Lieber mit dem Löffel

2.10.2026 - | Universitätsklinikum Erlangen

Einmal kurz nicht aufgepasst und prompt mit dem Küchenmesser abgerutscht: Dieser Moment bescherte der Erlangerin Valeria Defez Mairal einen durchtrennten Nerv sowie ein durchtrenntes Blutgefäß an der linken Hand, eine nächtliche Notoperation in der Plastisch- und Handchirurgischen Klinik des Uniklinikums Erlangen und einen zweitägigen Klinikaufenthalt. Prof. Dr. Andreas Arkudas, Direktor der Plastisch- und Handchirurgischen Klinik, und sein Team kennen die Verletzungen mit der aussagekräftigen Bezeichnung „Avocado-Hand“ sehr gut: „Wir versorgen regelmäßig solche Notfälle“, bestätigt Prof. Arkudas, der in seiner Klinik mit insgesamt 17 Ärztinnen und Ärzten alle plastischen und handchirurgischen Fälle behandelt und operiert.

Valeria Defez Mairal berichtet, wie es zu dem Unfall kam: „Ich wollte mir zum Abendessen einen Salat mit einer Avocado zubereiten und hielt dafür die halbierte Frucht in der offenen linken Hand. Beim Entfernen des Kerns ist das Messer abgerutscht und die Klinge drang in meinen Mittelfinger ein.“ Weil die Wunde stark blutete, fuhr eine Nachbarin Valeria Defez Mairal in die Zentrale Notaufnahme im Chirurgischen Zentrum des Uniklinikums Erlangen.

Tiefe Wunden sind möglich

Die Handverletzungen bei einer Avocado-Hand können sehr vielfältig sein, erklärt Andreas Arkudas: „Am häufigsten sind, wie in diesem Fall, Wunden an den Fingern.“ Gleichermaßen könne das Messer aber auch in die Handfläche oder in das Handgelenk rutschen, erklärt der handchirurgische Spezialist. „Wenn das Messer nur leicht abrutscht, können Risswunden entstehen. In stärkeren Fällen, so wie bei Frau Defez Mairal, können Nerven und Blutgefäße durchtrennt werden oder auch die Sehnen beschädigt sein. Trifft das Messer mit noch mehr Schwung auf die Hand, kann die Wunde bis zum Knochen reichen.“ Nach der erfolgreichen Operation im Uniklinikum Erlangen bleiben der Unterarm und die Hand der Patientin noch für zehn Tage in einer stützenden Gipsschiene, bevor sie mit ersten Bewegungsübungen beginnen kann. „In ein paar Monaten zeigt sich, wie gut der Nerv nachwächst und ob das Gefühl in die Fingerspitze zurückkehrt“, weiß Andreas Arkudas.

Was zu tun ist, wenn’s passiert

Wem ein ähnlicher Unfall mit dem Messer passiert, sollte die Wunde – so wie bei anderen Schnittverletzungen – zunächst reinigen und bei einer starken Blutung zusätzlich abdrücken, rät der Mediziner. „Wenn die Haut vollständig durchtrennt ist, sollten Betroffene ärztliche Hilfe suchen“, stellt Prof. Arkudas klar. Damit es dazu gar nicht erst kommt, gibt der Experte weitere Tipps für das Verarbeiten von Avocados: „Der Kern lässt sich gut mit einem Löffel heraushebeln. Wenn doch ein Messer zum Einsatz kommt, sollte die Avocado immer auf dem Schneidebrett liegen und niemals in der hohlen Hand. Gerade, wenn das Messer mit erhöhtem Druck vom harten Kern abrutscht, ist die Gefahr groß.“

Spezialisiert auf Mikrochirurgie

Die Plastisch- und Handchirurgische Klinik des Uniklinikums Erlangen ist u. a. auf komplexe handchirurgische Eingriffe nach Unfällen wie bei der Avocado-Hand spezialisiert. Ziel sei es, die Funktionalität wiederherzustellen, sodass die Patientinnen und Patienten wieder zugreifen können oder, wie bei Valeria Defez Mairal, Gefühl in den Fingerspitzen zurückerlangen. Prof. Arkudas: „Es gibt in Deutschland immer weniger Kliniken der Plastischen Chirurgie, die die handchirurgischen Eingriffe integrieren. Mich fasziniert es, feinste Blut- oder Lymphgefäße und Nerven der Hand wieder miteinander zu verbinden“, erklärt der Klinikdirektor.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Andreas Arkudas
09131 85-33277
kathrin.maurer(at)uk-erlangen.de

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