Welttierschutztag: Neue Website gibt Orientierung beim Fund von Wildtieren

28.9.2026 - Martina Hämmerle | Land Vorarlberg

Bregenz (VLK) – Ein vermeintlich verlassenes Rehkitz, ein junger Vogel am Boden oder ein verletzter Igel: Wer ein Wildtier findet, möchte häufig rasch helfen. Doch nicht jedes Tier braucht menschliche Unterstützung – und gut gemeintes Eingreifen kann mitunter mehr schaden als nützen. Rund um den Welttierschutztag am 4. Oktober stellt das Land Vorarlberg deshalb eine neue Informationsseite bereit. Unter www.vorarlberg.at/wildtier-gefunden-erst-informieren-dann-handeln finden Bürgerinnen und Bürger konkrete Informationen zum richtigen Verhalten, zu rechtlichen Bestimmungen und zu den jeweils zuständigen Kontaktstellen.

„Wer ein Wildtier entdeckt, das verletzt, geschwächt oder verlassen wirkt, möchte verständlicherweise helfen. Entscheidend ist aber, zunächst Abstand zu halten, die Situation zu beobachten und sich zu informieren. Mit der neuen Website schaffen wir – unter Federführung der Tierschutzombudsperson – eine zentrale und übersichtliche Anlaufstelle, damit rasch eingeschätzt werden kann, ob ein Tier tatsächlich Hilfe benötigt und an wen man sich wenden kann“, erklärt Tierschutzlandesrätin Martina Rüscher. Der Grundsatz laute: „Erst informieren, dann handeln. So schützen wir Wildtiere und vermeiden zusätzlichen Stress oder unbeabsichtigte Schäden.“

Die Website bündelt Informationen für unterschiedliche Situationen und Tierarten. Sie enthält unter anderem Hinweise zum Umgang mit Rehkitzen, Feldhasen, Jungvögeln, Igeln, Eichhörnchen, Fledermäusen, Greifvögeln, Amphibien und Reptilien. Auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie die unterschiedlichen Zuständigkeiten bei jagdbaren und nicht jagdbaren Wildtieren werden verständlich dargestellt.

Beobachten und richtig einschätzen

Grundsätzlich gelten beim Auffinden eines Wildtiers vier wichtige Regeln: Das Tier nicht anfassen, nicht mitnehmen, nicht füttern und eine zuständige Stelle kontaktieren, wenn das Tier tatsächlich Hilfe benötigt. In den meisten Fällen benötigen Wildtiere vor allem Ruhe und ausreichend Abstand.

Tierschutzombudsfrau Ruth Sonnweber weist darauf hin, dass gut gemeinte Hilfe oft nicht im Interesse des Tieres ist: „Vorschnelles Eingreifen bedeutet für ein Wildtier enormen Stress, kann seine Situation erheblich verschlimmern und mitunter auch langfristige Folgen haben. Nicht selten entsteht eine tatsächliche Notlage überhaupt erst dadurch, dass Menschen eingreifen. Ein Eingreifen kann dann notwendig sein, wenn ein Tier durch menschliche Einwirkung verletzt oder in eine Notlage geraten ist. In solchen Fällen darf rein rechtlich und sollte auch aus tierschutzfachlicher Sicht die Versorgung ausschließlich durch zuständige und entsprechend qualifizierte Stellen erfolgen – in Vorarlberg sind das derzeit die Wildtierhilfe Vorarlberg und die zuständige Jägerschaft.“

Das bestätigt auch die Wildtierhilfe Vorarlberg aus ihrer täglichen Erfahrung: „Viele Menschen wenden sich an uns, weil sie einem vermeintlich hilfsbedürftigen Wildtier helfen möchten. Gerade in solchen Situationen ist es wichtig, nicht vorschnell einzugreifen, sondern zunächst abzuklären, ob das Tier tatsächlich Hilfe benötigt und welche Unterstützung die richtige ist. Die neue Website bietet dabei eine wertvolle Orientierung und hilft, rasch die passende Ansprechstelle zu finden. Klare Zuständigkeiten erleichtern die Arbeit für alle Beteiligten und kommen letztlich vor allem den Wildtieren zugute. Wir als private Auffangstation nehmen hilfsbedürftige Wildtiere nach vorheriger Absprache auf und immer unter Berücksichtigung unserer aktuellen Kapazitäten. So können wir sicherstellen, dass jedes aufgenommene Tier die notwendige Versorgung und Betreuung erhält. Danke an unsere engagierte Tierschutzombudsfrau Dr. Ruth Sonnweber für diese wichtige und wertvolle Ausarbeitung“, erklärt Katharina Feurstein.

Die Versorgung eines Wildtiers erfordert Erfahrung und muss auf die jeweilige Tierart abgestimmt sein. „Ungeeignetes Futter oder ein falscher Umgang können den Zustand eines Tieres zusätzlich verschlechtern. Umso wichtiger ist es, nicht vorschnell zu handeln und das Tier gegebenenfalls in fachkundige Hände zu geben“, betont Christian Ammann vom Wildpark Feldkirch.

Unterschiedliche Zuständigkeiten beachten

Welche Stelle die richtige ist, hängt insbesondere von der Tierart und der konkreten Situation ab. Bei jagdbaren Wildtieren sind die jagdnutzungsberechtigte Person beziehungsweise das zuständige Jagdschutzorgan die ersten Ansprechstellen. Bei nicht jagdbaren Wildtieren kann die Wildtierhilfe Vorarlberg kontaktiert werden. Bei unmittelbarer Gefahr für Menschen bzw. bei Wildunfällen auf öffentlichen Straßen ist die Polizei zuständig.

Gerade bei Rehkitzen, Feldhasen oder anderen jagdbaren Wildtieren ist Zurückhaltung besonders wichtig. „Ein allein angetroffenes Jungtier ist nicht automatisch verwaist. Wer unsicher ist oder ein verletztes Tier entdeckt, sollte Abstand halten und die zuständige jagdnutzungsberechtigte Person beziehungsweise das Jagdschutzorgan kontaktieren“, erklärt Gernot Heigl von der Vorarlberger Jägerschaft.

Neben dem unmittelbaren Tierschutz spielt auch der Schutz der natürlichen Lebensräume eine wesentliche Rolle. Wildtiere können etwa durch freilaufende, nicht abrufbare Hunde, Verkehr, Mäharbeiten, Abfälle oder Störungen in ihren Rückzugsräumen gefährdet werden.

Auftakt zur Tierschutzagenda Vorarlberg 2026-2029

Die neue Informationsseite ist Teil der Tierschutzagenda Vorarlberg 2026-2029. Unter dem Leitgedanken „Unser gemeinsamer Weg für mehr Tierwohl, Wissen und Verantwortung“ setzt die Agenda in jedem Jahr einen eigenen Schwerpunkt.

Das Jahr 2026 steht unter dem Motto „Helfen, ohne zu schaden“ und widmet sich insbesondere Wild- und Fundtieren. Im Mittelpunkt stehen neben dem richtigen Umgang mit Fundtieren und Wildtieren auch klare Informationen über Zuständigkeiten.

2027 richtet sich der Schwerpunkt unter dem Titel „Tierschutz beginnt vor dem Kauf“ auf Heim- bzw. Haustiere. 2028 stehen landwirtschaftliche Nutztiere und die bewusste Gestaltung von Tierwohl im Fokus. Das Jahr 2029 widmet sich wissenschaftlichen Grundlagen und einer faktenbasierten Vermittlung von Tierschutz.

Als Querschnittsthema über alle vier Jahre sollen Zuständigkeiten verständlich kommuniziert, Informationen gebündelt und Orientierung geschaffen werden.

„Der Welttierschutztag erinnert uns daran, dass der Schutz von Tieren Wissen und verantwortungsvolles Handeln voraussetzt. Genau hier setzt unsere Tierschutzagenda an: Wir wollen Informationen verständlich aufbereiten und den Menschen konkrete Orientierung geben“, so Rüscher abschließend.

www.vorarlberg.at/wildtier-gefunden-erst-informieren-dann-handeln

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