Kein Gewehr, kein Trainingsplan und kein Startstress: Ein halbes Jahr nach ihrem Karriereende feierte Lisa Hauser beim 25. Tag des Sports ein Wiedersehen mit der Olympia-Familie. Österreichs erfolgreichste Biathletin sprach am ÖOC-Stand über das Leben nach 387 Weltcupstarts, darüber, was ihr tatsächlich fehlt, und eine ganz besondere Gondel in Kitzbühel.
Kein Gewehr, kein Trainingsplan und kein Startstress: Ein halbes Jahr nach ihrem Karriereende feierte Lisa Hauser beim 25. Tag des Sports ein Wiedersehen mit der Olympia-Familie. Österreichs erfolgreichste Biathletin sprach am ÖOC-Stand über das Leben nach 387 Weltcupstarts, darüber, was ihr tatsächlich fehlt, und eine ganz besondere Gondel in Kitzbühel.
Das Gewehr? „Das nehme ich jetzt nicht mehr mit.“ Lisa Hauser kann darüber inzwischen lachen.
Fast auf den Tag genau ein halbes Jahr nach ihrem letzten Weltcuprennen in Oslo saß die vierfache Olympiateilnehmerin beim Tag des Sports wieder mitten unter ehemaligen Weggefährt:innen, Olympiasieger:innen und Fans. Nicht im Rennanzug, sondern mit dem Autogrammstift in der Hand.
Es war ein kleines Comeback. Nicht im Biathlon, sondern in der Olympia-Familie.
Am 22. März hatte Hauser ihre große Karriere überraschend beendet. Die Prioritäten hätten sich verschoben, erklärte sie damals. Beim Tag des Sports wollte ORF-Sportreporter Daniel Kulovits, der gewohnt souverän-sympathisch die Autogrammstunden in der ÖOC-Pagode moderierte, wissen, ob sich die Entscheidung inzwischen anders anfühle.
Die Antwort kam ohne Zögern: „Es fühlt sich nach wie vor richtig gut an.“ Spontan sei der Entschluss ohnehin nicht gefallen. „Ich habe es nicht von heute auf morgen entschieden, sondern mir Zeit dafür gegeben.“
Auch ihren ersten Sommer ohne das enorme Trainingspensum einer Weltklasse-Biathletin hat Hauser genossen. Gerade die heißen Tage machten ihr die neue Freiheit bewusst. Während Temperaturen über 30 Grad früher beinhartes Training bedeutet hätten, konnte sie diesmal auch einmal darauf verzichten.
Was fehlt also?
Nicht unbedingt die Intervalle oder das Konditionstraining. „Ich glaube, die Freundschaften“, sagte Hauser. Viele Jahre trainierte sie auch mit Athlet:innen aus der Schweiz. „Die habe ich heuer den ganzen Sommer gar nicht getroffen. Die Mädels und die Burschen. Das geht mir schon sehr ab.“
Ganz verschwinden wird sie aus der Biathlon-Welt deshalb nicht. Im Winter werde sie wohl „irgendwo wieder mit dabei sein“.
387 Weltcupstarts und der perfekte Tag X
Die Bilanz, mit der Hauser in ihr neues Leben gestartet ist, kann sich sehen lassen: 387 Weltcupstarts, vier Olympische Winterspiele, WM-Gold im Massenstart und WM-Silber in der Verfolgung 2021 sowie Weltcupsiege in allen vier Einzeldisziplinen. 2021/22 wurde sie Dritte im Gesamtweltcup.
Hauser selbst blickt bemerkenswert unaufgeregt darauf zurück: „Ich war lange dabei und habe natürlich auch das Glück auf meiner Seite gehabt, dass am Tag X alles funktioniert hat. Das ist nicht selbstverständlich. Dafür bin ich echt dankbar und im Nachhinein auch irgendwo stolz darauf.“
Dass ihre Karriere für den österreichischen Frauen-Biathlon weit über Medaillen und Siege hinaus Bedeutung hatte, ist ihr durchaus bewusst. Verglichen mit der Situation vor 15 Jahren habe man „schon einen Meilenstein geschafft“.
Beim 25. Tag des Sports passte sie damit perfekt in die Legenden-Edition. Am ÖOC-Stand wechselten sich aktuelle Olympia-Stars und große Namen vergangener Spiele beim Autogrammeschreiben ab. Hauser war erst vor wenigen Monaten selbst noch Teil des Olympic Team Austria bei Mailand Cortina 2026. Jetzt erlebte sie diese Welt erstmals aus einer neuen Perspektive.
Wie sehr ihre Erfolge zu Hause angekommen sind, zeigt eine besondere Auszeichnung in Kitzbühel. Nach ihrem Weltmeistertitel 2021 bekam Hauser eine eigene Gondel der Hahnenkammbahn.
„Ich habe eine Gondel am Hahnenkamm gekriegt“, erzählte sie Kulovits. In Kitzbühel sind solche Gondeln untrennbar mit den großen Namen des Skisports verbunden. Hauser bekam ihre für den größten Erfolg ihrer Biathlon-Karriere.
Ob daraus nun doch noch eine Karriere auf der Streif wird? Eher nicht. „Ich trau mich nicht, wenn ich zu schnell bergab fahre“, lachte Hauser. Ihre Variante sei die „Familienstreif“.
Auch Skibergsteigen wäre theoretisch eine Option. Schließlich sei sie ohnehin viel in den Bergen unterwegs. Doch die sportliche Neuorientierung darf warten.
Nach 387 Weltcupstarts muss Lisa Hauser derzeit nirgendwo mehr schnell ins Ziel kommen. Und das fühlt sich, wie sie selbst sagt, „nach wie vor richtig gut an.“