehr, sehr schnell schwimmen. Ich glaube, das ist noch in mir, aber es sind definitiv noch ein paar Stationen davor, dass sich das ausgeht.“

Dass sich die Rückkehr lohnt, steht für die 25-Jährige außer Frage. Die Erfahrungen aus den USA, das wiedergefundene Vertrauen in ihren Trainer und die Freude am täglichen Training geben ihr neuen Antrieb. Und wenn der Wecker am nächsten Morgen wieder um 4:40 Uhr läutet, weiß Marlene Kahler zumindest genau, wofür sie aufsteht. Für ihren zweiten Olympiatraum. Und diesmal führt der Weg zurück nach Los Angeles.

 

https://www.olympia.at/main.asp?NID=46381&kat1=87&kat2=538